21.05.2013 10:45 Merkliste 0

Ein Albtraum für Südeuropa

MICHAEL LACZYNSKI (Die Presse)

Deutsche Wähler könnten schon bald über den Weg aus der Eurokrise abstimmen.

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In dem europäischen Krisentheater, das wir seit mittlerweile gut zwei Jahren über uns ergehen lassen müssen, waren die Rollen bisher klar verteilt: Auf der einen Seite die Südeuropäer – versammelt unter dem Banner der demokratischen Legitimität und geeint in ihrem Versuch, die Attacken der nordeuropäischen Erbsenzähler auf ihre Selbstbestimmung abzuwehren. Auf der anderen Seite die grauen Herren aus Brüssel und Frankfurt – Büttel des deutschen Finanzkapitals, die in den Hauptstädten des Südens ein strenges Regiment führen möchten, wenn man sie lässt.

Doch diese praktische Schablone hat nun ausgedient. Und zu verdanken haben wir das ausgerechnet den Deutschen, die immer lauter über ein Referendum nachdenken, im Zuge dessen über eine Änderung des Grundgesetzes befunden werden soll. Denn so gut wie alle Wege aus der Schuldenkrise führen über eine engere europäische Zusammenarbeit – was eine partielle Aufgabe der deutschen Souveränität bedeutet.

Dass diese Wendung in Griechenland und anderswo für Nervosität sorgen muss, liegt auf der Hand. Denn sie entspricht so gar nicht der südeuropäischen Lesart der Souveränität, die den Schuldnern den Zugriff auf die Konten der Gläubiger erlaubt.

Das Recht auf Selbstbestimmung gilt demnach nur südlich des Weißwurstäquators. Und der Versuch, dieses Recht auch in Deutschland auszuüben, ist ein Sakrileg. Sollten es die Deutschen also ernst meinen mit ihrem Referendum, können wir uns auf mahnende Stimmen aus Athen gefasst machen, die vor den Gefahren der Demokratie für das geeinte Europa warnen.

 

michael.laczynski@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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4 Kommentare

Es geht in Wirklichkeit um nördliche Hartwährungs- gegen südliche Abwertungspolitik!

Dieser eklatante Gegensatz zwischen nördlicher und südlicher Finanzpolitik passt den "glühenden Europäern", die an ein einheitliches Europa glauben, überhaupt nicht ins Konzept, weshalb dieser Gegensatz hartnäckig geleugnet wird. Dabei ist das die einzig wirkliche Ursache der Eurokrise!

Deutschland und einige seiner Nachbarn - zu denen man auch Finnland zählen muss - sind mit ihrer Hartwährungspolitik reich geworden.

In südlicher gelegenen Ländern gewinnt man Wahlen nur mit einer großzügigen Ausgabenpolitik, die regelmäßige Währungsabwertungen nötig macht, damit die Wettbewerbsfähigkeit erhalten wird.

In den Maastricht-Verträgen hat sich Deutschland mit seiner Hartwährungspolitik durchgesetzt, was Währungsabwertungen unmöglich macht, wodurch die Südländer in existenzielle Schwierigkeiten geraten.
Weil die Südländer wissen, dass sie in der EU eine Mehrheit haben, forden sie ständig mehr einheitliche Finanz- und Wirtschaftspolitik für Europa. um die Hartwährungspolitik, mit der sie nicht leben können, abzuschaffen.

Das ließe die Südländer fröhlich weitermachen, würde aber die Nordländer um ihren Wohlstand bringen!

Deshalb ist die einzig wirkliche Lösung der Euro-Schuldenkrise nicht "engere europäische Zusammenarbeit", sondern die Aufgabe der gemeinsamen Währung für Staaten mit widersprechenden Wirtschaftssystemen. Nur so kann sowohl der Norden als auch der Süden Europas seine jeweils andere Politik, mit der ihre Bevölkerung zufriedengestellt wird, in Ruhe verfolgen!


Gast: conradi xy
11.08.2012 09:05
1 1

Letzlich bestimmt doch die Fianzmafia -

Deutschland soll sich ja nicht ertreisten, nicht brav zu zahlen !

Gast: Unbeteiligter
11.08.2012 07:56
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Bleibt nur zu hoffen dass...

Die deutschen endlich die lügen der EU fanaten satt haben und mit Nein stimmen.

es ist immer so,

die die zahlen müssen sich dafür bitte auch noch schämen. und eine meinung zu ihrem ständigen zahlen haben sie sich gefälligst zu verkneifen. und demokratie gilt nur, wenn das gewünschte dabei herauskommt.

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