22.05.2013 08:41 Merkliste 0

Zuckerberg verapplet alle

GERHARD HOFER (Die Presse)

Dass sich Mark Zuckerberg nicht an die Regeln der Wall Street hält, war allen klar.

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Jetzt stehen sie da, die Fondsmanager, Investmentbanker und Wall-Street-Boys, und schütteln die Köpfe. Die Facebook-Aktie hat seit dem Börsengang die Hälfte an Wert verloren, und schon will man den 28-jährigen Mark Zuckerberg am liebsten aus dem Chefsessel hieven. Weil der nicht spurt, wie einer zu spuren hat, der sich mit der Wall Street einlässt. Dass dies so kommen musste, war abzusehen. Schon vor dem Börsengang teilte Zuckerberg Managern und Anlegern mit, was er von ihnen hält: nichts. Er sagte zwar nicht „rutscht mir den Buckel runter“, aber er zeigte es. Etwa, als er auf der Roadshow im Mai in Manhattan mit Sweatshirt und Turnschuhen antanzte, auf dem Klo war, als 500 Manager auf seine Rede warteten, und am Ende gerade einmal eine Handvoll Fragen beantwortete, bevor er sich wieder in seine Limousine setzte und abzischte.

Und was taten die Investoren nach diesem befremdenden Auftritt? Sie kauften die Facebook-Aktien wie verrückt, und das zu einem viel zu hohen Ausgabekurs. Wer sich so veräppeln lässt, hat wenig Mitleid zu erwarten.

Oder sollte man besser sagen verapplen? Einiges an Zuckerberg erinnert an Apple-Gründer Steve Jobs. Der kam auch mit Visionen von Kalifornien nach New York und lag mit den Moneymakern der Wall Street schnell im Clinch. Die wollten Geld sehen statt Visionen und jagten Jobs zum Teufel. Heute würden ihn dieselben Leute in den Himmel heben, wenn er nicht schon dort wäre. Und Zuckerberg? Eine Milliarde Dollar ist ihm seit dem Börsengang sicher. Damit lässt man sich notfalls auch zum Teufel jagen.

 

gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2012)

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2 Kommentare

Diese Kleininvestoren

müssen aber auch nicht zocken. Zwingt sie doch keiner. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Gast: Held der Arbeit
27.08.2012 13:31
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das problem, herr hofer, ist

dass am ende die zeche trotzdem immer der "kleine mann" zahlt. denn irgendwo steht am ende hinter jedem institutionellen investor, sei das ein pensionsfonds, ein investmentfonds oder eine bank im eigenhandel, ein anleger/kunde, dessen pension weniger geworden ist, dessen fondsanteil weniger wert ist, der höhere bankgebühren berappen muss etc. das sollte bei aller berechtigter häme gegenüber den abgezockten facebook investoren immer bewusst sein.

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