20.06.2013 09:51 Merkliste 0

Wem schadet das Embargo?

NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Ausgerechnet Griechenland, Italien und Spanien waren die Hauptölkunden des Iran.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Sanktionen, Embargos, Strafzölle und Handelsschranken sind aus wirtschaftlicher Sicht eine schlechte Idee. Und zwar immer und ohne Ausnahme, selbst wenn sie zum „Schutz“ der eigenen Wirtschaft erlassen werden. Das wissen die Embargoverhänger des Westens freilich – im Fall des Iran sind die negativen Konsequenzen sogar beabsichtigt. Das Regime soll unter Druck gesetzt werden, um die Gefahr einer iranischen Atombombe zu bannen. Das ist die politische Motivation hinter den Sanktionen der EU, die heute in Kraft treten.

Es gibt aber eine Frage, die schleunigst zu beantworten ist: Wen trifft dieses Embargo mehr? Das iranische Regime, das sechs Monate Vorbereitungszeit hatte und mit China, Japan und Indien Kunden hat, die schon mal pures Gold für iranisches Öl bieten (um die Dollar-Sanktionen zu umgehen, was bald nicht mehr notwendig sein wird, weil sie von den USA eine Ausnahmeregelung bekommen).

Oder trifft das Embargo gar vor allem Griechenland, Spanien und Italien – die europäischen Hauptimporteure iranischen Öls? Immerhin mussten die EU-Partner beim Beschluss der Sanktionen den Griechen sogar garantieren, dass sie weiterhin Öl bekommen. Woher auch immer. Und ein EU-Ölrettungsschirm für Athen ist wohl das Letzte, was Europa gerade braucht.

 

nikolaus.jilch@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

9 Kommentare

eine premiere für gold-jilch!


er hats geschafft einen kommentar zu verfassen in dem das wort GOLD nicht vorkommt! ist ja sensationell! gratuliere!

Gast: Peter Imfall
02.07.2012 18:09
0 0

So stellt sich der kleine Karli den Weltmarkt vor ...

Öl wird erstens nicht von Staaten gekauft sondern von Privatunternehmen. Und die decken sich über den Weltmarkt ein. Meist über Börsen, vor allem in Rotterdam. Können sie dort kein Öl mehr aus dem Iran kaufen, kaufen sie es halt von woanders.

Ziel des Embargo?

Es kommt immer darauf an was man mit einem Embargo erreichen will.

Will man die eigene Wirtschaft fördern geht das regelmäßig schief, weil man es halt mit gleicher Münze heimgezahlt bekommt.

Will man der fremden Wirtschaft schaden - eben um Druck für erwünschte Änderungen aufzubauen - kann es nur klappen, wenn genug (potentielle) Handelspartner des Betroffenen mitmachen.

Will man einfach nur den eigenen moralischen Grundsätzen folgend mit SOLCHEN Leuten keine Geschäfte machen, dann erübrigt sich die Diskussion. Dann kommt es nämlich nicht mehr darauf an, für wen das wirtschaftlich was für Folgen hat.
Höchstens könnte man dann eine moralische Debatte führen. Insbesondere wenn die Zivilbevölkerung stärker betroffen ist als das pöse Regime.

Die Frage ist also: Was WOLLEN wir eigentlich erreichen?

Gibt's vielleicht einen Wirtschaftskrieg der USA gegen Europa?


Wir kennen die Antwort seit Jahrzehnten, die Politiker wissen, dass wir's wissen. So eine Nebbich-Meldung ist daher keine Erwähnung wert.

Weshalb sollte das blöde Stimmvieh, das ja nur der Arbeitgeber der unfähigen und verlogenen Politiker ist, plötzlich mit der Wahrheit belastet werden?

Gast: super
02.07.2012 10:19
4 0

erst handeln - dann denken....


und vor allem : immer schön brav machen was uncle sam will.

1 0

Ist leider so

Wenn Israel und die USA so wollen müssen wir europäischen Hohlköpfe es so vollziehen auch wenn es uns schadet

Gast: lèoville
02.07.2012 05:48
1 0

Weshalb gibt es kein Embargo gegen Nordkorea?

könnte sein, daß dort kein Erdöl sprudelt? Diesen Heuchlern in Amerika und deren Vasallen in Europa geht es doch primär darum, die Vorbereitungen für den Angriffskrieg gegen den Iran voranzutreiben. Man will sich die Ölressourcen sichern. Waren es im Irak nicht vorhandene Massenvernichtungswaffen, ist es jetzt die nicht vorhandene Atombombe, die als Begründung für den Angriffskrieg dienen wird.

Gast: dirge
02.07.2012 05:15
3 0

dieses embargo

ist ein weiterer beweis für die dummheit des führungspersonals.

Gast: almöhi
01.07.2012 22:04
5 0

jedes embargo

ist so dumm, wie dessen Erfinder, es hat noch nie geholfen, im Gegenteil, gleichwohl ist es die erste Massnahme, die den Klugen einfällt.
Zudem trifft es regelmässig die Falschen, aber wer soll das den Hohlköpfen beibringen ?
So haben wenigstens die, die regelmässig die Embargos umgehen, die besten Geschäfte.

Mehr Kommentare:

Top-News