Die Gewalt in Syrien eskaliert, und der Zynismus regiert. Nach einem mutmaßlichen Massaker in der Ortschaft Tremseh schieben Rebellen und Militär jede Verantwortung von sich – und Gräueltaten dem jeweils anderen in die Schuhe. „Zivilisten“ sind in dem Konflikt zu bloßem Menschenmaterial verkommen, das lediglich in den medial verbreiteten (und vermutlich oft gefälschten) Opferzahlen eine tragische Rolle spielt.
Zynismus regiert aber auch unter denjenigen, die eigentlich den blutigen Konflikt lösen sollten: So hat der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan erklärt, bei dem – zweifelsohne brutalen – Angriff habe es sich um einen versuchten „Völkermord“ gehandelt. Um seinen Gegenspieler Assad zu diskreditieren, scheint Erdoğan jedes rhetorische Mittel recht – sogar jener Vorwurf, den man, wenn es nach ihm geht, der Türkei in ihrer jüngsten Geschichte bis heute nicht machen darf. Das ist maßlos und zynisch.
jutta.sommerbauer@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)















