22.05.2013 00:03 Merkliste 0

Arena ohne Spitzenklub

ERICH KOCINA (Die Presse)

Steigt der SKN St.Pölten nicht in die Bundesliga auf, wird die NV-Arena wohl zu groß sein.

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Eine Investition in die Zukunft ist grundsätzlich einmal positiv. Insofern darf man dem Land Niederösterreich und seiner Landeshauptstadt zum Mut gratulieren, eine neue Arena für den SKN St.Pölten aus dem Boden zu stampfen. Mit einer Kapazität von 8000 Zuschauern, die bei Bedarf auf 13.000 erweitert werden kann, liegt man in der zweithöchsten Liga des Landes – die unverständlicherweise Erste Liga heißt – im Mittelfeld, weit hinter Linz mit 25.000, Kapfenberg mit 10.000 und Lustenau bzw. Altach mit rund 8500 Plätzen.

Und doch darf man zweifeln, dass eine solche Anlage die Größe hat, die der Relevanz des ansässigen Klubs angemessen ist. Denn bei den bisherigen Spielen des SKN St.Pölten war schon etwa bei der Hälfte, also rund 3500 bis 4000 Zuschauern, die obere Latte erreicht. Um das Interesse anzukurbeln, damit der Verein nicht regelmäßig vor halb leeren Rängen spielt, wäre langfristig der Aufstieg in die Bundesliga – oder zumindest die Chance darauf – nötig.

Auf der anderen Seite muss man fast schon dankbar sein, dass Landesvater Erwin Pröll in diesem Fall nicht komplett dem Größenwahn erlegen ist, und so wie einst Jörg Haider in Klagenfurt eine 32.000-Zuschauer-Arena auf die Wiese gestellt hat. Und auch, dass er sich nicht am niederösterreichischen Weg beim Bau von Spitälern orientiert hat – sonst hätte St.Pölten jetzt vermutlich zwei neue Stadien. Eines für Heim- und eines für Auswärtsspiele...

 

erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2012)

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3 Kommentare

Erst das Stadion, dann das es füllende Team?

In Deutschland leisten sich auch finanziell fast vor dem Konkurs stehende Kommunen neue Stadien bis 30.000 Zuschauer; für ihren lokalen Klub in der vierten oder fünften Liga! Dagegen ist die hübsche neue Arena in St. Pölten geradezu bescheiden! Und Sonnenkollektoren auf dem Dach zur Energiegewinnung besitzt es obendrein; es lebe die Nachhaltigkeit!

Problemnatisch finde ich hingegen das mangelnde Zuseherinteresse in Niederösterreich generell: Mehr als ein paar Tausend Interessenten kommen nicht einmal zu Bundesligaspielen.

Frank Stronach wollte in Wr. Neustadt auch so eine Arena; nur eben etwas größer. Als ihm dieser Wunsch verwehrt wurde, verlor er ebenso rasch jegliches Interesse an dem Fußballverein wie vorher bei der Austria; dort wäre der rappelköpfige Austro-Kanadier auch nur dann geblieben, wenn ihm BM Häupl in Rothneusiedl ein 30.000 Zuseherstadion hin gestellt hätte. Natürlich mit Stronachs Namenszug versehen. Aber es wurde nix daraus!

Wr. Neustadt hält sich trotz Minibudget tapfer in der höchsten Spielklasse. Aber wen interessierts? St. Pölten war schon vor Jahren "ganz oben"; aber die lokale Wirtschaft hatte für Sponsortätigkeiten keine Lust. So kam der Sturz ins Bodenlose. Heute hat sich der Klub wenigstens im Mittelfeld der 1. Divison etabliert. Aber vielleicht dient die neue Arene als architektonischer Lockvogel für bisher Fernstehende und Unentschlossene. Hoffen darauf, daß es dann auch sportlich aufwärts geht, ist ja wohl noch erlaubt...

Antworten Gast: Matze
09.07.2012 11:10
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Re: Erst das Stadion, dann das es füllende Team?

Ihr Vergleich hinkt. Ein deutscher Verein, auch in der Regionalliga, hat oft einen höheren Zuschauerschnitt als österreichische Erstligisten (Bundesliga, nicht Erste Liga. Da schauen schon mal 10.000 Fans ein Regionalligaspiel, das sind Zahlen, von denen ein SV Mattersburg nur träumen kann. Im Prinzip finde ich - bei vorhandenem Interesse - auch eine Investition in höhere Stadienkapazitäten vernünftig, gerade bei finanzschwachen Vereinen, denn - wie gesagt, bei vorhandenem Zuschauerinteresse - das bringt nun einmal ein Mehr an Einnahmen.

Ansonsten haben Sie aber durchaus nicht unrecht. Der Stadienneubau ist durchaus vernünftig, von der Kapazität für einen österreichischen Verein mit Ambitionen auf die Bundesliga auch nicht überdimensioniert. Das Problem mit den niederösterreichischen Fans ist allerdings ein schwerwiegendes... Schon die Admira kennt es ja seit Jahren, auch wenn da scheinbar eine Besserung eintritt... Naja, so blöd es klingt, aber die einzige Möglichkeit, das Interesse der Niederösterreicher an heimischen Teams zu wecken, wird wohl sein, neben einer attraktiven Präsentation (und ein schönes neues Stadion kann man durchaus in diesem Licht sehen) auch sportlich nachhaltig und erfolgreich zu agieren. Die Admira hat gezeigt dass das möglich ist, mal schaun ob es St. Pölten auch gelingt...

Re: Re: Erst das Stadion, dann das es füllende Team?

Admira/Wacker war(ist) ein Fusionsverein, der auf Wunsch der damaligen nö. Landesregierung in die Südstadt verpflanzt wurde, damit auch unser größtes Bundesland ständig in der höchsten Spielklasse vertreten ist und bleib. Für viele der ursprünglichen Fans in Jedlesee und Meidling war es unmöglich, sich mit dem neuen Klub zu identifizieren. Und die umliegenden Ortschaften hatten ja ihre lokalen Vereine; denen war Admira/Wacker herzlich egal! Das alles konnte ich ja noch irgendwie verstehen. Warum jedoch in einer großen Industriestadt wie Wr. Neustadt und, immerhin, in der Landeshauptstadt ein relativ geringes Interesse an den lokalen Vereinen herrscht, das wundert mich schon sehr!

Typisch war jedenfalls eine Straßenumfrage vor einem BL-Match in Wr. Neustadt, bei dem immerhin die Salzburger zu Gast gewesen sind. Da hörte man reihenweise Antworten, wie: "Ich wußte gar nicht, daß heute ein Match stattfindet". Oder, noch "besser": "Was? Wr. Neustadt spielt in der Bundesliga?"....

Na, hoffen wir, daß es mit St. Pölten sportlich aufwärts geht; der architektonische Rahmen stimmt doch jetzt wirklich...

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