„Mithelfen, statt davonlaufen“, Gastkommentar, von Gudula Walterskirchen, 7.4.
Ich kann Ihrer Meinung zwar zustimmen, dass die Missbrauchsfälle innerhalb Einrichtungen der katholischen Kirche kein Grund dafür sind auszutreten und nichts mit dem Glauben zu tun haben.Aber es ist, obwohl es gegenüber vielen verantwortungsvollen, mit der Erziehung von Jugendlichen betrauten Ordensleuten und Pfarrern ungerecht ist, mit diesen ständig mehr werdenden Vorfällen das Vertrauen der Öffentlichkeit beschädigt worden.
Opferberatungen, Gottesdienste und Entschuldigungsreden von katholischen Würdenträgern, sogar finanzielle Entschädigungen können nicht pädophile Übergriffe in der Zukunft verhindern. Dies geht zunächst nur durch die Abschaffung des Zölibats, gleichzeitig könnte auch der in vielen Pfarren herrschende Priestermangel wesentlich verbessert werden.
Das zölibatäre Leben der Ordensleute kann gewiss nicht geändert werden, aber in ihren Internatsschulen muss ab sofort eine strikte Hausordnung gelten: Die Betreuung der intimeren Bereiche wie Schlafsäle, Waschräume usw. sowie pflegende Hilfeleistungen für Zöglinge dürfen nur dafür angestellte Frauen durchführen. Die Patres und Ordensleute sind ausschließlich für Gottesdienst und Unterricht zuständig.
Mag. Renate Wisinger
2500 Baden
Hiermit möchte ich mich für den ausgezeichneten Gastkommentar bedanken!Es wird klar, dass es nicht angeht, die Kirche als Sündenbock für alles hinzustellen. Dazu hat sie zu viel Positives in der Geschichte geleistet.
Dipl. Ing. Luisa Murillo
1180 Wien
„War Wilhering die Hölle?“, Gastkommentar, von Peter Huemer, 3. April
Ich war zur selben Zeit im anderen kirchlichen Internat in OÖ, es ging einfach grob und menschenverachtend zu. Lieblinge wurden gehätschelt, wer den aufrechten Gang wagte, wurde gebrochen. So war es jahrzehntelang. Aus. Punktum. – Wer glaubt, dass das Wehleidigkeit ist, ist eben kein Opfer und redet aus der warmen Stube g'scheit daher.
Was bei Peter Huemer als gegenseitiges lockeres Watschentraining daherkommt, halte ich nur für entlarvend und unsensibel für den Autor, nämlich, dass er die ganze Brutalität im Nachhinein als Gaudi schönredet.
Mag. Michael Pammer, Dipl. Päd.
4060 Leonding
„Sterbehilfeverbot in Verfassung verankern“, 2. April
Das Verbot der Sterbehilfe soll, wie „Die Presse“ berichtet, auf Betreiben von Caritas und Hospiz-Dachverband in der Verfassung verankert werden. Ein Schelm, wer angesichts des Zeitpunkts des Ganges in die Öffentlichkeit an den Versuch einer Ablenkung vom Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche denkt?
Intern möge die Kirche die für ihren Weiterbestand nötigen Maßnahmen ruhig nach eigenem Ermessen treffen. Als Teil der Gesellschaft hat sie jedoch die Pflicht, an der Aufklärung und Beseitigung der Missstände durch uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden mitzuwirken. Dies geschieht aber offenbar nicht; vielmehr wird immer wieder auf die Verantwortlichkeit der Täter verwiesen. Es wäre daher die Ausnahme von Religionsgesellschaften aus dem Verbandsverantwortlichkeitsgesetz zu streichen, damit auch die Entscheidungsträger strafrechtlich verantwortlich gemacht werden können, wenn sie Missbräuche durch mangelnde Vorkehrungen ermöglichen und vertuschen.
In der Sache selbst verdient ein verfassungsrechtliches Verbot der Sterbehilfe aus vielfältigen Gründen jeden Widerstand. Was wir brauchen, ist eine missbrauchssichere Regelung. Aber auf diesem Auge ist die Kirche offenbar blind. Lieber ruft sie, ganz nach dem Vorbild anderer Beharrungskräfte, nach dem Verfassungsrecht, um Dämme gegen gesellschaftliche Entwicklungen zu errichten. Und lieber treibt sie – wie bei der Abtreibung – die Vermögenden ins Ausland und die anderen in die missbrauchsgefährdete Illegalität.
Dr. Dietmar Pauger
8045 Graz
„Keine Zeit für Wellnessurlaube“, Leitartikel, von Karl Ettinger, 6. April
Eine ehrlich gemeinte Frage an Herrn Ettinger, den ich seit vielen Jahren kenne und an sich schätze: Sind Sie sich dessen bewusst, dass Sie mit Formulierungen über Abgeordnete wie „willfährige Marionetten“, „Feigheit ist das Hauptmerkmal von Mandataren“, „Mündigkeit angeblich freier Abgeordneter beginnt erst nach ihrem Abschied aus dem Hohen Haus“ – dass Sie damit den negativen Trend unglaublich verstärken, der darin besteht, dass immer mehr tüchtige, intelligente und leistungsorientierte Menschen mit den Worten „Das tu ich mir nicht an!“ auf eine politische Laufbahn gerne verzichten?
Im Übrigen: Natürlich weiß ich, dass ich bei jeder öffentlichen Kritik an der Regierung eine Schlagzeile bekäme, ich bleibe aber trotzdem bei meinem Stil und äußere meine Kritik intern!
Abg. z. NR Dkfm. Dr. Günter Stummvoll
ÖVP-Parlamentsklub
„Zumas Scharfmacher vom Dienst“, 7.4.
In Südafrika wurden in den letzten Jahren ca. 1600 weiße Farmer von Schwarzen ermordet. Der Jugendchef der Regierungspartei ANC stimmt bei öffentlichen Veranstaltungen gerne das Lied „Kill the Boers“ an, und sein Parteichef lässt ihn gewähren.
Man stelle sich vor, der Jugendchef einer österreichischen Regierungspartei würde öffentlich ein Tötet-die-Juden-Lied anstimmen und seine Partei bringt ihn nicht sofort mit aller Entschlossenheit zum Schweigen. Die EU würde angesichts dieses Aufrufs zum Genozid Österreich mit schärfsten Sanktionen belegen (diesmal zu Recht). Was macht die EU im Falle Südafrikas? Sie schläft in der Pendeluhr!
Mag. Christian Ebner
1030 Wien
„Der Mythos vom EU-Diktum“, von Oliver Grimm, 9. April
Oliver Grimm behauptet, von der EU-Kommission sei kein Eingriff zu erwarten, weil ihr die rechtliche Zuständigkeit fehle. Wie naiv! Der EU-Gerichtshof stellt immer wieder Zuständigkeiten der EU fest, an die beim Abschluss der Verträge niemand gedacht hat. Diese schleichende Erweiterung der Macht der EU-Zentralen mithilfe des Gerichtshofs hat schon vor Jahren der deutsche Verfassungsjurist und ehemalige Bundespräsident Roman Herzog beklagt; bewirkt hat er nichts. Es ist nicht auszuschließen, dass diese „bewährte“ Methode auch beim Rauchverbot angewendet wird.
Peter Flor
8010 Graz
„ÖVP-Anbiederung an Ewiggestrige“, Interview mit Alexander Van der Bellen, 9.4.
Manche ÖVP-Politiker meinen, Fischer und Rosenkranz seien für sie gleichermaßen nicht wählbar. Sie deswegen gleich ins „rechte Eck“ zu stellen, wie Van der Bellen das tut, ist falsch und gefährlich. Wer weder Fischer noch Rosenkranz wählen will, kann dafür unendlich viele Gründe haben, ohne Unterstellungen fürchten zu müssen.
Martin Hartig
1060 Wien
„Solarienbesuche unter 18 ab September verboten“, 6. April
Ein 16-Jähriger ist reif genug, das Staatsoberhaupt zu wählen, reif genug, um in einer Volksabstimmung beispielsweise für die Einführung der Todesstrafe zu stimmen, also auf entscheidende Fragen unseres Staates Einfluss zu nehmen, aber er ist nicht reif genug, um sich zu entscheiden, ob er in ein Solarium geht. Diese Logik soll einer verstehen.
Dr. Heimo Kellner
1180 Wien
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2010)















