25.05.2012 19:39 | Meine Presse Merkliste 0

Klein Colin hat den Wal-Kampf verloren

 (Die Presse)

Er schwamm nur einen Sommer: Ein von seiner Mutter verlassenes Wal-Baby hielt Australien in Atem. Gestern wurde Colin eingeschläfert.

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Ein Land, ein Wal, ein Wort in aller Munde: Colin darf nicht sterben! Erst verstieß ihn seine herzlose Mutter aus unbekannten Gründen. Dann verirrte sich der kleine Buckelwal in die Welt der Menschen – und verdrängte seinerseits Georgien und Olympia tagelang aus den Schlagzeilen Australiens.

Am Sonntag wurde das etwa zwei Wochen alte Baby bei Sidney gesichtet, als es eine Yacht für seine Mutter hielt und verzweifelt versuchte, daran zu saugen. Von da an jagte eine Rettungsaktion die nächste. Das Boot wurde ans Land gehievt, der Wal aufs offene Meer gelockt. Doch bald war er wieder da und nuckelte, vom Hunger und einer Hai-Attacke geschwächt, an einem anderen Boot.

Den Plan, ihn zu einer Wal-Herde zu ziehen, ließ man rasch fallen: Die Adoption eines fremden Kindes hat sich bisher noch kein Wal angetan. Zuletzt setzte man einen Wal-Flüsterer als Vermittler ein. Ein Aborigines-Sänger einer Reggaeband tätschelte Colin und sang ihm Mut zu. Der fühlte sich dem Vernehmen nach „gut und getröstet“, ließ aber bald wieder die Schwanzflosse hängen. Nur fünf bis sieben Tage kann ein Wal-Baby ohne Milch überleben, man stand bei Tag sechs. Da entschloss sich die Umweltbehörde schweren Herzens, das Tier einzuschläfern. Die Australier trauern. Im Gegensatz zu Japans Fischern haben sie ein Herz für die Riesensäuger. Doch Colin selbst aufzuziehen, war ihnen dann doch zu teuer. 30 Mann, elf Monate lang rund um die Uhr, hatte Grauwal „JJ“ in Kalifornien 1998 beansprucht – und es nicht gedankt: Das freigelassene Acht-Tonnen-Ungetüm ward nie mehr gesehen. gau

ZUM TIER

Name: Colin der Buckelwal

Todestag: 21. August 2008

Maße: 5,5m lang, zwei Tonnen schwer [AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2008)

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