19.06.2013 12:11 Merkliste 0

Systematik? Alles nur Zufall

WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Österreichs Sport fehlt es an allem – nicht nur an Turnstunden.

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Wenn es darum geht, einen Schuldigen für das großteils desaströse Abschneiden der Österreicher bei Olympia zu finden, entwickeln Funktionäre und Politiker ungeheures Potenzial. Einige schwingen sich da zu Höchstleistungen, die wir uns eher bei den Sommerspielen in London erhofft haben, auf. Auch im Abblocken gehören wir zum Kreis der absoluten Weltklasse.

Der Sportminister prangert die Blockierer an, die Unterrichtsministerin versteht die Diskussion um die tägliche Turnstunde nicht, der Gesundheitsminister will sich lieber gleich auf gar nichts verbindlich festlegen. Immerhin fordert der Bundeskanzler ein Gesamtkonzept, auf dass der rot-weiß-rote Sport erfolgreich werde. Werner Faymann will sich ja irgendwann einmal wieder an der Seite von siegreichen Sportlern ins Bild rücken. Die Chancen dazu stehen gar nicht so schlecht, denn bei der nächsten Großveranstaltung, der Ski-WM in Schladming, werden die Österreicher mit der Konkurrenz leichter Schlitten fahren als in London. Aber auch im alpinen Bereich wurde stark abgebaut, das haben die Winterspiele 2010 in Vancouver verdeutlicht. Damals hat man die sinkende Zahl der Schulskikurse ins Treffen geführt. Heute wird lautstark die tägliche Turnstunde gefordert.

Österreichs Sport fehlt es an fast allem. Vor allem aber an Siegertypen, die sich trotz fehlender Rahmenbedingungen zum Ziel setzen, die Besten werden zu wollen. Die Seisenbachers und Hagaras aber werden immer seltener, weil unser Sportsystem nur auf Zufall aufgebaut ist.

 

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2012)

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10 Kommentare
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Geschenke

Es ist traurig mitzuverfolgen, dass die dieskussion über zuwenig sport in unseren schulen sich daran entzündet, dass wir keine medaillien bei der olympiade gewonnen haben! denn das geschenk der stundenkürzungen haben uns schüssel und gehrer beschert vor mehr als zehn jahren. eltern die damals aufgeschrien haben, nicht wegen medaillien sondern wegen besseren lern- bzw. gesundheitschancen unserer kinder, wurden schräg angeschaut.
denn dass bewegung unabdingbar mit lernen verbunden ist, war auch damals bereits bekannt, ebenso dass diabetes, fettleibigkeit und rheuma bei kindern und jugendlichen durch zuwenig bewegung geradezu gefördert wird, war ebenso bekannt!
für mich liegt der schluss nahe, dass politiker kein interesse an einem wachen, intelligenten und selbstbestimmten, gesunden "volk" haben und es daher bewusst dumpf, ängstlich, krank und dumm macht!
anders kann ich mir die bewusste streichung von überlelbenwichtigen stunden, wie bewegung und kreativität, nicht erklären.
die medaillien sind nebensache!

haben sie ein kleines kind, herr wiederstein?

dann sollten sie das experiment wagen, es zu einem siegertypen zu machen. ihr kind soll zu den besten der besten gehören.

dass sie dann irgendwann ein kind haben werden,
*dem die jugend gestohlen wurde durch trainingscamps und wettbewerbe allüberall anstatt mit freunden durch die gegend zu ziehen und 'normal' erwachsen zu werden
*dessen körper mit 30 durch die diversen chemischen leistungsförderer und durch die unvermeidlichen verletzungen dem eines 60jährigen entspricht.
*das nach ende der sportkarriere in ein tiefes loch fällt, weil es nichts gelernt hat und nichts kann und sein ruhm aus vorzeiten auch irgendwann aufgebraucht ist.

das alles ist für sie offenbar nicht so wichtig.
denn natürlich glauben sie fest daran, dass IHR kind nicht zu den 99% gescheiterten gehören wird, sondern zu den ganz wenigen 'auserwählten'.

ps.: machen sie sich darauf gefasst, im hohen alter den begriff 'unverantwortlicher rabenvater auf dem ego-trip' an den kopf geworfen zu bekommen!

Gast: Fleming
16.08.2012 02:00
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Medien in der Pflicht

..was vermitteln die Medien in Österreich einem jungen menschen??

Fressen, Saufen Lyfestyle, Schöner Wohnen, Kochshows und fette Promis....

ein Blick in britische Zeitungen gefällig?? da kann man sehen und lesen, welchen Stellenwert Sport auch haben kann.

Journalisten und Redakteure hierzulande treffen sie eher bei einer Party als im Fitnesstudio,.. das wars dann.

Gast: danubius36
16.08.2012 00:19
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Schwachsinn

Dass wegen fehlender Olympiamedaillen nun eine Diskussion über Turnstunden in der Schule begonnen wird, zeigt einerseits die mehr als fragwürdigen Wertigkeiten in der österr. Politik und Gesellschaft, andererseits ist es unglaublicher Schwachsinn, hier einen Kausalzusammenhang herstellen zu wollen!
Unglaublich, auf welchem tiefem Niveau bei uns "diskutiert" wird. Aber wer den "Ober-Olympiatouristen" Darabos (angeblich auch Verteidigungsminister im Nebenjob) im weißen Trainingsanzug in London via TV erlebt hat, hat jetzt endgültig eine Vorstellung, was Peinlichkeit bedeutet.

Gast: pächter der wahrheit
15.08.2012 23:28
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Leistung passt nicht zu uns Österreichern

Mit Leistung können es nur wenige bei uns zu etwas bringen. Viel mehr zählt doch wer wen kennt der wieder wen kennt.
Mit Leistung macht man sich doch nur unbeliebt weil die als Bedrohung des Establishments gesehen wird.

Und dann wird viel Energie auf die Unterdrückung dieses Deviantentums verwandt.

Leistung ist viel zu anstrengend, es geht doch viel bequemer. Man kauft sich ein paar Entscheidungsträger oder lässt sich kaufen, Hauptsach die Anderen sind die Dummen, inszeniert Skandälchen und Neideskapaden, Theaterdonner und Lametta. Das ist Österreich momentan.

Re: Leistung passt nicht zu uns Österreichern

ist das die suderei von jemand, der glaubt etwas zu leisten und dafür nicht belohnt zu werden, weil andere jemanden kennen?

gratuliere: sie hätten alle sportler in london in den schatten gestellt, wenn es um die beantwortung der frage "warum haben sie keine medaille geholt?" ist!

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Turnstunden

Wenn man beobachtet, wie sich manche Jugendliche NICHT bewegen; wie natürliche Aggressionen NICHT abgebaut werden; wie viele Menschen weder verlieren noch siegen können; wie Zivilisationserkrankungen zunehmen:

Dann muss man doch einfach für mehr Pflicht-Turnstunden sein!

(Auf Freiwilligkeit sollte man nicht setzen, sonst werden diejenigen, die es am nötigsten haben, wieder nicht dabei sein. Da sollte man eher die Turnlehrer auf Fingerspitzengefühl und Anti-Mobbing- Strategien und Eingehen auf den Einzelnen ausbilden. Zum Beispiel sollten Mannschafen im Schulsport eher durch Los als durch Wahl gebildet werden, usw).

Wenn wir in Österreich einmal dahingehend unsere Hausaufgaben machen, dann könnte es schon sein, daß wieder Medaillen kommen. Das ist aber nachrangig !

Gast: horst maier
15.08.2012 19:10
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wenn ich mir vorstelle dass einer wie rogan auch noch förderung bekommt dann danke


Gast: b745
15.08.2012 19:09
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es ist ohnehin krank welche summen für den spitzensport ausgegeben werden

wäre besser in bildung investiert statt für ein paar sportler die eh nichts reißen und es ist auch wurscht was können wir uns von gold kaufen nichts

Re: es ist ohnehin krank welche summen für den spitzensport ausgegeben werden

Das +Stricherl war ein versehen, ich wollte "Antworten" drücken:
Sportunterricht kann nämlich sehr wohl etwas mit Bildung zu tun haben (allerdings nicht, wenn ein unmotivierter Turnlehrer in einem schmuddeligen Turnsaal herumsteht oder die Schüler am Eislaufplatz Runden drehen läßt ...)

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