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Rollbalken vorm Kopf

HANNA KORDIK (Die Presse)

Kleine Händler, die sonntags aufsperren? Damit soll jetzt wirklich Schluss sein.

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Das Problem mit Endlosdiskussionen ist, dass sie irgendwann ziemlich langweilig werden: Die Pro-Argumente sind hinlänglich bekannt, die Kontras detto, keiner rückt von seinem Standpunkt ab, die Sache bewegt sich im Kreis.

Die Diskussion um die Sonntagsöffnung ist anders. Da gibt es gottlob immer wieder skurrile Einlagen, womit das Thema recht unterhaltsam bleibt. Zum Beispiel: Das Wiener Marktamt (das offenbar das Privileg der Sonntagsruhe nicht genießen darf) will mit einer „Aktion scharf“ verhindern, dass kleine Lebensmittelhändler am Sonntag ihre Ware verkaufen. Wie ORF online berichtet, handelt es sich bei den bösen Händlern meist um solche mit Migrationshintergrund. Kleine Familienunternehmen also, die sich rücksichtsloserweise selbst ausbeuten. Und nicht den Sonntag genießen – im trauten Heim etwa oder auf einer feinen Landpartie.

Klar: Sie verstoßen gegen das Gesetz. Andererseits: Wie sinnvoll ist ein Gesetz, das ganz offensichtlich den Interessen „freier“ Unternehmer widerspricht? Unternehmer, die keine Angestellten an Sonntagen „zwangsverpflichten“. Unternehmer, die offensichtlich keinen gesteigerten Wert auf „Sonntagsruhe“ legen – aus welchen Gründen auch immer. Unternehmer, die ganz einfach ein offenes Ohr für die Bedürfnisse ihrer Kunden haben. Unternehmer, die ein gutes Gespür fürs Geschäft haben.

Aber damit sind wir wieder in der Endlosdiskussion. Die bringt nichts. Und das macht echt keinen Spaß.

 

hanna.kordik@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2012)

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35 Kommentare
 
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Religionsfreiheit

In den Niederlanden versteht man z. B. unter “Religionsfreiheit“ daß an Samstagen, also am Sabbat, die Jüdischen (etc.) Geschäfte geschlossen, jedoch an Sonntagen geöffnet haben dürfen und haben. Würden wir Österreicher unter Religionsfreiheit ebenfalls das verstehen, was damit gemeint ist, wäre, mutmaßlich, diese äußerst lächerliche Diskussion sofort beendet – oder?

Gast: quli
09.07.2012 18:33
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Angesichts des Masseneinkaufs bei Billa etwa am Bahnhof Praterstern oder an Tankstellen, fragt man sich was dieses Verbot nocht soll und zudem wettbewerbsverzerrend ist!


Kultursensibilität

Nichts Neues im Osten. Kaum geht es um eine bestimmte Gruppe von Immigranten werden die geforderten Ausnahmen gewährt, oder die Gesetze - die für alle anderen Bürger gelten - werden nicht vollzogen.

Re: Kultursensibilität

Letzteres. Es gibt keine Ausnahmeregelungen für Muslime.

Gast: Gast: Leser
09.07.2012 12:35
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Sonntagöffnung

Komme gerade aus Stockholm zurück: Alle Lebensmittelketten haben dort täglich von 7 bzw. 8 bis 22 h offen - auch am Sonntag. Aber bekanntlich ist ja Schweden ein völlig unsoziales Land, wo die Menschen rücksichtslos ausgebeutet werden, die Familien mutwillig zerstört werden und die Gewerkschaften keinerlei Macht haben. Wieso beschweren sich Foglar & Co. nicht bei ihren schwedischen Kollegen, die sich offenbar gegen diese Ausbeutung nicht wehren? Oder fragen zumindest nach, wieso die Schweden offenbar ganz zufrieden damit sind? Und wieso es in Schweden anscheinend großen Bedarf dafür gibt, und bei uns - nach gebetsmühlenartig wiederholten Aussagen der Gewerkschaft - keinen? Übrigens: man kann auch bei uns problemlos am Sonntag einkaufen, und zwar in - meist türkischen - Geschäften und kleinen Supermärkten; die dürfen offenbar problemlos auch am Sonn- und Feiertag offenhalten. Ich weiß zwar nicht warum, habe natürlich aber auch nichts dagegen.

Re: Sonntagöffnung

Die türkischen Geschäfte dürfen genausowenig sonntags geöffnet haben - sie halten sich nur nicht daran. Und wenn sie keiner anzeigt, wird auch nichts passieren.

In Wahrheit sind doch die Kunden froh, wenn man wenigstens irgendwo einkaufen kann, deshalb halten sie den Mund.

Gestern konnte man auch im Radio hören, dass eines der Probleme ist, dass einfach danach mit geändertem Geschäftsführer genauso wie vorher weitergemacht wird und daher ein Entzug der Konzession kaum was bringt.

Antworten Antworten Gast: Gast: Leser
09.07.2012 15:36
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Re: Re: Sonntagöffnung

Die Kunden zeigen natürlich niemanden an, aber die Gewerkschaften und Kammern sind ja ganz scharf auf "Abweichler". Daher wundert es mich, dass sie sich in diesen Fällen ruhig verhalten. In meiner unmittelbaren Umgebung gibt es einen kleinen Greißler und sogar einen mittelgroßen Supermarkt (beide türkisch), die seit vielen Jahren ein völlig ungestörtes "Sonntagsverkaufsleben" führen. Mehr noch, gleich daneben ist ein kleines türkisches Restaurant (gehört wahrscheinlich dem Supermarkt-Besitzer), wo man sehr oft (auch sonntags) Polizisten sehr gemütlich beim Mittagstisch sitzend beobachten kann (Funkstreife steht davor).

Scheinheilige Argumente

Eines muss klar gesagt werden: das Argument, dass die armen Angestellten geschützt werden müssen, ist unfassbar scheinheilig.

Warum? Weil sowas völlig unproblematisch KOLLEKTIVVERTRAGLICH geregelt werden könnte. ZB: wer Sonntag aufmacht, kann jeden Angestellten nur einmal alle 2 Monate für Sonntagsdienst heranziehen. Sowas ist mE durchaus nicht unzumutbar.

Wäre das wirklich so schwer?

Re: Scheinheilige Argumente

Ich würde es dann so regeln, dass die Angestellten nur dann für die Sonntagsarbeit herangezogen werden können, wenn sie das freiwillig tun.
Da gäbe es sicher einige, die das gerne machen (Studenten beispielsweise, die unter der Woche in der Uni sind). Ich selbst arbeite auch lieber am Wochenende, weil ich unter der Woche andere Dinge zu tun habe.

Re: Re: Scheinheilige Argumente

Funktioniert meines Erachtens nicht. Dann hätte der Arbeitgeber die gesamte Verhandlungsmacht. Jeder sich nicht bereiterklärt "freiwillig" zu arbeiten, wäre seinen Job bald los oder würde ihn nicht bekommen. Vgl zB die "freiwilligen" All-in-Verträge für Berufseinsteiger in den verschiedensten Branchen. Einseitig zwingendes Recht ist da schon noch notwendig.

Aber Verbote sind unsinng.

Re: Re: Re: Scheinheilige Argumente

Ja, da haben Sie auch wieder Recht.

Wobei es ja gang und gäbe ist, beim Vorstellungsgespräch zu lügen. So lange man nichts unterschreibt, ist ja noch nichts passiert.

Bestes Beispiel: die Familienplanung. Frauen werden ja nach wie vor bei Vorstellungsgesprächen gefragt, ob sie Kinder planen. Da sagt man dann logischerweise auch nein, egal, ob man Kinder plant oder gar schon schwanger ist ;).

Ich sehe auch kein Problem darin,

wenn Geschäfte , die keine Angestellten haben , sich die Öffnungszeiten selbst einteilen.
das ist ja beinah noch die einzige Möglichkeit sich gegen die "Großen" zu wehren.
Warum sollen sie diese Möglichkeit nicht nutzen und uns , auch am Sonntag, frische Semmerln bescheren ?

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bin zwar auch für die so-öffnung ....

.. in brüssel und vielen anderen städten funktioniert das absolut problem los - aber die frische semmel ist ein schlechtes beispiel - eine semmel aufbacken oder fertig backen kann ich zuhause auch.

Re: bin zwar auch für die so-öffnung ....

Das ist kein Argument: ich kann mir auch das Schnitzel und den Schweinsbraten selbat zu Hause machen. Folglich bräuchten dann Gastronomiebetriebe sonntags auch nicht geöffnet haben.

Selbstzerstörerische Gehässigkeit

Alle Einwohner in der Nähe solcher Kleinhändler sind glücklich,wenn sie sonntags die offenen Supermärkte meiden können:nachdem man die Warte-Schlange beim Eingang passiert hat, erwarten den Kunden entweder alkoholisierte Randalierer oder nüchterne Kunden,die sich oft wie Wilde im Krieg benehmen-erschreckend!
Die Kleinhändler sind fleißig,bringen durch das Sonntagsgeschäft mehr Steuern,ihre Lebensmittel sind oft von besserer Qualität.
Die Diskussion ist grauenhaft-aber es gibt Hoffnung:
Herr Peko Baxant leitet jetzt den SPÖ-Wahlkampf für die SPÖ-Fraktion der Wirtschaftskammer Wien und ihre nächsten Kammerwahlen.Vielleicht kann er durch seinen Migrationshintergrund als guter Vermittler zwischen den rigiden SPÖ-Bonzen und den in der Bevökerung beliebten bzw.braven Steuerzahlern=derzeit noch bestraften Kleinhändlern vermitteln.
Eine Frage: wo bleibt die Stimme unserer Vizebürgermeisterin?
Auch sie wäre eine ideale Vermittlerin.
Darf Wien nicht wenigstens hier New York werden?

doofer Kommentar

Die Anatolis genießen keine Sonntagsruhe, weil ihnen der Tag nix bedeutet. Die haben dafür am FR zu.
Wollen wir das wirklich? Dass jeder aufsperrt, wie er will und sich an keine Gesetze halten muss? Wenn ja, warum muss ich mich dann an Gesetze halten. Ich hätte auch das eine oder andere Kluge gegen so manches Gesetz, an welches ich mich blöderweise halten muss, vorzubringen.

Re: doofer Kommentar

Ich würde mich schon wehren, wenn der Staat mir vorschreiben würde, wann ich meine Kunden bedienen darf. Als Informatiker mache ich das zwar hauptsächlich per E-Mail, aber die Zeit würde ich mir trotzdem nicht vorschreiben lassen.

Re: Re: doofer Kommentar

Sehe ich auch so! Wieso nicht die Öffnungszeiten liberalisieren?

Voraussetzung ist natürlich, dass sich der Ladeninhaber selbst am Sonntag ins Geschäft stellt und die Angestellten nicht dazu zwingen darf.

Re: Re: Re: doofer Kommentar

Selber muss er nicht, wenn er Angestellte hat, die arbeiten. Ich kann mir vorstellen, dass es da viele gibt, die das tun würden, weil sie während der Woche was anderes tun.
Das mit dem Zwingen würde auch an Wochentagen nicht funktionieren.

Re: Re: Re: Re: doofer Kommentar

Ich kenne jetzt nicht den Kollektivvertrag für den Handel auswendig, aber ich gehe davon aus, dass Sonntagsarbeit da nicht erlaubt ist.

Es gibt in Österreich ja nur wenige KV, in denen es möglich ist, als Normalarbeitszeit Mo-So 24/7 anzugeben (Callcenter, Medien, Spitäler...)
Folglich dürften die Angestellten sonntags nicht arbeiten, selbst, wenn sie wollten. Aus diesem Grund wäre es erst wieder illegal, die Angestellten arbeiten zu lassen.

Nein, nein - da muss schon der Chef selbst ran. Denn ich bezweifle, dass der KV in nächster Zeit geändert wird.

Re: Re: Re: Re: Re: doofer Kommentar

Wie machen dann das die Tankstellen und die Supermärkte, die jetzt schon am Sonntag offen haben?
Und wenn der KV eh so viele Ausnahmen hat, dann ist es höchste Zeit, ihn zu ändern.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Cougar83
09.07.2012 13:39
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Re: Re: Re: Re: Re: doofer Kommentar

Und der Regionalleiter vom Billa stellt sich dann am SO in die Feinkost? Es gibt sicher genug Geschäfte wo der Chef die Arbeit nicht machen könnte.

Gesetz ändern, SO-Dienst zu 150% - 200% vergüten bzw. Zeitausgleich anbieten und es werden sich genug Freiwillig finden.

Geschäftsstörung

die Kleinen stören die Geschäfte der Großen, die Großen haben eine Lobby, die Kleinen nicht.
Wie sich einer sein Leben einrichtet, ist seine Sache, und wenn er sonntags arbeitet, alle Achtung.
Sonntagsverbot nur dann, wenn Angestellte genötigt werden, sonntags den Dienst zu verrichten; aber genau das hätten die Großen gerne für sich, siehe Lugner &Co; nur die kleinen Türken sollen nicht, hätten sie gern, das stört die Geschäfte.

Der randalierende Kleinladenbesitzer

Eine kleine Geschichte:

Ein Kleinladenbesitzer fährt am Sonntag mit der U-Bahn in die Arbeit, um seinen Laden zu eröffnen. Bereits nach kurzer Zeit kommt ein Feuerwehrmann vorbei der Bereitschaftsdienst hat und kauft sich ein Frühstück. Begleitet wird er von seiner Freundin, die für den ORF arbeitet und die Mittags-ZIB vorbereiten muss.
Danach ist nix los, also liest der Kleinladenbesitzer die Online-Presse.
Zu Mittag holt er sich eine Pizzaschnitte vom Stand nebenan. Danach noch ein Eis, weil es ja heiß ist.

Am Nachmittag passiert es: Das Wiener Marktamt rückt an und stürmt den Laden - schwerer Verstoß gegen die Ladenöffnungszeiten! Der Ladenbesitzer verliert die Beherrschung und attackiert einen der Martkamtler. Also muss die Polizei anrücken, die den Ladenbesitzer verhaftet. Der Marktamtler muss ins Spital zur Behandlung, die anderen nehmen das Taxi retour.

Jetzt die Quizfrage:
Wie viele Leute haben in der Geschichte böse, böse Sonntagsarbeit verrichtet?

Re: Der randalierende Kleinladenbesitzer

Ich weiß schon, was Sie meinen, aber so ganz vergleichbar ist es nicht.

Die Polizisten hätten sowieso Dienst gehabt, wären sie nicht zum hypothetischen, randalierenden Ladenbesitzer gerufen worden, hätten sie ihre Stunden halt in der Wachstube abgesessen. Ebenso die Ärzte, die im Spital den Marktamtler behandeln.

Der Marktamtler hatte vermutlich auch Bereitschaft bzw. falls nicht, bekommt er für seinen Einsatz Sonntagsüberstunden bezahlt.

Das alles ist legal - dass der Ladenbesitzer offen hat, ist das aber nicht - und genau darin liegt der Unterschied. Wenn jemand etwas Illegales tut, muss das auch geahndet werden.

Ich stimme Ihnen aber insofern zu, dass man die Ladenöffnungszeiten liberalisieren könnte. So lange der Ladenbesitzer selbst am Sonntag im Geschäft steht, ist eigentlich nichts dagegen einzuwenden.

Re: Re: Der randalierende Kleinladenbesitzer

manchmal ist die lösung aber nicht, einfach zu sagen: das eine ist legal, das andere nicht.

sondern stattdessen sollte man fragen: sollte man ein gesetz, dass offensichtlich unrecht ist, befolgen müssen oder sollte nicht viel eher ein solches gesetz aufgehoben werden müssen.

in einem rechtspositivistischen system kann man alles zu gesetz machen, eben auch unrecht. als aufrechter mensch hat man da nicht nur das recht, sondern die pflicht auf zivilen ungehorsam oder sogar widerstand. lies nach bei kierkegaard.

 
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