Die Olympischen Spiele in London sind nun bereits eine Woche alt, die österreichischen Funktionäre sind längst nervös, die Ungeduld wächst und wächst, weil das womöglich medaillenlose Unglück immer wahrscheinlicher wird. So mancher mag das als Schande oder Blamage interpretieren, aber noch gibt es vielleicht die eine oder andere kleine Hoffnung, nicht mit komplett leeren Händen heimkehren zu müssen. Die Kunst wird sein, dem täglich größer werdenden Druck standzuhalten.
Die Nerven verloren haben indes einige Politiker, allen voran Sportminister Norbert Darabos, der sich in London in seiner ÖOC-Trainingsjacke als eine Art Hobbysportler verkleidet. Er hat mit seiner heftigen Kritik an den bisher großteils enttäuschenden Leistungen jedenfalls gewaltige Unruhe in die heimische Sportwelt gebracht. Und der Herr Sportminister hat auch schon die Schuldigen ausfindig gemacht: die Athleten, die nicht an ihre Leistungsgrenzen gegangen sind. Und schuld seien obendrein jene Funktionäre, die das neue Bundessportfördergesetz blockieren. Daher fühlt sich Norbert Darabos für die Misserfolge auch nicht verantwortlich, denn Verursacher des Problems sind die schlimmen Dachverbände. Hätte es allerdings bereits eine Medaille im Hause Austria zu feiern gegeben, der Sportminister wäre bei den Fototerminen sicher nicht weit gewesen. Mit Verlieren wollen Politiker aber nichts zu tun haben. Sonst wäre schillerndes Olympia wieder nur wie grauer Alltag.
wolfgang.wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)















