21.05.2013 07:11 Merkliste 0

Die saudischen "Freiheitshüter"

WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Die Golfmonarchien helfen Syriens Rebellen nicht aus Liebe zur Demokratie.

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Ein Kennzeichen guter Propaganda ist die Halbwahrheit. Man blendet einfach aus, was für einen selbst unvorteilhaft ist und überspitzt das, was dem Gegner schadet. Diese Art vor Propaganda gibt zwar keineswegs die Wahrheit wieder, birgt aber einen wahren Kern in sich. Und das macht sie so effektiv.

Es war Propaganda dieses Stils, die Syriens Fernsehen vor zwei Wochen verbreitete: In einer Talkshow wurde mit Saudiarabien abgerechnet, das Syriens Rebellen unterstützt. „Wie kommen die Saudis darauf, unseren Präsidenten über Menschenrechte und Demokratie zu belehren?“, ereiferte sich ein Diskutant. „In Saudiarabien dürfen Frauen nicht einmal Auto fahren.“ Natürlich war in der Talkshow nicht von den Verbrechen der syrischen Regierungstruppen die Rede. Das Argument mit den Saudis jedenfalls wirkte – es hatte einen wahren Kern.

Schon in Libyen hatten sich die arabischen Golfmonarchien für den Aufstand starkgemacht. Innerhalb der Arabischen Liga, die nun erneut zu Syrien getagt hat, gehören die Saudis zu denen, die ein hartes Vorgehen gegen Syriens Regime befürworten. Sie tun das aber nicht aus Liebe zur Demokratie, sondern aus Eigeninteresse: um den Konkurrenten Iran zu schwächen und ihre Vorstellung eines sunnitischen Islam im arabischen Raum zu stärken. Die Freiheit, die die Saudis meinen, ist eine andere Freiheit als die, die viele Syrer meinen – und vor allem etwas anderes als das, was man sich in Europa unter Freiheit vorstellt.


wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)

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13 Kommentare
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Tribal Saudistan

ist ein zutiefst undemokratisches Staatsgebilde dessen Zukunft mit dem Stamm der Sauds auch ein Ende finden wird. Wenn Mekka ein ähnlicher Status wie dem Vatikan gegeben würde, verlöre dieser Stamm sein Monopol automatisch. Insofern schreiben Sie nicht Ihre Meinung, sondern nur Tatsachen. Ergänzend möchte ich noch die Rolle der Sauds (und deren Hörigen) im Sudan hinzufügen, sowie die Tatsache das sich diverse Despoten (von Idi Amin bis Ben Ali) schon immer im Exil in Saudistan wohl gefühlt hatten. Und Deutschland verkauft Panzer an solch ein Regime...

Gast: nur keine besserwisser
23.07.2012 13:46
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mit geld läßt sich alles lösen?

SA stärkt die Opposition? SA nimmt inzwischen Tausende Flüchtlinge auf? Die arabische Liga löst das Problem sicher gemeinsam mit der TK.

Gast: newy123
23.07.2012 13:45
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Propagandakrieg

Seit nunmehr Monaten währt diese Revolution. Vielleicht fehlt den "Revolutionären" der Rückhalt in der Bevölkerung? Denn mangelnde Unterstützung seitens des Westens kann nicht beklagt werden. Das Waffenarsenal ist beachtlich, und weitesgehend aus westlichen Beständen.
Um die westlichen Staaten bei der Stange zu halten wird sein Monaten ein Pressefeldzug am Laufen gehalten, der an die Zeit vor dem Irak Krieg erinnert.
Zur Erinnerung:
Die Tochter des kuwaitischen Botschafters hat ausgesagt, dass die Iraker Babys aus dem Brutkasten nehmen und massakrieren.
Nicht zu vergessen die Unmenge an Berichten über chemische und biologische Waffenarsenale der Iraker.
Assad muss gestürzt werden, damit man den Iran noch mehr isoliert und danach angreifen kann. Das ist die Strategie.
Assad ist kein lupenreiner Demokrat.
Es gab und gibt Menschenrechtsverletzungen.
Aber die Kernfrage ist.
Wenn die Syrer so unzufrieden mit ihrer Regierung sind, warum müssen dann ausländische Söldner als Revolutionäre den Krieg gegen die Regierung führen?

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Leider

scheint nur Beelzebub die Mittel zu haben, den Teufel auszutreiben.

Die Golfmonarchien helfen Syriens Rebellen

Diesem Komentar ist nichts hinzu zufügen ausser dass es alle Golfstaaten sind SA Barain; Kuwait VAE und die USA mit Israel

Gast: Geld istweg!
23.07.2012 10:50
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Kurzer Kommentar, aber auf den Punkt gebracht

Es geht nicht um die Freiheit, die es in Syrien auch nur beschränkt gibt, sondern um die Schwächung der Schiiten (Iran), die Schwächung bzw. Vernichtung der Alewiten (den Schiiten religiös nahestehend), um die Stärkung der Sunniten und Wahabiten (den Sunniten religiös nahesthend), um die Stärkung der Verbündeten der USA und um die Sicherung des Erdölvorkommens in der Golfregion für die USA.

Deshalb die Koalition von SA, VAE, Israel, Türkei, USA, GB etc. gegen Syrien und Iran. Menschenleben spielen dabei keine Rolle, wie schon zuvor in Lybien. Ob es nach dem Sturz des Regimes in Syrien ein friedliches Zusammenleben der Syrier oder eine demokratische humane Regierung gibt, ist den Umstürzlern ebenfalls egal!

Re: Kurzer Kommentar, aber auf den Punkt gebracht

So sehe ich das auch!

Re: Kurzer Kommentar, aber auf den Punkt gebracht

Hallo, Herr Spindelegger,

machen Sie eigentlich keinen Urlaub?

Das ist alle mal lustig!

Kolomnisten der Presse schreiben heute überwiegend über Syrien. Das ist aber pure Ablenkung! Der Euroraum geht in langsamen aber sicheren Schritten auseinander und darüber berichten Presseschreiblinger nicht.
Selbst sicher betrachtete Holland rutscht in die Krise. Deutschland und IWF verweigern das Geld für Griechenland. Es steht inzwischen fest, dass Spanien mehr braucht als nur die Bankenhilfe. Bundesregierung ist im Urlaub und Presse füllt das Sommerloch!

Kann eine totalitäre Erbdiktatur eine Monarchie sein?

Das ist hier die Frage!

Gast: Hardliner 1
23.07.2012 00:13
11 0

Diktaturen

Golfmonarchien? Unter Monarchie verstehe ich etwas anderes, etwa England, Schweden oder Dänemark. Die "Golfmonarchien" sind dagegen die übelsten Diktaturen unter dem Deckmantel des ultraorthodoxen Islam.

Gast: im eigeninteresse
22.07.2012 23:29
3 0

eine andere Freiheit

Der sunnitische Islam im arabischen Raum wird gestärkt. Nicht nur dort, sondern weltweit. Auch in Europa.

Gast: Gerne nur Gast
22.07.2012 19:17
11 1

Uiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii

"Die Freiheit, die die Saudis meinen, ist eine andere Freiheit als die, die viele Syrer meinen – und vor allem etwas anderes als das, was man sich in Europa unter Freiheit vorstellt."

Auch schon darufgekommen! Bravo bravo.

Und jetzt vielleicht auch einmal nachdenken, ob der "Syrische Menschenrechtsrat" in London tatsächlich die Wahrheit sagt.

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