Eine Milliarde Euro Schaden verursachen Scheinfirmen pro Jahr. Diese Summe wird Sozialsystem und Fiskus entzogen, so eine Studie von Innen- und Sozialministerium. Mitarbeiter werden verspätet oder gar nicht angemeldet. Die Firmen regelmäßig in Konkurs geschickt, um die Abgaben schuldig zu bleiben. Die gesetzlichen Verschärfungen der vergangenen Jahre brachten also nicht sehr viel. Etwa, dass Bauherren oder Generalunternehmer für ihre Subfirmen verantwortlich sind.
Damit ähnelt die Situation einem großen Bereich der Schwarzarbeit, der von dieser und vielen anderen Studien erst gar nicht beleuchtet wird: Jenem der privaten Putzfrauen, Pfleger und Pfuscher. Diese sind zwar lang nicht so organisiert wie die professionellen Scheinfirmen. Dennoch bügeln, staubsaugen und renovieren Tausende jeden Tag, ohne dass Finanz oder Sozialversicherung je einen Cent an Abgaben sehen.
Nun kann dies weiterhin beklagt beziehungsweise mit einem Schulterzucken hingenommen werden. Oder der Staat setzt endlich an der Ursache für die Popularität des „brutto für netto“ an – hohen Lohnnebenkosten. So muss hierzulande ein Kfz-Mechaniker einen ganzen Tag arbeiten, um sich eine einzige seiner Arbeitsstunden als Kunde leisten zu können.
Das ist zwar keine Entschuldigung für Schwarzarbeit. Aber es ist zumindest eine Erklärung.
Siehe Artikel Unten
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)















