19.06.2013 21:06 Merkliste 0

Gnadenakt Demokratie

ERICH KOCINA (Die Presse)

Direkte Demokratie hat ihre Tücken. Ihre Verweigerung aber genauso.

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Maria Vassilakou hat schon recht, wenn sie sagt, dass die Qualität unserer Demokratie nicht unbedingt eine bessere sein wird, „wenn alle schwierigen, kontroversiellen Fragestellungen entschieden werden, indem jeder von uns auf sein Individualinteresse achtet“. Tatsächlich ist es eine der Tücken direkter Demokratie, wenn zu viel Emotion und persönliche Betroffenheit in jede Frage hineingelegt werden. Und ja, es gibt Volksvertreter, die gewählt wurden, um schwierige Fragen zu entscheiden. Allein, die Intensität, mit der die rot-grüne Wiener Stadtregierung diese Einstellung vor sich her trägt, lässt vermuten, dass man die Bürger schlicht für zu dumm hält, eine gute Entscheidung zu fällen.

Tatsächlich scheint man die Wiener in Sachen Demokratie nicht für ganz voll zu nehmen: Zunächst führt man eine Maßnahme ein – und befragt das Volk danach, was es eigentlich will. Die Befragung zu genau dieser Maßnahme, für die es sogar mehr als die gesetzlich notwendige Unterstützung gibt, verweigert man – in der Logik von Rot-Grün ist die Gefahr wohl zu groß, dass die Menschen dabei auf ihre Individualinteressen achten würden. Zur Erinnerung: Demokratie ist kein Gnadenakt. Und schlechter als die Performance von Rot-Grün in Fragen Parkpickerl kann eine demokratische Entscheidung der Wiener Bevölkerung auch nicht sein. Selbst wenn sie auf Individualinteressen basiert.

 

erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)

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41 Kommentare
 
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Direkte Demokratie ist ein Lernprozess.


Direkte Demokratie wird sicher nicht ad hoc funktionieren.
Es bedarf des guten Willens der Bürger;
- sich mehr mit Politik zu beschäftigen
- sich einer guten Diskussionskultur zu befleißigen
- sich offen für die Meinung der Anderen zu interessieren
und deren Ansichten auch gelten zu lassen
- sich Wahlen und Abstimmungen zu stellen und nicht zu schwänzen
- ganz einfach sich mehr für das Gemeinwohl zu interessieren,
aber auch aktiv mitzuarbeiten

Die Politik der repräsentativen Demokratie (auch indirekte Demokratie genannt)
hat leider, in jeglicher Form, versagt. Sie hat ihren Lernprozess verloren.
Siehe die gesamten westlichen Demokratien (mit Ausnahme der Schweiz mit funktionierender direkter Demokratie).
Mit Populismus und Demagogie wird der Bürger schamlos hinters Licht geführt.
Wo man hinschaut blühen und regieren Korruption und Freunderlwirtschaft,
sind politische Affären jeglicher Art an der Tagesordnung, die persönliche und parteipolitische Ausbeutung der Staatsfinanzen gehören bereits zum guten Ton,
der Staatsbankrott rückt in greifbare Nähe.

Wenn im Durchschnitt so viele Normalbürger mit dem Gesetz in Konflikt sein würden
(sprich angeklagt oder verurteilt sein würden) wie dies bei den Politikern der Fall ist,
dann würde man uns wahrscheinlich als ein Volk von Kriminellen bezeichnen.

Wie lange werden die Politiker noch brauchen bis man sie - wie an Biertischen längst üblich - pauschal als Kriminelle bezeichnet.

Verweigerung von direkter Demokratie ?

Schlichtweg falsch.
Bei aller Wertschätzung für direkte Demokratie ist es kein guter Dienst, sondern vielmehr ein Garant für Stillstand, wenn in einer parlamentarischen Demokratie über jedes Thema, das einer Entscheidung bedarf, vorher eine Volksbefragung durchgeführt wird.
Die Vergleiche mit der Schweiz hinken im übrigen von vorne bis hinten.

Man muss wahrlich kein Grüner sein, um zu konstatieren, dass effektive Schritte zur Eindämmung des Kfz-Individualverkehrs - nicht nur in Wien - ein Gebot der Stunde sind. Es ist ganz einfach ein Umdenken erforderlich.

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber das kann nur übers Geldbörsel gelingen.

Es liegt auf der Hand, dass es KEINE Maßnahme geben wird, die im Vorhinein auf ungeteilte Zustimmung der Bevölkerung stösst.
Umsoweniger, wenn solche politisch instrumentalisiert werden.
Auch daher macht eine diesbezügliche Ja/Nein Befragung der Bürger keinen Sinn, sofern nicht - irgendwann ohnehin unumgängliche - Maßnahmen hinausgezögert werden sollen.

Gast: pächter der wahrheit
19.07.2012 21:49
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Parlament oder Volksentscheid - ist für mich wie Skylla und Charibdis

Das Parlament ist sowieso zur lobbygesteuerten, postdemokratischen Abnickverein verkommen, das nur noch auf dem Papier eine repräsentative Demokratur darstellt aber keine ist. (Von der Beschränktheit einzelner Parlamentarier her möglicherweise schon.)

Und das Volk selbst? Das ist dumm und manipulierbar: Vernunftige und zukunftsschauende Entscheidungen sind nicht zu erwarten, speziell nicht in einem egoistischen, kleingeistigen und neidgeplagtem Volk wie wir es sind wo Karlich ein Star ist, Faymann Bundeskanzler und Strache ein stärkster Oppositionspolitiker.

Gast: 7xk
19.07.2012 18:32
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Die Qualität der Entscheidungen

Leider ist die Qualität unserer Demokratie auch nicht unbedingt eine bessere, „wenn alle schwierigen, kontroversiellen Fragestellungen" von den Volksvertetern entschieden werden. Das würde ja voraussetzen, dass diese tatsächlich intelligenter, neutraler und anständiger als der "Normalbürger" sind. Das darf aber im Lichte der bisherigen Erfahrungen extrem stark bezweifelt werden. Stichwörter: blindes Durchwinken von Gesetzen, Korruption und im Speziellen: die Euro-Einführung. Was da an inkompetenter Dummheit zum Vorschein kam, was da gelogen, betrogen und der Blick vor den Tatsachen verschlossen wurde, das könnte der dümmste Bürger auch nicht negativ übertreffen.

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Jetzt endlich Abstimmung über Marke und Größe der Dienstautos!


Re: Jetzt endlich Abstimmung über Marke und Größe der Dienstautos!

Na ja... ich würde der Vas-es-besser-frau einen Trabi können. Der Trabi hat ja auch den Elchtest geschafft, wo die Mercedes A-Klasse ein paar Problem hatten.

Aber bitte in einer Gift-Grünen Farbe!!!

Re: Re: Jetzt endlich Abstimmung über Marke und Größe der Dienstautos!

sollte heissen...gönnen (nicht "können").

Antworten Gast: Der gute Kuhhirte
19.07.2012 18:26
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Re: Jetzt endlich Abstimmung über Marke und Größe der Dienstautos!

Rot-Grün möchte sowieso mehrere Fragen in die Volksbefragung aufnehmen. Da bietet es sich direkt an, auch solche Fragen aufzunehmen.

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Re: Re: Jetzt endlich Abstimmung über Marke und Größe der Dienstautos!

Aber sie wissen eh, wer das als Erster vorgeschlagen hat?

wie soll der bürger...

eine gute ja/nein entscheidung treffen, wenn es nicht einmal den oppositionsparteien und dem öamtc gelingt, eine klare ja/nein position zu beziehen?

Re: wie soll der bürger...

aha
der Bürger ist zu blöd selbst zu entscheiden
der braucht den Öamtc, um zu wissen was gut für ihn ist

oh Mann...

Re: Re: wie soll der bürger...

nicht blöd, sondern ambivalent. ich denke wenn parkraumbewirtschaftung so eindeutig ein topfen wäre, dann würde sich auch in der politik jemand finden, der "nein" sagt.

Re: Re: wie soll der bürger...

Aber zum Wählen sind wir nicht Blöd genug, oder? Da werden wir geködert und alle tun so als würden sie die Wähler respektieren.
Es geht nur darum, dass unsere Meinungen in Betracht gezogen werden und nicht das wir, das Volk, die einzigen Entscheidungsträger sind.

Gast: Gast_3
19.07.2012 12:04
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Vom Volk Für das Volk

Vom Volk gewählt, für das Volk!!!

Aber gewisse Politiker gelauben, dass sie was besseres sind.

Man tut so als wären wir Vollidioten. Wer hat euch eigentlich gewählt?!!! Vor den Wahlen wird alles mögliche Versprochen und den Wählern wird vorgelogen, dass man ihre Wünsche respektieret.

Ich habe letztens gelesen, dass eine Politikerin in Graz gesagt hat, man muss die Leute über gewisse Themen Bilden.

Soll anscheindent heissen, dass wir ungebildete Vollidioten sind.

Wenn ein Votum den Politikern nicht passt, dann ist das Volk ungebildet.


wenn es wenigstens "individualinteressen" wären, die der wähler verfolgt.

um solche allerdings zu verfolgen, wäre es eine voraussetzung, dass der wähler auch realistisch vorhersehen kann, was ihm eine maßnahme bringt bzw nicht bringt.

von diesem 'realistisch' kann bei der frage der verkehrspolitik nicht die rede sein: wunschdenken, egoismus, greuelpropaganda und ähnliches dominieren.

daher ist die volksbefragung 'im nachhinein' korrekt: der bürger soll sich mal ein halbes jahr anschauen, was diese ihm tatsächlich bringt. auch die nicht-autofahrer.
und wenn er über die TATSACHEN im bild ist, soll er entscheiden, ob die neue situation für ihn insgesamt besser ist oder nicht.

Re: wenn es wenigstens "individualinteressen" wären, die der wähler verfolgt.


Falsch !!

Die Volksbefragung "im nachhinein" ändert NICHTS mehr an den bis dahin eingeführten Zonen !!!
Volksbefragung nur zu WEITEREN, ZUSÄTZLICHEN Verkehrs-"bewirtschaftungen".

Also nix mit "schaun ma mal und wenn´s nicht passt, ändern wir es wieder.!

Re: Re: wenn es wenigstens "individualinteressen" wären, die der wähler verfolgt.

Eben nicht falsch, sondern samt und sonders völlig richtig, was oben von Oberst gesagt wird.
In Stockholm etwa wurde eine City-Maut eingeführt und ergab eine im Nachhinein erhobene Bürgerbefragung ein Pro für sie. Verantwortliche Politiker wurden wiedergewählt, was heißt dass Entscheidungen (wenn sie entsprechend aufbereitet werden) bei den Bürgern akzeptiert und honoriert werden.

Re: Re: Re: wenn es wenigstens "individualinteressen" wären, die der wähler verfolgt.

In Stockholm wurden die Bürger zur schon eingeführten City-Maut befragt.

In Wien sollen die Bürger NICHt zum schon eingeführten Pickerl befragt werden, sondern zu ANDEREN Verkehrsthemen.
Daher:
FALSCH!!

Das sehe ich nicht so.

Warum sich hier Die Presse als Verteidigerin von Wildgwordenen "Wutbürgern" (nach dem Ton der meisten Diskutanten eher ein Wutmob) einspannen lässt, ist schon klar.

(Vielleicht sollten Sie künftig den Vertrieb Ihrer Sonntagsausgabe auf NÖ beschränken?)

Die Gegner des PP verharren in der Haltung von trotzigen Kindern, die alles mit maximaler Aggression ablehnen, was ihrem unmittelbaren höchstpersönlichen Bedürfnissen zuwiderläuft.

Wo ist da die Reife, die eine Voraussetzung von direkter Demokratie ist?

Re: Das sehe ich nicht so.

Wie schon in einem anderen Thread erwähnt...Die Leute sehen es nicht gerne, wenn sie für etwas Zahlen müssen das bis dahin Kostenfrei oder günstiger war.
Das hat man auch schon bei den Studenten gesehen, oder?
Wenn jeder Radfahrer ein Nr. Tafel + Anmeldung + Versicherung zahlen muss, da wird er auch nicht glücklich sein.
Es ist doch offentsichtlich, dass die Frau Vize etwas gegen das Autofahren hat, und das sie nicht die Interessen aller Verkehrsteilnehmer vertritt.

Antworten Gast: Stefan W
19.07.2012 10:20
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Re: Das sehe ich nicht so.

Das war aber nicht die Fragestellung. Sie haben vollkomen Recht, dass die Diskussion bzw. Ablehnung des PP teilweise absurde Reaktionen bei den "Betroffenen" auslöst. Es ist aber egal ob die nun trotzig oder wütend sind: Demokratie heisst die Bürger einbeziehen. Und wenn man 10% der Bevölkerung ignoriert dann wird das einmal böse ins Auge gehen. Wenn dann wieder Wahlen sind, ja dann sind die Bürger aus Sicht unserer Politiker wieder "reif" eine Stimme abzugeben. Ich hoffe diese Bürger haben bis dahin nicht wieder vergessen was in ihnen Häupl und Co haben anschauen lassen...

Re: Re: Das sehe ich nicht so.

Es tut mir leid, ich habe von den PP-Gegnern keinen einzigen konstruktiven Gegenvorschlag gehört außer Gegeifer, Drohungen und absurde Ansprüche a lá "Gratis P&R"). Wirklich nicht. Schauen Sie sich die Foren an.

Antworten Antworten Antworten Gast: otto unnormalverbraucher
19.07.2012 18:30
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Re: Re: Re: Das sehe ich nicht so.

der Status quo ist der konstruktivste Vorschlag. Tolle grüne Taktik - die jetzige Situation schlecht machen, schnell noch einige Parkplätze sinnlos vernichten und dann schreien, frau/man muss eine Lösung gegen die nicht zurechnungsfähigen Bürger (da emotional angerührt und nicht klar denkend) im Sinne von politischem Leadership durchziehen.

Warum erst nachher?

Ich vermute mal, dass die Abstimmung auch nach die Einführung gelegt wurde, weil die Stadtregierung auf eine positivere Stimmung durch eine kurzfristige Erleichterung der Parkplatzsituation mit Inkrafttreten hofft. Ich habe mit mehreren Parkpickerlbürgern geplaudert und die meisten berichten, dass es nach der Einführung tatsächlich zu einer merkbaren Entspannung kam. Allerdings ging diese nach einigen Monaten merkbar wieder zurück. Liegt wohl daran, dass viele Menschen erst nach und nach ihre Wohnsitze ummelden.
Was die Stadtregierung aber nicht unterschätzen sollte ist, dass € 170,-- viel Geld für manche Bürger, gerade in den Randbezirken unweit des Gürtels, ist. Da wird der Zorn über die neue Gebühr, für die Benutzung des bereits bezahlten öffentlichen Raums, auch nicht gerade klein sein.

Re: Warum erst nachher?

jene bürger, "gerade in den randbezirken", denen diese gebühr ein loch in die kasse reisst, sollten angesichts der gesamtkosten fürs autofahren dieses vielleicht besser ganz lassen. denn offenbar können sie es sich nicht leisten.

übrigens: auch nicht-autofahrer zahlen für den 'öffentlichen' raum. doch ihr anteil an dessen benutzung wird ihnen verweigert, weil dort schon wieder ein auto fährt/parkt.
wenn DIESE leute zornig sind, dann kann ich das verstehen. wenn leute, die hoch subventioniert werden, zornig sein wollen, dann am besten über die unverfrorenheit ihrer eigenen abzocke!

Re: Re: Warum erst nachher?

Ich zahle mit meinen Steuern und Abgaben für unzählige Transferleistungen anderer bzw. für Infrastruktur, die ich nicht in Anspruch nehme. OK, ist so in einer Solidargemeinschaft, akzeptiere ich. Nach meiner Meinung ist genug Platz in der Stadt für alle da, auch für Autos.
Sie aber ziehen es vor, sich willkürlich ein Feindbild (Autofahrer) zu suchen und fühlen sich abgezockt - halt ihr Zugang.
Auch ihr Zugang individuelle Mobilität (= Freiheit) nur noch für Wohlhabende bzw. Reiche hat eher feudalen Charakter.

 
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