Sollte Syriens Machthaber, Bashar al-Assad, entfernt in Erwägung gezogen haben, dass dieser Aufstand einen für ihn ungünstigen Ausgang nehmen könnte, ließ er sich das bisher nicht anmerken. Spätestens mit dem Anschlag vom Mittwoch dürfte es mit seiner inneren Ruhe vorbei sein: Ob es ein Selbstmordattentäter aus den Reihen der Leibgarde war oder nicht, die Botschaft ist eindeutig: Es kann jeden treffen, jederzeit. Auch Assad. Eine Warnung, an Dringlichkeit dem warmen Brot vergleichbar, das die mittelalterlichen Assassinen ihren Opfern aufs Laken legten.
Es ist aber auch eine Botschaft an die zweite und dritte Reihe, vom Regime abzufallen. Auch wenn der Erosionsprozess in Syrien ungleich langsamer abläuft als in Libyen: Er ist im Gang, und er wird sich beschleunigen. Es mag angesichts der vielen zivilen Opfer hartherzig klingen, aber letztlich kann das Assad-Regime nur von innen beseitigt werden. Eine ausländische Intervention – notwendigerweise mit Bodentruppen – würde das Land nur zum nächsten Aufmarschgebiet im Kampf al-Qaidas gegen den Westen machen. Eine Interventionsarmee, die sich in einen konfessionellen Bürgerkrieg mit unübersichtlichen Fronten verstrickt, hilft niemandem.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)















