Dinko Jukić ist zweifelsfrei einer der besten Schwimmer, die Österreich je bei Großereignissen vertreten haben. Der 23-Jährige ist auch einer von elf Schwimmern, die die rot-weiß-rote Fahne bei den Sommerspielen in London hochhalten sollen. Er startet ab Samstag im Aquatics Centre in drei Bewerben: 400 Meter Lagen sowie 100 und 200 Meter Delfin. Dass er der Kraul-Staffel aber schon lange vorab eine klare Absage erteilte – sein Vater deponierte den Startverzicht sogar schriftlich beim Verband – hinterließ einen herben Nachgeschmack. Der Sohn trat sogar verbal nach und sagte, dass er nie wieder für Österreich schwimmen werde. Bei anderen Nationen wäre solch ein Auftritt automatisch mit dem Rauswurf verbunden, aber Österreich ist anders.
Es gibt keine Alternativen zu Jukić, und offenbar nur deshalb nimmt man die Befindlichkeiten der streitbaren Familie in Kauf. Den Athleten selbst, der sich stolz und erhaben präsentiert, scheinen die Diskussionen nicht zu berühren. Dass ihm von seinen Kritikern fehlender Patriotismus unterstellt wird, überhört er gekonnt. Das Training absolvierte er locker, er habe Größeres vor in London, als über die üblichen Kleinkriege mit dem Schwimmverband nachzudenken. Es mag nachvollziehbar sein, auf den Start in einer aussichtslosen Staffel zu verzichten, um eigene Kräfte zu schonen. Aber: „Echte“ Größen absolvieren das volle Programm. Ohne Muckser, ohne abwertenden Kommentar.
Die Geschichte der Familie Jukić ist lang, von Medaillen ebenso gepflastert wie von Streitereien und Klagen. Die letzte Ausbaustufe der anhaltenden Konflikte war bei der EM in Debrecen erreicht. Jukić jun. soll abfällige, lautstarke Bemerkungen gegenüber dem Mannschaftsführer gemacht und dessen sportliche Kompetenz infrage gestellt haben. Anstatt den erst kürzlich vor der Nationalen Anti-Doping-Kommission auf jeden Schritt und Tritt fürsorglich begleiteten Sportler sofort zu sperren, wurde – nach den Spielen – ein Disziplinarverfahren angesetzt. Davon erfuhr Jukić übrigens am Tag der „Farewell-Feier“ des ÖOC. Seine, insofern nachvollziehbare, Reaktion: Er lässt auch die Österreichische Meisterschaft sausen. Die Antwort des Verbandes folgte sofort: „Es gibt ja keine Startverpflichtung.“
Der Tag des Disziplinarverfahrens rückt näher und schenkt man „Insidern“ Glauben, soll der nahezu stählerne Geduldsfaden des Schwimmverbandes gerissen sein. Dinko Jukić könnte also tatsächlich eine Sperre blühen. Dass dies kurz vor Beginn der Sommerspiele in London durchsickerte, passt perfekt in dieses Bild. Der Kleinkrieg erhält einen weiteren Graben, mit dem aber im Schwimmbecken keinem geholfen ist. Weder dem Athleten – noch dem Verband. Und Österreich schon gar nicht.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2012)















