22.05.2013 00:24 Merkliste 0

Pekings Platz an der Sonne

MICHAEL LACZYNSKI (Die Presse)

Vorgänge im Südchinesischen Meer erinnern an imperialistische Muskelspiele.

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Zugegeben: Noch ist der Vergleich nicht ganz angebracht. Doch was sich seit Wochen und Monaten rund ums Südchinesische Meer abspielt, ruft schön langsam Erinnerungen an die imperialistischen Muskelspiele des frühen 20. Jahrhunderts wach.

Damals war das Deutsche Reich auf der Suche nach seinem „Platz an der Sonne“, wie es Reichskanzler Bernhard von Bülow formulierte, und es legte sich im Zuge dieser Suche mit den Kolonialmächten Großbritannien und Frankreich an. Wie dieser Konflikt ausging, kann in Geschichtsbüchern nachgelesen werden – es ist keine angenehme Lektüre.

Die Rollen Deutschlands und Großbritanniens nehmen hundert Jahre später China und die USA ein, und der Schauplatz ist nicht mehr Afrika, sondern Südostasien. Für Washington geht es bei dem Konflikt, der mithilfe von regionalen Stellvertretern ausgetragen wird, um die Absicherung der globalen Vormachtstellung. China wiederum will seine – aus Pekings Perspektive rechtmäßige – Position als asiatisches Gravitationszentrum wiedererlangen, die es über Jahrhunderte hatte.

Zum Glück wiederholt sich Geschichte nicht einfach so: Beide Seiten wissen, dass eine Eskalation verheerende Folgen hätte. Und in Washington ist man sich der Tatsache bewusst, dass sich Chinas ökonomisches Gewicht auch politisch widerspiegeln muss. Problematisch sind allerdings die Unübersichtlichkeit der Streitfälle und die Zahl der Beteiligten – und wie jeder Konfliktforscher weiß, steigt mit der Anzahl der Streitparteien die Gefahr einer Fehlkalkulation.

 

michael.laczynski@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)

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7 Kommentare

Die Chinesen haben Recht!

Was suchen denn die Amerikaner im südschinesischen Meer? Sie sollten zu Hause ihren Dingen nachgehen.
Die Denkweise, dass die Amerikaner dort Interessen haetten, legitimiert auch das Eingreifen der Amerikaner in Europa!

Gast: beschwerer
06.08.2012 18:07
0 0

wieso erinnern?

es sind!

Gast: schlÄchter
06.08.2012 09:34
0 0

sg herr redakteur laczynski!

china war alleine wegen seiner geballten größe (an menschen und fläche sowie wirtschaftskraft) die führungsmacht iin fernost.
china ist gewissermaßen dazu prädisti niert - ein blick in die geschichtsbücher genügt. schon napoleon wusste/erkannte das.
der europ. imerialismus im verbund mit dem us-amerikanischen und japans ende des 19 und anfang des 20 jhds war nur ein kleines intermezzo in der unglaublich langen geschichte desw reiches der mitte. mao gelang es - man mag über ih n urteilen wie man will - china wieder zu einen und in seine tradition weiterzuführen. unter dem kommunistischen mäntelchen führten er und später dengxiaoping china wieder in seiner konfuzianische tradition weiter - auch außenpolitisch steckt die VRchina
ihre alten einflusszonen wieder ab.
insoferne nix neues...

mfg
s.

Gast: b754
05.08.2012 21:05
0 0

die frage ist ja nicht ob es mal kracht

die frage ist nur wann es kracht morgen oder in 10 oder 20 jahren krachen wirds und nicht nur dort

Antworten Gast: Markus Trullus
06.08.2012 08:16
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Re: die frage ist ja nicht ob es mal kracht

Richtig; und eine weitere Frage wird sein, wie wir uns da raushalten können. Nationalstaatlich (wenn wir schon längst Kolonie der VRC geworden sind?) oder in einer immer mehr schwindenen EU? An der Seite der NATO Bündnistreue, also voll engagiert (GB-USA-NatoPartner??) alles schon ähnlich gelaufen!
Mein Vorschlag: Starke EU, raus aus der NATO und höheres Selbstverständnis der Europäer. Aber ich weiß, da steh ich derzeit alleine da... und das DoD der USA tut alles dagegen, was sie aufbringen können

Re: Re: die frage ist ja nicht ob es mal kracht

Machtpolitik und Europa? Längst passe. Die Briten dürfen noch ein wenig mit den Amis mitmachen, die Franzosen haben trotz noch immer vorhandenen Ambitionen gar kein Geld mehr, die Deutschen werden sich auch bald aus internationalen Abenteuern (Afghanistan) zurückziehen. Europa ist wirtschaftlich - noch - halbwegs stark, aber selbst dieser Vorteil gehr gerade flöten. Dieser Kontinent ist derzeit nur noch ein großes Freilichtmuseum, wirtschaftlich bedroht durch die Schwellenländer, "Ethnisch" bedroht durch "Zuwanderer" anderer Religion - Moslems. Das 21. Jahrhundert wird bestimmt kein "europäisches".

Re: Re: die frage ist ja nicht ob es mal kracht

Das pazifistische Europa hat sich selbst zur militärischen und gesellschaftlichen Nullnummer degradiert. Europäer von Heute hanteln sich vom Thermalbesuch zum Therapeuten und wieder zurück. Da läuft nichts mehr mit Stärke zeigen. Kommt nicht von ungefähr das die deutsche Luftwaffe bei den Amis den Titel "German Hairforce" hat.
Europa müssen Sie da schon aus Ihren Planspielen rausnehmen.

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