22.05.2013 17:22 Merkliste 0

Verstaatlichung ganz lieb

HANNA KORDIK (Die Presse)

Die ÖVAG hat den Staat rund eine Milliarde gekostet. Zu sagen hat er dort aber wenig.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Man lernt bekanntlich nie aus. Und also dürfen wir uns heute bahnbrechende Erkenntnisse aneignen. Nämlich: Verstaatlichungen sind per se nichts Böses. Im Gegenteil: Sie bieten dem Staat, der generell kein sonderlicher Sympathieträger ist, ungeahnte Möglichkeiten der Imagepolitur. Wir präsentieren die Verstaatlichung mit menschlichem Antlitz.

Wie die geht? Das Beispiel ÖVAG macht es vor: Das Institut, das finanziell ja nicht so gut dasteht, wurde im Februar verstaatlicht. Rund eine Milliarde Euro hat das die Republik Österreich (also uns Steuerzahler) gekostet.

Jetzt könnte der Staat natürlich per Holzhammermethode dort einen neuen, kompetenten Chef installieren – nach dem Motto: Wer zahlt, schafft an. Tut er aber nicht: Ebendieser Staat hat sich im Aufsichtsrat nämlich keine Mehrheit gesichert. Und damit herrschen in der ÖVAG quasi basisdemokratische Zustände. Mit allem, was dazugehört: Streit, Diskussionen, keine Entscheidungen.

Macht nichts. Wir haben ja Zeit. Geld sowieso. Und der Wohlfühlfaktor ist auch viel wert: Die Volksbanken haben mit ihrem Spitzeninstitut ÖVAG ohnehin schon viel Ungemach erleiden müssen. Da ist es nur recht und billig, dass sie bei der Besetzung des Chefsessels ordentlich mitreden dürfen. So viel Großzügigkeit muss sein.

Wir lernen also: Die antiautoritäre Verstaatlichung ist das Modell der Zukunft. Mehr Menschlichkeit, lautet die Devise in wirtschaftlich düsteren Zeiten. Der Steuerzahler sieht das sicher auch so. Oder?

 

hanna.kordik@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

6 Kommentare

Man kann's Ihnen nicht recht machen

Würde "der Staat" einen Proporz-Günstling bestimmen, wären Sie die Erste, die aufheult.

Gast: LegendIn
11.07.2012 16:56
1 0

Was soll man denn von einer ausgewiesenen Lulu-Regierung erwarten?

Eine Milliarde Euro Steuergeld reingesteckt - und jetzt dürfen sei weitermachen wie bisher!

Es genügt eben nicht, kein Prorgamm zu haben, man muss auch zu schwach sein, dieses umzusetzen. Kanzler Faymann forever!

1 0

Wenn der Staat

sich Durchgriffsrechte sichert, besteht die Gefahr, dass jene, die sich als "Staat" sehen, also ein paar Politiker und Beamte, diese auch ausübern. Und was glauben Sie, zu wessen Vorteil? Erraten! Sicher nicht zum Vorteil der Allgemeinheit.

Die Volksbanken haben mit ihrem Spitzeninstitut ÖVAG ohnehin schon viel Ungemach erleiden müssen.

Verzeihung, aber welches Ungemach? Die haben sich doch fein abgeputzt!

ein "neuer kompetenter" chef für die övag?

da könnte es doch passieren, dass schluss wäre mit dem prinzip "verluste sozialisieren, gewinne privatisieren"!
da das ein bruch unserer grundprinzipien wäre, darf das natürlich nicht passieren.

Gast: Martin_S
10.07.2012 20:16
1 2

Was wäre Ihnen denn Lieber?

Ordentlicher politischer Postenschacher ala Rot-Schwarzer-Proporz? Diverse MInister die sich bemüßigt fühlen, wichtig zu machen? Ein Grinsekanzler der mal wieder seinen "Staatssekretär" losschickt??? Sie tun ja gerade so, als ob staatlich eingesetzte Verwalter das Non-Plus-Ultra sind... so wie zB bei der Hypo Adria gell???

Mehr Kommentare:

Top-News