Elchtest für Rot-Grün

Die Verkehrspolitik in Wien emotionalisiert. Auch den Bürgermeister.

Wann war Wiens VP nach Erhard Busek und den Bunten Vögeln je wichtig? Eben. Seit Äonen bringt es die heutige Kleinpartei derzeit wieder zu fünf Minuten Ruhm. Manfred Juraczka heißt der Mann, der mit seiner Kampagne gegen die Parkpickerlausweitung die Stadtregierung in Bedrängnis bringt. Verkehr generell und Autofahren speziell emotionalisieren (in bisweilen schwer verständlichem Maß).

Jetzt sogar Bürgermeister Michael Häupl. Er will nicht zusehen, wie das Thema polarisiert – auch seine Wählerschaft. Daher regiert er seinem grünen Partner dazwischen. Vor wenigen Tagen hat Häupl ohne Maria Vassilakou ein Gespräch mit der VP-Spitze geführt. Jetzt müssen die Grünen mit der VP sogar verhandeln: alles zusammen das Gegenteil eines Vertrauensvotums für Vassilakou. Das Parkpickerl wird so zum Elchtest für die rot-grüne Koalition, die Versuchsballon für den Bund sein soll. Koalitionen sind aus läppischeren Gründen zerbrochen. In Wien scheint das unwahrscheinlich. Aber die Saat des Misstrauens ist gesät.

 

dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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