Was macht ein österreichischer Politiker, wenn es kompliziert wird? Das Problem wird an eine neue Kommission delegiert und dazu eine Studie in Auftrag gegeben. (In Wien setzen überforderte Stadträte neuerdings auch noch „Themenkoordinatoren“, aber das funktioniert nur bedingt.)
Karlheinz Töchterle ist noch nicht so lange Politiker und hat die Studie geerbt, die nun in Brüssel vor der Europäischen Kommission als Argument für die Verlängerung der „Medizinerquote“ dienen soll. Nach intensiver Vorbereitung und langer Schubladenreifung wurde sie am Freitag präsentiert. Die Überraschung der Studie: Sollte die Regelung nicht verlängert werden, würde das den Ärztemangel in Österreich drastisch verschärfen. 2500 Allgemeinmediziner und 5200 Fachärzte könnten so 2030 fehlen. Nicht zuletzt deswegen, weil viele Mediziner – etwa aus Deutschland – nach Studium, WG und Doktor wieder heim zu Mutti wollen. Brüssel hat freundlicherweise signalisiert, das Provisorium der Österreicherquote zu verlängern. Aber bis 2016 müsse eine echte Lösung her.
Gesundheitsminister Alois Stöger rechnet offenbar nicht damit, dann noch das Ressort führen zu müssen, und murmelte bei der Präsentation etwas von Attraktivierung des Medizinerjobs in Österreich. Das kann nie schaden. Auch Töchterle hat leider keine neue Lösung für das Problem parat. Er verschiebt es einfach nur. Und beweist, dass er recht schnell Politiker geworden ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)















