21.05.2013 16:12 Merkliste 0

Brauchen S' eine Rechnung?

JAKOB ZIRM (Die Presse)

Zum Thema Schwarzarbeit kann fast jeder etwas sagen – aus eigener Erfahrung.

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Eine Milliarde Euro Schaden verursachen Scheinfirmen pro Jahr. Diese Summe wird Sozialsystem und Fiskus entzogen, so eine Studie von Innen- und Sozialministerium. Mitarbeiter werden verspätet oder gar nicht angemeldet. Die Firmen regelmäßig in Konkurs geschickt, um die Abgaben schuldig zu bleiben. Die gesetzlichen Verschärfungen der vergangenen Jahre brachten also nicht sehr viel. Etwa, dass Bauherren oder Generalunternehmer für ihre Subfirmen verantwortlich sind.

Damit ähnelt die Situation einem großen Bereich der Schwarzarbeit, der von dieser und vielen anderen Studien erst gar nicht beleuchtet wird: Jenem der privaten Putzfrauen, Pfleger und Pfuscher. Diese sind zwar lang nicht so organisiert wie die professionellen Scheinfirmen. Dennoch bügeln, staubsaugen und renovieren Tausende jeden Tag, ohne dass Finanz oder Sozialversicherung je einen Cent an Abgaben sehen.


Nun kann dies weiterhin beklagt beziehungsweise mit einem Schulterzucken hingenommen werden. Oder der Staat setzt endlich an der Ursache für die Popularität des „brutto für netto“ an – hohen Lohnnebenkosten. So muss hierzulande ein Kfz-Mechaniker einen ganzen Tag arbeiten, um sich eine einzige seiner Arbeitsstunden als Kunde leisten zu können.

Das ist zwar keine Entschuldigung für Schwarzarbeit. Aber es ist zumindest eine Erklärung.

Siehe Artikel Unten

 

jakob.zirm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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26 Kommentare
 
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Gast: Apollo 13
28.06.2012 12:39
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Ein eigenartiger Artikel in der Presse...

... ist das. Ist es dich die Presse, die Erbschaftssteuern verteufelt mit dem Argument, dass das vererbte Geld ja schon mal versteuert wurde. Mit dem gleichen Argument kann ich an Schwarzarbeit nichts finden, da wird ja auch bloß für Geld, das schon mal versteuert wurde, nicht nochmal Steuer bezahlt. Also: Wer gegen Erbschaftssteuern ist, muss für Schwarzarbeit sein!

Effizienzdenken

Schwarzarbeit ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass sich - auf dem einen oder anderen Weg - der freie Markt selbst Lösungen schafft.

Es gibt massenhaft Studien, die zeigen, dass Schwarzarbeit mehr für die Wirtschaft bringt, als wenn umgekehrt der Staat die Mittel einstreichen könnte. Warum? Weil ein ganz großer Prozentsatz des schwarz erarbeiteten Geldes sofort verkonsumiert wird! Wenn man für seine Arbeit fair entlohnt wird, ist man auch eher bereit, das Geld dann wieder in den Wirtschaftskreislauf zu stecken.

Aber momentan ist das der absolute Wahnsinn:
kleines Beispiel:
Ein Bruttoverdienst von 2000 kommt auf netto 1400
Brutto 3000 macht netto 1900: 500 mehr!
Mit anderen Worten: bereits in diesem noch "relativ" niedrigen Bereich herrscht bereits eine ABGABENQUOTE VON 50%!

Und da ist jetzt noch kein einziger Cent Mehrwertssteuer inkludiert. Das kann so nix werden, das System geht irgendwann hoch.

Antworten Gast: Gast: Leser
08.07.2012 11:26
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Re: Effizienzdenken

Dazu kommt noch, dass - vor allem im Bereich Bauen - ohne Schwarzarbeit sehr viele Arbeiten gar nicht durgeführt würden, weil zu teuer, für den Durchschnittsverdiener nicht leistbar. Daher sind die "Berechnungen", wieviel Geld dem Staat durch Schwarzarbeit "entgeht", völlig realitätsfremd.

Schwarzarbeit.

Es gibt eh eine gute Studie darüber. Lang lebe die Schwarzarbeit .. :-)

Ah,

Schwarzarbeit, die Privatstiftung des kleinen Mannes...

Der Arbeitnehmer erfährt doch gar nicht...

...wieviel von den Personalkosten letztendlich bei ihm landen.
Wenn am Lohnzettel stehen würde, wie viel wirklich abgeführt wird, bevor der Netto-Betrag rauskommt, dem Arbeitnehmer auch aufs Konto überwiesen wird, dann würde es wohl einen Volksaufstand geben!

Da lobe ich mir doch die Selbstständigkeit...da muss ich das sogar selbst ausrechnen...


Gast: zetto
27.06.2012 16:45
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Es pfuscht sich gut,

wenn man ja nebenbei bei einer Firma gemeldet ist, die brav die SV einzahlt...

Schwarzarbeit ist ein Ergebnis, nicht die Ursache des Übels!

Hätte der Staat nicht in den letzten 40 Jahren enorme Schuldenberge aufgehäuft, wäre nicht dem Volk mit Geschenken wie der 38-Stunden-Woche und "Wohlfahrt für alle" in den Allerwertesten gekrochen worden, müßte der Staat solche Steuern erst gar nicht einheben. Rechnet man aus einem Brutto-Normaleinkommen von 32.000 EUR alle Steuern und Abgaben heraus, kommt man auf eine Jahresrealkaufkraft von 2.450 EUR, der Rest geht in Staatsnotwendigkeiten (Infrastruktur, innere & äußere Sicherheit, Ausbildungswesen, 35%) und Schwachsinn (Ideologiegemonster wie political correctness oder gender mainstream, Dienstwagen, Schlampereien, völlig überflüssige Verwaltungsstrukturen, Integrationsausgaben für Integrationsunwillige bis hin zum Eislaufplatz vor dem Wiener Rathaus bis Ende März, 65%) auf. Die Pensionen wären ohne weiteres leistbar, würden sie nicht besteuert, sondern netto ausbezahlt; die Kosten im Spitalssektor können nur durch den Wegfall der Einkommenssteuer um über 20% SOFORT bezahlt werden. Dasselbe gilt für den gesamten anderen Bereich des öffentlichen Dienstes – durch den Wegfall der Umverteilungskosten wäre die öffentliche Verwaltung ganz ohne Sparmaßnahmen und Verwaltungsreformen um 20% SOFORT billiger. Die einzigen, die durch den Wegfall weiter Teile der Umverteilungsmaschinerie (die zu 20% umverteilt und zu 80% sich mit dem eingesetzten Geld selbst erhält) arbeitslos würden, wären die Umverteiler; aber die könnten dann endlich selbst arbeiten und so zum Gemeinwohl beitragen

Gast: Eleonora K.
27.06.2012 14:53
0 0

Lohnnebenkosten

Ich bin für niedrigere Lohnnebenkosten, dafür aber auch für weniger Transferleistungen.
Damit wären zwei Fliegen auf einen Schlag getroffen: einerseits mehr Anreiz, andererseits mehr Zwang, eine Arbeit zu suchen.

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Grob gerechnetes Beispiel

Völlig richtige Erklärung!
Beispiel Friseurbesuch: Preis für Damenfrisur 100,-, davon
17,- Umsatzsteuer
20,- Lohnnebenkosten
31,- Einkommensteuer
sonstige Steuern,
ergibt Steuerbelastung von rd 70%.
Damit wir was zum Umverteilen haben.

ein grund liegt halt schon darin,

dass auch in risikobranchen jeder unternehmer sein darf, und wenn er seine x-te personalleasingfirma an die wand fährt, dann eröffnen halt frau, bruder, nichte pro forma die nächste firma und alles geht von vorne los. wenn halt jeder "einfach so" eine firma gründen darf, braucht man sich nicht wundern, wenn viele firmen auch rasch tschari gehen. irgenwann gabs mal begriffe wie sorgfalt des kaufmanns u. dgl., aber das ist lange her...

dumm ist jeder sorgfältig und gesezteskonform arbeitende unternehmer, weil die tlw. schwarzarbeitenden schafe ihm die aufträge abspenstig machen. und da hilft nur kontrolle, nicht steuersenkung!

Gast: Finanzrat
27.06.2012 09:48
6 0

Abgabenquote in Österreich bei 50% in der Schweiz bei 30%

daher kann mir keiner erklären, dass das Zahlen hoher Steuern und Abgaben für eine Volkswirtschaft gesund sein soll.

Je mehr Geld direkt beim Bürger und in der Wirtschaft bleibt, umso weniger kann der Staat verwirtschaften.

Wenns die Politik mit der Steuer- und Abgabenlast übertreibt, ist Pfusch und Schwarzarbeit die logische Folge.

Das ist aber kein Plädoyer für organisierte Abgabenhinterziehung durch Scheinfirmen, sondern soll die Notwehrreaktion des ausgebeuteten Staatsbürgers begründen.

Re: Abgabenquote in Österreich bei 50% in der Schweiz bei 30%

"Abgabenquote in Österreich bei 50% in der Schweiz bei 30%"

50%? woher haben Sie diese Zahl?
http://wko.at/statistik/eu/europa-abgabenquoten.pdf

Re: Re: Abgabenquote in Österreich bei 50% in der Schweiz bei 30%

Lustig, wie kommt die StatistikAustria nur darauf?

Rechnen wir kurz: Ein Spitzenarbeiter bekommt 2680 Brutto, bleiben für ihn 1755,-Netto (ein wahrhaft "fürstliches" Gehalt!), der Spass kostet den Chef 3514,- . Ich sehe hier schon eine Abgabenquote von 50%! Für alle Waren gehen grundsätzlich 20% MWSt weg, wenn der Arbeiter noch ein Auto kaufen will, was tatsächlich manchmal vorkommt, zusätzlich 8% NoVA. Nehmen wir an, der Gute kurbelt die Wirtschaft an und spart nicht, sind wir bei diesem Beispiel jetzt schon bei einer Quote von 70%-78%! Ohne MöSt, ohne Grundsteuer, ohne Abgaben gem. Ökostromgesetz, ohne Elektrizitätsabgabe, ohne Vignette, ohne,...

Aber der Schmäh mit: "das ist eine Steuer, das hier eine Abgabe, eine Pflichtversicherung und hier haben wir eine Gebühr", zieht halt bei Österreichern die nicht addieren können noch bis in alle Zeit. Amen.

Gast: Finanzrat
27.06.2012 09:36
4 1

Abgabenquote in Österreich bei 50% in der Schweiz bei 30%


daher kann mir keiner erklären, dass das Zahlen hoher Steuern und Abgaben für eine Volkswirtschaft gesund sein soll.

Je mehr Geld direkt beim Bürger und in der Wirtschaft bleibt, umso weniger kann der Staat verwirtschaften.

Wenns die Politik mit der Steuer- und Abgabenlast übertreibt, ist Pfusch und Schwarzarbeit die logische Folge.

Das ist aber kein Plädoyer für organisierte Abgabenhinterziehung durch Scheinfirmen, sondern soll die Notwehrreaktion des ausgebeuteten Staatsbürgers begründen.

ein Kfz-Mechaniker als Kunde


zahlt mit dem Stundensatz die gesamte Werkstätte samt Einrichtung und Overhead mit und nicht nur den Mechanikerlohn. Also bitte nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen!

Re: ein Kfz-Mechaniker als Kunde

das stimmt natürlich, aber diese nebenkosten sind nicht achtmal so hoch wie die eigentliche arbeitsstunde selbst. ein unternehmen das so kalkuliert, wäre nicht lange am markt.

Gast: Zensurierter
27.06.2012 08:42
2 1

Vollkommen richtig !!

Darin zeigt sich der Wahnsinn:

So muss hierzulande ein Kfz-Mechaniker einen ganzen Tag arbeiten, um sich eine einzige seiner Arbeitsstunden als Kunde leisten zu können.

Die Abgabenquote beträgt somit effektiv nicht um die 40-50%, sondern ist schon eher bei 70-80%.

Das zeigt das Beispiel mit dem Mechaniker sehr deutlich !!

hohen Lohnnebenkosten.

gerne werden darunter verstanden:
sv-beiträge, lohnsteuer, diverse lohnabhängige steuern.

doch die großen brocken bei den sog. lohnnebenkosten sind für jeden selbstverständliche lohnbestandteile:
13. und 14. gehalt
bezahlter urlaub
lohnfortzahlung im krankheitsfall.

wer lohnnebenkosten senken will und dabei an den ersten block denkt: da sind bestenfalls peanuts drin.
und wer will ernsthaft beim zweiten block kürzen???

Antworten Gast: Grummelbart2
27.06.2012 10:00
4 1

Re: hohen Lohnnebenkosten.

Arhem... 13. und 14. sind keine "Nebenkosten", weil sie fast 1:1 ausbezahlt werden.

SV-Beiträge und Lohnsteuer? Dazu Arbeitgeberbeiträge (die gar nicht am liohnzettel aufscheinen).

Darin liegt der Hund begraben.

Blödsinn!


Wir haben heute Lohnnebenkosten von rund 120% !
In den 60 zigern des letzten JHD waren es rund 60%. Das heißt rund die Häfte!

Die Krake Staat, die Mafiosi Politiker fordern immer mehr Geld für ihr Nichtstun, für ihr ineffektives Wirtschaften, für ihre Korruptionen.

Der 13. und 14. sind keine Lohnnebenkosten, sondern lediglich die Bevormundung des Staates, der meint, seine Bürger können nicht auf den Urlaub sparen. In D z.b. unbekannt!

Re: Blödsinn!

13.+14. sind keine lohnnebenkosten.
stimmt.
dennoch laufen sie unter dieser rubrik.

nicht ideal, aber die realität.

Re: Oberst wollen wieder in Wirtschaftsfragen mitreden


und meint dass 50% Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge, die schon bei Minimaleinkommen alleine dem Mitarbeiter abgezogen werden, Peanuts wären.

Solche Wirtschaftsfachleute haben meist in der Löwelstrasse dissertiert.

Re: Re: Oberst wollen wieder in Wirtschaftsfragen mitreden

wozu wirtschaftsfachmann?
lesen und addieren sollte auch einem nichtfachmann nicht fremd sein.

also rechnen sie obige blöcke mal zusammen. und geben sie rund die hälfte der sv-beiträge dazu, denn die gehen an die pensionsversicherung. solange wir nicht vom umlageprinzip abgehen, landen diese beiträge ebenfalls beim arbeitnehmer - zeitverzögert.

könnten sie mir dann das ergebnis ihrer addition mitteilen. ich bin grad zu faul dazu. und bitte nicht schrecken, wenn mehr als 2/3 der lohnnebenkosten in ihrem börserl sein sollten.

Gast: skdfjklösdgj
27.06.2012 07:23
1 0

Genau das ist die Erklärung.

Ich wollte mir von einem Professionisten 1,5 Quatratmeter Boden verfliesen lassen. Der verlangte dafür doch tatsächlich 600 Euro. Was würde das wohl im Pfusch kosten?

Antworten Gast: Vogel Strauss
27.06.2012 14:38
0 0

Re: Genau das ist die Erklärung.

Habe ähnliches erlebt: 1,5 Quadratmeter Wandfliesen hinter der Abwasch = 650 Euro vom Professionisten ...

 
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