Eine der längsten Dopingjagden ist beendet, auch wenn offiziell keine einzige positive A- oder B-Probe vorliegt. Lance Armstrong, der siebenmal als Tour-Triumphator gefeiert wurde, hat das jahrelange Schauspiel beendet. Der 40-jährige Texaner hat sich selbst die Maske vom Gesicht gerissen, er verzichtet auf eine Anhörung, er hat selbst aufgegeben.
Gestanden hat er freilich nichts, aber bei der Schiedsgerichtsverhandlung nicht zu erscheinen, kann nur als Schuldeingeständnis interpretiert werden. Offiziell steht Armstrong nicht als Dopingsünder da, dem ist er zuvorgekommen. Die öffentliche Schmach und Demütigung hat er sich erspart, seinen Heldenstatus als US-Superstar hat er ohnehin schon lange verloren.
Armstrong, der sich immer nur als Opfer, aber nie als Täter gesehen hat, spricht von einer Hexenjagd. Den Kampf gegen den Krebs hat er gewonnen, Livestrong hat vielen Menschen Mut gemacht. Letztendlich aber steht der einzigartige Radfahrer nun als einer der größten Sportbetrüger da.
Lance Armstrong, im Fahrerfeld stets unbeliebt, hat sich lange auf das Prinzip der Omertà, des Schweigegelöbnisses seiner Teamkollegen, verlassen. Ebenso auf den Internationalen Radsportverband, der ihn bis zuletzt verteidigt und sogar freigesprochen hat. Gestürzt ist er, der alle anderen Dopingbrüder rein sportlich geschlagen hat, nicht über die laschen zuständigen Verbände – das sollte Sportbetrügern eine gründliche Warnung sein.
wolfgang.wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)















