Das Problem an der Politik im Wiener Rathaus ist nicht nur der Holzwegstatus von Michael Häupl und seinen rot-grünen Stadträten bei vielen Themen. Noch ärgerlicher ist der Umgang mit ebensolchen Fehlentwicklungen.
Längst wissen Sozialdemokraten – und tief drinnen auch der mit Wien verbundene Sozialminister –, dass die Pensionsregelung für Wiener Beamte dank gemütlicher Übergänge für die Betroffenen das Gegenteil von „solidarisch“ war: Es ist ein System für Privilegierte. Andere Bundesländer wie Salzburg oder das sonst oft kritisierte Niederösterreich haben ihren Pensionsbereich in Ordnung gebracht, Wien nicht.
Aber es wird nicht etwa eingestanden, dass man den treuesten Parteigängern und Mitarbeitern keine Veränderungen abverlangen wollte. Nein, man verdreht einfach die Wahrheit. Da heißt es dann etwa, dass es die über Jahre körperlich geforderten Mitarbeiter der Müllabfuhr oder vergleichbarer Abteilungen seien, die „krankheitsbedingte“ Frühpensionen in Anspruch nehmen mussten. Im Bund hingegen könne man dank Schieben ruhiger Kugeln auch länger arbeiten, so die Logik.
Ein Blick in die betreffende letzte Liste zeigt aber: 233 von 363 betroffenen Wiener Frühpensionisten sind keine Schwerarbeiter, also Müllarbeiter, Krankenschwestern oder Kanalräumer. Stattdessen finden sich Kanzleikräfte, Büromitarbeiter und Verwaltungskräfte darunter. Wiens Stadtregierung glaubt einfach, dass immer alles durchgeht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)















