KOMMENTAR
Eine Gemeinschaft, ein Schicksal“ lautet das Asean-Motto. Blickt man auf das Kräftemessen seiner Mitglieder, wirkt der Spruch wie eine Persiflage. Noch nie stand das Südasien-Bündnis so knapp vor der Auflösung.
Wie Figuren in einem immer gefährlicheren Schachspiel lassen sich Südostasiens Staaten hin- und herschieben: Erfolgreich ist China ins Herzen der Asean vorgedrungen, hat die Mitglieder gegeneinander ausgespielt, die fragile Einheit der Allianz gesprengt und eine sicherheitspolitische Linie für das Südchinesische Meer verhindert. Schwierig war das nicht: Geldspritzen für traditionelle „Vasallen“ wie Kambodscha genügten. Ähnlich durchschaubar sind die US-Züge: Großzügige Investitionen so wie Hillary Clintons ungewohnt deutliche Kritik an Chinas Pazifik-Politik im Juli sind eine klare Botschaft an Verbündete. Und an Peking.
Die mächtigsten Nationen der Welt stehen sich heute im Westpazifik in unverhüllter Rivalität gegenüber. Die schwächelnde Asean hat im Konflikt um die Kontrolle ihrer Region nichts mehr zu vermelden.
susanna.bastaroli@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)















