Die Ich-Pleite: Nachtarbeit

Früher hat man Einsatz gezeigt, wenn man noch nach Mitternacht E-Mails beantwortet und schon vor der Putzfrau wieder aus dem Büro gesmst hat.

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Sicher, es war anstrengend, aber dafür ist man schneller befördert und den Kollegen bei jeder Gelegenheit als gutes Beispiel vorgesetzt worden. Das hat sich jetzt geändert. Zumindest in Amerika. Dort hat ein Marktforschungsinstitut nämlich ausgerechnet, dass Schlafmangel die amerikanische Wirtschaft jährlich 411 Milliarden Dollar kostet. Prompt haben die ersten großen Firmen begonnen, ihren Mitarbeitern Schlaftrainings anzubieten. Oder sogar Schlaf-Prämien: wenn man nachweisen kann, dass man 20 Tage lang mehr als sieben Stunden geschlafen hat. Vorreiter für die neue Schlaf-Bewegung ist wieder einmal der große Internet-Riese Amazon. Begründer und CEO Jeff Bezos behauptet, dass seine täglichen acht Stunden Schlaf das Beste seien, was er seinen Anlegern anbieten könne. Zur Not schläft er auch einmal ein Stündchen im Büro. Kein Wunder, dass nun niemand mehr als Kurzschläfer gelten will. Statt „Ich komme mit vier Stunden Schlaf aus!“ müssen sich die CEO jetzt beim Golfen gestehen: „Ich brauche mindestens acht Stunden Schlaf!“ Wer aufsteigen will, legt sich eine Schlaf-App zu, die direkt mit der Personal­abteilung verlinkt ist. Dann kann der Chef auf Knopfdruck sehen, wer wie viel, wie tief und wie lange schläft. Und die größten Schlaftabletten werden als Erstes befördert. Wer nicht mindestens einmal wöchentlich verschläft, während des Meetings einnickt oder herzergreifend gähnt, muss sich nicht wundern, wenn ihn der Chef beim nächsten Jahresgespräch anpfeift: „Tut mir leid! Wenn Sie Abteilungsleiter werden wollen, müssen Sie schon später aufstehen!“ 

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