Die Österreicher hatten zu Beginn der Sommerspiele in London 40 Schützen aufmarschieren lassen, im wunderschönen Österreich-Haus war Partystimmung angesagt. Letztlich aber sind die Böller der Tiroler Schützenbrigade nach hinten losgegangen. Das Team Austria wird die Heimreise ganz ohne Medaille antreten müssen, mit Rang fünf der Flachwasserpaddlerinnen Viktoria Schwarz und Yvonne ist die letzte Hoffnung auf Edelmetall versenkt worden. Jetzt ist die Nullnummer amtlich, hat auch das krampfhafte Klammern an sportliche Wunder endlich ein Ende.
Nichts kann mehr beschönigt werden, die Spiele sind ein Schlag ins Gesicht, sie haben die Schwächen im österreichischen System klar aufgedeckt. Das medaillenlose Unglück schreit nach Konsequenzen, nach einer Reform, nach einem Neuaufbau und dem Ende des Gießkannenprinzips. Auch das Österreichische Olympische Comité wird sich mit der Kritik ernsthaft befassen müssen, um den Ruf, nur ein Reisebüro zu sein, korrigieren zu können.
Viel zu viele heimische Olympia-Teilnehmer haben in London nicht ihr Bestes gegeben, der Österreicher tut sich eben schwer, wenn das Hobby zur Qual wird. Da hätte es auch nichts gebracht, wenn ein Hermann Maier zwei Wochen lang versucht hätte, das Glücksengerl zu spielen. Aber der nächste Winter kommt bestimmt, die Ski-WM in Schladming beginnt eh schon in sechs Monaten. Bis dahin ist der Flop von London ganz sicher Schnee von gestern.
wolfgang.wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)















