Wie die Schuldenkrise Europa erpressbar macht, kann man seit 1.Juli genau studieren. Zyperns Regierung, die seither den EU-Vorsitz innehat, macht sich schamlos zur Erfüllungsgehilfin fremder Interessen. Schon jetzt kann Präsident Dimitris Christofias seinen aufgeblähten Beamtenapparat nur dank eines 2,5-Milliarden-Euro-Kredits vom Kreml bezahlen. Weitere fünf Milliarden Euro dürfte Moskau bald freigeben. Währenddessen hat Wirtschaftsminister Neoklis Sylikiotis persönlich in Peking ausgelotet, ob nicht auch Chinas Führung Kredit geben will.
Die Motive Russlands und Chinas sind klar: Russische Oligarchen nutzen die Steueroase Zypern seit Jahren, um ihre oft unter zweifelhaften Bedingungen zusammengerafften Vermögen weiß zu waschen. Dazu muss der Finanzplatz liquid bleiben. China wiederum spitzt auf die Erdgasvorkommen vor Zyperns Küste, für die übrigens Minister Sylikiotis zuständig ist.
Dass ein EU-Mitgliedsland lieber bei fremden Großmächten um Geld bettelt, statt die unter großen Mühen geschaffenen Euro-Rettungsvehikel EFSF und ESM zu nutzen, ist empörend. Der Grund für diese Chuzpe ist klar: Zypern will vermeiden, dass die Prüfer aus Brüssel einen allzu genauen Blick in die trüben Geldflüsse werfen, die sein Finanzwesen auf krankhafte Weise aufgeblasen haben. Geldflüsse übrigens, die gerade in Österreich ein bekanntes Ärgernis sein sollten: Schlag nach bei Hochegger, Meischberger, Kommunalkredit.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2012)















