19.06.2013 18:39 Merkliste 0

Eine halb lustige Angelegenheit

JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Die Fälle Birnbacher und Graf zeigen größeren Handlungsbedarf bei der „Gutachterei“ auf.

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Heute marschieren im Landesgericht Klagenfurt die Gutachter im Fall Birnbacher als Zeugen auf. Sie wissen schon: Das sind jene Experten, die ein paar hingeschluderte Seiten eines Villacher Steuerberaters mit einem Wert von sechs Millionen Euro taxiert haben, wie zumindest die Auftraggeber glauben. Beziehungsweise: Die über etwas ganz anderes ganz allgemein „gegutachtet“ haben, wie sie jetzt selbst meinen. Egal, Hauptsache das Honorar stimmt.

Man sieht, die Gutachterei scheint hierzulande eine eher halb lustige Sache zu sein. Übrigens nicht nur im ganzjährigen Villacher Fasching, sondern auch in Wien. Auch vonseiten der Auftraggeber: Im zumindest unappetitlichen Fall der Meschar-Stiftung hat jetzt ein vom Gericht beauftragter „unabhängiger Gutachter“ den ehemaligen Stiftungsvorstand Martin Graf teilentlastet.

Was die, die jetzt mit der Expertise triumphierend „wacheln“, nicht gern dazusagen: Beim Gutachter handelt es sich um den Wirtschaftsprüfer der Stiftung. Der hat also genau genommen, total unabhängig natürlich, darüber geurteilt, ob er selbst bisher was Wesentliches übersehen hat oder nicht. Und da fragt man sich schon, was sich ein Gericht bei einer solchen Gutachterwahl denkt. Oder ist das „eh wurscht“, weil ohnehin jeder weiß, was von Gutachten hierzulande zu halten ist?

 

E-Mails an: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2012)

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10 Kommentare

Das Problem

Über die Qualität eines Gutachtens kann eigentlich nur ein anderer Sachverständiger eine qualifizierte Aussage treffen und nicht der Stammtisch noch die Journaille.

Antworten Gast: Ex Vpler
27.07.2012 10:32
0 0

Re: Das Problem

Dieses Versteifen auf Formalismen erscheint mir die Wurzel allen Übels zu sein:

Ein Politiker kann beim Stehlen gefilmt werden - von Scheuch gibt es j ja immerhin Tonbandaufnahmen wo er für eine Parteispende die Staatsbürgerschaft in Aussicht stellt - er wird niemals zurücktreten, wenn er nicht nach jahrelangem, verschleppten Instanzenweg rechtskräftig verurteilt ist.

Dann gibt es auch noch ein 20-seitiges Gutachten voller peinlicher Platitüden, das um 12 Millionen Euro erstellt wurde, und es gibt nicht nur Gutachter, die das für angemessen halten, es gibt auch noch Staatsanwalten, die 2mal ein Verfahren einstellen.

Die Verantwortlichen grinsen rotzfrech in die Kamera und beflegeln auch noch die Kritiker.

Was für einen Wert oder Sinn sollen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit da noch haben, wenn die Eliten gewissenlos alle Grenzen des Anstands, der Moral - ja der Vernunft - missachten?

Re: Das Problem

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus und Geld stinkt nicht in der Parteien-Demokratie!!
Schnell die Parteien-Förderung verdoppelt auf Kosten der Steuerzahler gell.

Gast: schlÄchter
25.07.2012 17:45
1 2

sg herr redakteur urschitz!

wer erstellt eigentlich gutachten zur qualität von journalistischen "leistungen" und ergüssen....?

;-)
m fragenden und natürlich freuindklichen g
s.

befangenheit gibt es nicht, oder?


Gast: pan-tora
25.07.2012 09:45
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möglicherweise

ich denke gutachter haben in vielen faellen nur den sinn jemanden die verantwortung fuer eine beliebige entscheidung abzunehmen. obwohl ich mir sicher bin, dass es auch "echte" gutachter gibt, habe ich selber bereits des oefteren fachleute/gutachter erlebt die glauben es genuegt ein 500-seitiges sachbuch gelesen zu haben um alle belange eines themas ueberblicken zu koennen. dabei hapert es oft schon an basiskenntnissen...
zumindest in der it ist das gang und gaebe!

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Gutachter Wahl

Bezirksgericht Mödling, Scheidung, Antrag auf Einschaltung eines unabhängigen Sachverständigen-Architekten, der auch als Mediator ausgebildet ist. Richterin lehnt ab, bestellt 80jährigen Sachverständigen, der pro Seite 2 Euro Kopierkosten verrechnet, im Gutachten aber den Hauptauftrag übersieht. Folgenschwer für die Vermögensaufteilung und streiverlängernd (dazu auch die Kosten für beide Anwälte erhöhend). Schaden etwa 5000 Euro.
Der Sachverständige streift das volle Honorar - etwa 5000 Euro -ein, die Richterin macht gute Miene zum traurigen Spiel. Möchte mal wissen, wie sich solche Sachverständige bei den Richtern bedanken???

"Was die, die jetzt mit der Expertise triumphierend „wacheln“, nicht gern dazusagen:"

was solls?
hauptsache wir haben wieder eine gelegenheit, gratis eine schlagzeile zu bekommen!

ob es inhaltlich stimmt - egal.
ob es sich um ein selbstverteidigungsgutachten eines stiftungs- und parteimannes handelt - egal.
denn wir haben ja die schlagzeile und sind supersauber...

2 1

Heute war in allen Nachrichten zu hören


wie super der Herr Graf jetzt entlastet sein soll, eben wegen diesem Gutachten.

Da kann einem HC Strache fast leid tun, der hat sich nämlich blamiert.

Als Staatsbürger schüttelt man nur mehr den Kopf: das ist wirklich letztklassig!

Gast: Sinnlos
24.07.2012 20:35
1 0

Jedes Kind weiß, es gibt für jedes Gutachten ein Gegengutachten …

... und in gewissen Branchen die Gutachter aus der Branche kommen und daher immer den Geklagten Kollegen entlasten.

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