Der etwas rasante Ausritt der Parteichefin der Grünen zu ihren potenziellen Wählern hat ihr Spott und Häme eingetragen, und ob er die erhofften Stimmen bringen wird, steht auch dahin. Denn mancher hätte den umweltfreundlichen Worte wohl lieber auf einem Bahnhof gelauscht. Natürlich ist Glawischnig in einem extra umweltfreundlichen Auto gekommen, einem Elektrohybrid „Ampera“ von Opel: „Höchstgeschwindigkeit 161 km/h. Ein Druck auf das Gaspedal, und schon fühlen Sie sich, als ob Sie fliegen würden“, steht im Prospekt, weiter hinten kommen die CO2-Emissionen: 40 g/km (vorläufiger Wert).“
Die Vorläufigkeit mag damit zu tun haben, dass sich im Praxistest (von Elektroautos) des ADAC die Herstellerangaben als untertrieben herausgestellt haben (und manche schlichten Diesel besser liegen). Aber das Elektroauto gilt als grün, mag sein Strom herkommen, wo er will, und die Sparbirne gilt als grün, mag ihr Quecksilber hingehen, wo es will. So propagiert es eine Industrie des Guten, der es nicht etwa um Interessen geht wie jeder anderen Industrie, sondern um die Rettung der Welt.
Das kommt an, auch wenn es noch so anrüchig ist: Die Berliner Wasserbetriebe werfen Duftgel in die Kanalisation – Lavendel, Zitrus, Fichtennadel –, um den Gestank zu überdecken, der aus den Kanaldeckeln quillt, weil sich die Brühe kaum mehr bewegt, seit das Wassersparen zur fixen Idee geworden ist. Aber die Umwelt muss geschützt werden, koste es, was es wolle, am Ende die Umwelt selbst.
juergen.langenbach@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)















