Jetzt stehen sie da, die Fondsmanager, Investmentbanker und Wall-Street-Boys, und schütteln die Köpfe. Die Facebook-Aktie hat seit dem Börsengang die Hälfte an Wert verloren, und schon will man den 28-jährigen Mark Zuckerberg am liebsten aus dem Chefsessel hieven. Weil der nicht spurt, wie einer zu spuren hat, der sich mit der Wall Street einlässt. Dass dies so kommen musste, war abzusehen. Schon vor dem Börsengang teilte Zuckerberg Managern und Anlegern mit, was er von ihnen hält: nichts. Er sagte zwar nicht „rutscht mir den Buckel runter“, aber er zeigte es. Etwa, als er auf der Roadshow im Mai in Manhattan mit Sweatshirt und Turnschuhen antanzte, auf dem Klo war, als 500 Manager auf seine Rede warteten, und am Ende gerade einmal eine Handvoll Fragen beantwortete, bevor er sich wieder in seine Limousine setzte und abzischte.
Und was taten die Investoren nach diesem befremdenden Auftritt? Sie kauften die Facebook-Aktien wie verrückt, und das zu einem viel zu hohen Ausgabekurs. Wer sich so veräppeln lässt, hat wenig Mitleid zu erwarten.
Oder sollte man besser sagen verapplen? Einiges an Zuckerberg erinnert an Apple-Gründer Steve Jobs. Der kam auch mit Visionen von Kalifornien nach New York und lag mit den Moneymakern der Wall Street schnell im Clinch. Die wollten Geld sehen statt Visionen und jagten Jobs zum Teufel. Heute würden ihn dieselben Leute in den Himmel heben, wenn er nicht schon dort wäre. Und Zuckerberg? Eine Milliarde Dollar ist ihm seit dem Börsengang sicher. Damit lässt man sich notfalls auch zum Teufel jagen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2012)















