19.05.2013 06:08 Merkliste 0

Faymann'sches Sittenbild

RAINER NOWAK (Die Presse)

Die Vernehmungsprotokolle des Bundeskanzlers sind schlicht peinlich.

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Gut möglich, dass in der Inseratenaffäre strafrechtlich an den Herren Werner Faymann und Josef Ostermayer nichts hängen bleiben wird. Zumindest dürfte aber nun klar sein, dass sich beide SPÖ-Politiker viel mit der Frage beschäftigen, wie staatsnahe Unternehmen in Faymann-nahen Boulevardzeitungen inseriert haben. Die Protokolle der Einvernahme des Kanzlers, seines Staatssekretärs und des Ex-Chronik-, heute De-facto-Innenpolitik-Chefs der „Krone“, Claus Pandi, liefern ein Sittenbild, das für die SPÖ nur eines ist: peinlich.

Da bekennt der amtierende Kanzler in der schwersten Währungskrise seit Jahrzehnten, er habe 2007 vor der Angelobung zum Verkehrsminister mit „Krone“-Chef Hans Dichand diskutiert, wie er seine Erfahrung als Wohnbaustadtrat zur Verbesserung des ÖBB-Images einbringen könnte. Dichand, mittlerweile verstorben und somit kein sehr riskanter Zeuge, soll geraten haben, die schönste „Erfahrung“ als Stadtrat anzuwenden: mit Fotos in Ombudsmannpose in der „Krone“ zu werben. Interessanterweise sagt Pandi, dass Faymann auch ihn auf eine solche Inseratenvariante angesprochen habe. Nicht etwa umgekehrt. Faymann bestätigt das.

Ein Minister, heute Kanzler, erkundigt sich also bei Journalisten nach Effizienz und Gestaltung eines Inserats mit eigenem Foto auf ÖBB-Rechnung. Faymann hat Glück, dass es Kärnten gibt.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2012)

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28 Kommentare
 
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Gast: Gast639
10.08.2012 12:48
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SPÖ-Faymann wird durch das Gutachten schwer belastet!

Ich erwarte von einer Qualitätszeitung, dass sie die Fakten sofort vollständig bringt und auch richtig interpretiert und den eindeutigen Fehler von der angeblichen Entlastung Faymanns korrigiert!

"Die Staatsanwaltschaft kündigt nun weitere Erhebungen an. Zumal der Gutachter einige Zusatzfragen nicht beantworten konnte. Etwa jene, wie sinnvoll eine Werbestrategie sei, in der man zuerst Missstände aufzeigt, die der Minister dann abzustellen gedenke."

Der obige Gutachten-Absatz belastet Faymann extremst, denn vom Werbewert der Krone-Inserate profitierte ausschließlich SPÖ-Faymann (Foto mit dem lächelnden Faymann und er erklärt uns, dass er jetzt bei der ÖBB alles verbessern wird) und nicht die ÖBB (die ja in den Inseraten nur beschimpft wurde)!

Die logische Konsequenz (in einem funktionierenden Rechtsstaat) wäre sofortige Anklagen gegen SPÖ-Ostermayer und SPÖ-Faymann!

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1277038/Kanzler-entlastet_Werbewert-von-OeBBInseraten-belegt?_vl_backlink=/home/index.do


Auf den Punkt gebracht...


....gratuliere!

Gast: gggggg
09.08.2012 12:36
8 1

Ich bin positiv überrascht.

Die, wenn auch sehr schaumgebremste, Kritik an Faymann zeigt immerhin, dass der neue Chefredakteur auf dem linken Auge nicht völlig blind ist.

Aber stellen wir uns vor, das 6Millionenhonorar wäre in Wien passiert u. die Faymann´schen Inserate in Kärnten. Die Reaktionen wären genau umgekehrt: Irre Hysterie hier, ein bißl erhobener Zeigefinger dort, und nach kurzer Zeit würde die Sache klanglos untergehen – denn in Wien regieren die Roten, während in Kärnten die Blauen das Sagen haben. Und das darf nicht sein, denn die SPÖVP will weiterhin zu 100% das Land beherrschen. Und macht es damit kaputt, Stichwort ´Schulden´ (zugunsten der Klientel.)

Was ist wirklich passiert? Ein Steuerberater hat ein (extrem) überhöhtes Honorar kassiert. Gutachter fanden nichts dabei, 65.000 davon gingen (völlig widerrechtlich) an die ÖVP. Das ist schlimm, aber von ´totalem Chaos´, von ´der größten politischen Katastrophe seit 45´, usw… zu reden ist an Schwachsinn u. ebenso gezielter wie blödsinnniger Übertreibung nicht zu überbieten. Hier geht es nicht um Moral sondern um ein brutales Machtspiel mit allen Mitteln. Und um Ablenkung von den wahren Skandalen – verursacht von der SPÖVP. Faymanns Inserate ist einer davon.

Und dass sich nun auch der unzumutbarste Politiker des Landes in typischer – also u.a. größenwahnsinniger Weise - zu Wort meldet (neben der selbsternannten Sauberfrau in Salzburg - ausgerechnet!) vervollständigt das Bild der widerwärtigsten Heuchelei. DAS ist der wahre Sumpf.

Re: Ich bin positiv überrascht.

einmalig analysiert, aber, es werden die wenigsten verstehen, da sinnerfassendes lesen unter vorheriger abnahme der parteifilterbrille nur mehr sehr selten vorkommt.

Antworten Antworten Gast: alibababa
09.08.2012 21:00
0 0

Also, versuch ich es ohne Parteifilterbrille:

Was ist wirklich passiert? Ein staatsnahes Unternehmen hat - auf Empfehlung des zuständigen Ministers eine Inseratenkampagne gestartet, deren Wert von einem deutschen(!) Medienexperten bestätigt wurde. Das Foto des Ministers wurde regelmäßig abgedruckt, was damals völlig legal war. Das ist schlimm, aber von ´wahrem Skandal´, von ´brutales Machtspiel mit allen Mitteln´, usw… zu reden ist an Schwachsinn u. ebenso gezielter wie blödsinnniger Übertreibung nicht zu überbieten.

Hab' ich das nun richtig gemacht?

Vielleicht sollte man aber nicht den einen Skandal gegen den anderen aufrechnen und nicht bis zur Verurteilung in 3.Instanz warten, um Konsequenzen zu ziehen. Das gilt für die Wiener Bagage ebenso wie für die Kärnter Bagage.
Übrigens: Verurteilte, wie Winter und Hojac, pardon Westenthaler haben im österreichischem Parlament absolut nichts verloren - meine Meinung

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Re: Ich bin positiv überrascht.

heißt gggggg und ist gggggg.

wie journalisten - vor allem

aber auch chefredakteure, obwohl sie noch frisch sind - bestens wissen, ist politikern jedweder coleur selten was peinlich.
höchstens nicht in den medien vorzukommen.

Und die Reaktion der Wähler?

Dem Wähler wirds wurscht sein. Mit großer Wahrscheinlichkeit gewinnt die SPÖ auch die nächsten NR-Wahlen. Weil der SPÖ-Stammwähler die SPÖ aus Prinzip wählt, und ihn sowas nicht interessiert.

Das ist irgendwie die Tragik der ÖVP: ihre Wählerschaft ist nicht so "anhänglich", also schadet der ÖVP das Desaster namens große Koalition viel mehr. Die SPÖ kann sich trotz Totalversagens der großen Koalition darauf verlassen, weiterhin von "ihren" Leuten gewählt zu werden. Die ÖVP nicht.

Antworten Gast: Gast 2012
09.08.2012 12:32
3 0

Re: Und die Reaktion der Wähler?

die Tragik der ÖVP ist, daß sie ihre Rolle als Familien- und Wirtschaftspartei über Bord geworfen hat und um an der Macht zu bleiben als Steigbügelhalter für rote Kanzler dient. In Opposition kann sie auch schwer, weil sie wie die SPÖ in einem tiefen Korruptionssumpf steckt, der aufgedeckt werden könnte. Da scheint diese schreckliche große Koalition ein letzter Ausweg. Kein Wunder, daß in der ÖVP nur mehr 3.Wahl-Politiker an die Spitze kommen. Die Partei ist völlig am Boden - schade!

Re: Re: Und die Reaktion der Wähler?

Ehrlicherweise müsste man da aber sagen, dass die ÖVP vor der Zeit Schüssel auch nicht viel besser war - ich will gar nicht wissen, wie viel Korruption in den mittlerweile privatisierten "staatsnahen" Betrieben damals abgelaufen ist. Das kommt heute ja nur deshalb ans Licht, weil alles etwas transparenter ist. Irgendwie zwar absurd, aber was soll man machen.

Die ÖVP hat jahrzehntelang die verfehlte Politik Kreiskys weitergeführt und mitgetragen. Und Bünde, Kammern, etc. waren dazumal noch einflussreicher.

nowak, sie sägen am eigenen ast!

vermutlich perlt der sekt von der chefredakteur-ernennungsfeier noch im kopf.
denn er 'vergisst' wohlweislich die ö-grundregel für politiker, dass erst nach einer letztinstanzlichen verurteilung politische konsequenzen erfolgen DÜRFEN.
und er 'vergisst', dass durch das hinterherlaufen bei der handvoll an fanatisierten lesern aus der unterberger-zeit die auflage nicht gesteigert sondern NOCH niedriger wird.

haben sie echt die absicht, der kürzestdienende cr der presse-geschichte zu werden? haben sie die absicht, der LETZTE cr der presse zu werden?

wenn nicht, dann sollten sie sich von ideologien lösen und anders als ihre gescheiterten vorgänger vernunft und augenmaß walten lassen. ansonsten: tschüss nowak.

Antworten Gast: neoliberaler
09.08.2012 11:14
7 0

Ach ja, jede Kritik an einem sozialistischen Politiker ist Ideologie ?

Wie definieren sie Fanatismus ? Wohl jede andere Meinung.

Antworten Gast: Lukas
09.08.2012 11:04
7 0

Re: nowak, sie sägen am eigenen ast!

die Roten, wie unser Oberst, erinnern den frischgebackenen Chefredakteur daran, daß die SPÖ das Sagen in Österreichs System-Medien hat. Die Korruption der SPÖ soll also ungestört weitergehen.

Re: Re: nowak, sie sägen am eigenen ast!

So falsch liegt er nicht, der Oberst. Die Presse bezieht meines Wissens nach die Presseförderung. Da können unser Medienkanzler und sein Osterhase sehr wohl mitreden.

Antworten Antworten Antworten Gast: Lukas
09.08.2012 12:39
2 0

Re: Re: Re: nowak, sie sägen am eigenen ast!

Sie meinen die "unabhängige" Presse kann mit Presseförderung und Inseraten gekauft werden? Das wäre ja wie in Nordkorea und für eine westliche Demokratie erst recht ein Skandal!

Gast: Vogel Strauss
09.08.2012 07:09
10 0

Faymann hat Glück, dass die ÖVP unfähige Spindoktoren hat ...

Noch nie hat die ÖVP in letzter Zeit einen der zahlreichen roten Skandale ausgeschlachtet - zu doof, zu patschert oder Stillhalteabkommen??

Re: Faymann hat Glück, dass die ÖVP unfähige Spindoktoren hat ...

Die ÖVP wird wohl selbst genug Dreck am Stecken haben, s. Pröllistan...

Irrtum, Faymann hat Glück, dass die Medien zu 99% gekauft sind!


So sieht man uns im Ausland!

Das ist die wahre Peinlichkeit!!

http://www.youtube.com/watch?v=ub9K5WUQ9HI

Re: So sieht man uns im Ausland!

Die wahre Peinlichkeit besteht einfach darin, dass es eben passiert in Österreich.
Warum soll es peinlicher sein, wenn ausländische Medien es genau so sehen wie die Qualitätsmedien in Österreich und wohl die meisten Österreicher.
Der youtube-Beitrag ist eine Zusammenfassung all der in Österreich längst bekannten und kritisierten Zustände.

„Dichand, mittlerweile verstorben und somit kein sehr riskanter Zeuge,...“


Köstliche Formulierung!

Und Dichand ist nicht der einzige ehemalige Drahtzieher dieser Republik, der die ihm zugeschriebenen Äußerungen oder Handlungen nicht mehr dementieren oder zumindest abschwächen kann.

Das finden manche Herren sehr praktisch.

Gast: harakiri
08.08.2012 20:18
2 21

na, und zum Schüssel

sagen Sie gar nichts ? Hat der erst ein Glück.

Re: na, und zum Schüssel

Warum? Was soll denn Schüssel bittteschön gemacht haben?

Seine schlimmste Untat scheint ja gewesen zu sein, dass er die Roten aus der Regierung gekickt hat.
Ein für manche bis heute offenbar unverzeihliches Verbrechen.

Antworten Antworten Gast: harakiri
09.08.2012 09:06
0 4

Re: Re: na, und zum Schüssel

herrlich, mit der Nummer können Sie auftreten.

Lustig,...

...beantwortet aber meine Frage nicht.

Gast: schlÄchter
08.08.2012 20:17
18 2

sg herr CR nowak!

"Ein Minister, heute Kanzler, erkundigt sich also bei Journalisten nach Effizienz und Gestaltung eines Inserats mit eigenem Foto auf ÖBB-Rechnung. Faymann hat Glück, dass es Kärnten gibt."

völlig ihrer meinung.
+

mfg
s.




 
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