So viel ist sicher: Es wird weniger geflucht werden in den Hallen des Weißen Hauses. War Rahm Emanuel berüchtigt für seine derbe Sprache, so ist Pete Rouse, sein interimistischer Nachfolger als Stabschef des Präsidenten, bekannt für seine ausgleichende Art. Oft genug hat der 64-Jährige vermittelnd eingegriffen, wenn Emanuel alias „Rahmbo“ und der ebenso cholerische Top-Wirtschaftsberater Larry Summers Mitarbeiter mit ihren Zornausbrüchen vor den Kopf gestoßen haben. Dass Emanuels Kinder den Anrufbeantworter Rouses besprochen haben, zeugt von der Beliebtheit des überzeugten Single, bekennenden Workaholics und Halbjapaners.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, einem Vollblutpolitiker, scheut der Katzenfreund und Fan der Rockband „Grateful Dead“ jedoch das Rampenlicht. Lieber agiert er „backstage“, hinter den Kulissen. Sein langjähriger Job als Stabschef des demokratischen Senators Tom Daschle und seine Fachkenntnis haben ihm das ehrenvolle Attribut „101. Senator“ eingebracht. Nachdem Daschle seinen Senatssitz überraschend verloren hatte, hat Obama als Novize im Senat Rouse vom Fleck weg engagiert. Er qualifizierte ihn als „ego-frei“.
Jetzt hat sich Pete Rouse indes geziert, das Angebot anzunehmen, in der Hierarchie des Weißen Hauses ganz an die Spitze vorstoßen. Auch sein Ex-Chef Daschle war im Gespräch für den Schlüsseljob, der den Zugang zum Präsidenten regelt und dem Machtzentrum am nächsten ist. Rouse gilt als eine Übergangslösung, bis die Kongresswahl in einem Monat die politische Konstellation in Washington über den Haufen wirft. vier
ZUR PERSONName: Pete Rouse
Geboren: 1946 [AP]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2010)















