26.05.2013 07:41 Merkliste 0

Ein zynischer Vergleich

JUTTA SOMMERBAUER (Die Presse)

Ein versuchter „Völkermord“ in Tremseh? Der türkische Premier Erdoğan hat offenbar jegliches Maß verloren.

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Die Gewalt in Syrien eskaliert, und der Zynismus regiert. Nach einem mutmaßlichen Massaker in der Ortschaft Tremseh schieben Rebellen und Militär jede Verantwortung von sich – und Gräueltaten dem jeweils anderen in die Schuhe. „Zivilisten“ sind in dem Konflikt zu bloßem Menschenmaterial verkommen, das lediglich in den medial verbreiteten (und vermutlich oft gefälschten) Opferzahlen eine tragische Rolle spielt.

Zynismus regiert aber auch unter denjenigen, die eigentlich den blutigen Konflikt lösen sollten: So hat der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan erklärt, bei dem – zweifelsohne brutalen – Angriff habe es sich um einen versuchten „Völkermord“ gehandelt. Um seinen Gegenspieler Assad zu diskreditieren, scheint Erdoğan jedes rhetorische Mittel recht – sogar jener Vorwurf, den man, wenn es nach ihm geht, der Türkei in ihrer jüngsten Geschichte bis heute nicht machen darf. Das ist maßlos und zynisch.

 

jutta.sommerbauer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)

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7 Kommentare
Gast: Free
16.07.2012 18:15
0 0

Aufgewacht zum Thema Türkei?

Tja besser spät als nie...

Was hat man sich denn erwartet?

Herr Erdogan will vom Völkermord an den Armenien nichts wissen, redet aber über Syrien.
Diese Leute wollen einige EU-Politiker in der EU haben, dann Gute Nacht Europa.

Erdogan ist sowohl ein Zyniker

als auch ein Islamist. Er schreckt vor nichts zurück, wenn es um "seinen Islam" geht. So ist es absolut unverständlich, dass die EU-Politiker vor ihm einknicken und er in Europa und im Nahen Osten tun und lassen kann, wie es ihm in den Kram passt. Hier versagt wieder einmal die EU-Politik und er lacht sich ins Fäustchen. Vor seiner Zeit hatte die Türkei viele korrupte Politiker, heute hat sie radikale Islamisten in ihre Reihen. Assad war ein Freund Erdogans und die beiden konnten es gut miteinander. Jetzt steht Erdogan plötzlich auf Seiten jener, die Assad in die Wüste schicken wollen und Erdogan unterstützt sie lauthals. Warum? Weil die Türkei Mitglied der Nato ist? Oder weil Assad Alevit ist und Erdogan ein radikaler Sunnit? Erdogan ist ein Zündler und ein Machtmensch. Beides macht ihn so gefährlich.

Gast: Luzifer
16.07.2012 10:54
3 0

Überall dort, wo Geld der saudiarabischen Autokraten

steckt, bin ich über die "demokratischen" Motive von Aufständischen sehr skeptisch. Oder will tatsächlich einer dem geneigten Leserpublikum einreden, daß etwa der Scheich von Katar, der Bombenflugzeuge nach Lybien und anderswo geschickt hat, sich um die Demokratie im "Arabischen Frühling" sorgen macht? Hinter all der Propaganda steckt doch nur ein Stellvertreterkrieg zwischen den sunnitischen pseudodemokratischen Golfstaaten, die von den USA aufgehetzt und mit Waffen beliefert werden, und dem schiitischen Erzfeind der USA, dem Iran, dem die USA die Verjagung der US-Multis und der US-Truppen nie vergeben haben!

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
15.07.2012 22:37
11 0

na endlich mal ein Hang

zur Objektivität, und zum Auftrag der 'Presse'


Gast: Eleonora K.
15.07.2012 20:02
10 0

Erdogan

"hat diese Region das Potential, die ganze Welt zu gestalten" - Gott behüte!

Gast: archivarius
15.07.2012 18:49
6 0

einmal hin einmal her

Erdogan wünscht sich "islamische Union"
13.01.2011 | 12:34 | (DiePresse.com)
Der türkische Regierungschef fordert die arabischen Völker auf, sich auf die historischen Gemeinsamkeiten zu besinnen. Wenn man zusammenhalte, "hat diese Region das Potential, die ganze Welt zu gestalten".

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