Es war eine große Vision. Denn immerhin wollte Barack Obama einen Konflikt lösen, der seit Jahrzehnten wie ein Schatten über dem Nahen Osten hängt: den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Wem es gelingt, den nahöstlichen Knoten zu entwirren, dem gebührt der Friedensnobelpreis. Den bekam der US-Präsident schon im ersten Jahr seiner Amtszeit. Der israelisch-palästinensische Konflikt ist freilich weiter ungelöst.
Obama ist nicht der erste US-Präsident, der keinen Ausweg aus dem diplomatischen Nahost-Minenfeld fand. Vermutlich wird er auch nicht der letzte sein. Sein Vorgänger George W. Bush wollte in einer Art Torschlusspanik in den letzten Monaten seiner Präsidentschaft ein neues Friedensabkommen herbeiführen, was zum Scheitern verurteilt war.
Was bei Obama jedoch anders ist, sind die gewaltigen Hoffnungen, die in ihn gesetzt wurden. Er galt als Heilsbringer, der die Welt verändern werde, und er selbst spielte mit diesem Mythos. Dass er – wie das Nobelpreiskomitee argumentierte – für ein „neues internationales Klima“ sorgte, stimmt. Zumindest für den Beginn seiner Amtszeit.
Ansonst verhielt er sich außenpolitisch so wie jeder andere US-Präsident. Er ließ Bin Laden ausschalten und befahl, die Tötungen von al-Qaida-Führern zu vervielfachen. Das mag nicht Friedensnobelpreisträger-like sein. Aber US-Präsidenten richten ihr Handeln nach anderen Kriterien aus: nach dem, was ihrer Meinung nach den USA nützt. Das tut auch Obama.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2012)















