Die Ermahnung wirkt grotesk: Irans Machthaber haben zum Auftakt des Blockfreien-Treffens in Teheran vor ausländischer Einmischung in Syrien gewarnt. Was „ausländische Einmischung“ ist, wird vom iranischen Regime freilich sehr selektiv beurteilt: Es meint damit alles, was Syriens Opposition hilft. Was den Herrschern in Damaskus nützt, fällt offenbar nicht darunter. Immerhin ist der Iran der Staat, der Syriens Regime die massivste Unterstützung zukommen lässt: Wirtschaftshilfe, Spezialisten für Aufstandsbekämpfung, Material, angeblich sogar Kämpfer.
Dass Teheran all diese Zuwendungen an seinen Freund Bashar al-Assad nicht als externe Einflussnahme sehen will, liegt auf der Hand. Der Iran ist im Syrienkonflikt Partei. Seine Schelte gegen das „böse Ausland“, das gegen das Interesse des syrischen Volkes agitiere, ist Teil der verbalen Kriegsführung.
Teheran versucht seinen Einflussbereich zu schützen, der sich über den Irak nach Syrien bis in den Libanon ausdehnt. Die Mehrheit der irakischen Bevölkerung gehört – so wie die meisten Iraner – der schiitischen Richtung des Islam an. In Bagdad gibt eine schiitische Partei den Ton an. Im Libanon unterstützt Teheran die mächtige Schiiten-Miliz Hisbollah, die auch eine wichtige Verbündete des syrischen Regimes ist.
Irans Rivale, das sunnitische Königreich Saudiarabien, will diesen „schiitischen Bogen“ zerbrechen. Deshalb unterstützt es vor allem extremistische sunnitische Gruppen unter den syrischen Rebellen im Kampf gegen den „ungläubigen“ syrischen Machthaber Assad, der der religiösen Minderheit der Alawiten angehört. Der Krieg in Syrien ist damit zugleich ein Stellvertreterkrieg zwischen den Mächten in der Region.
Dass nun just der ägyptische Präsident und Muslimbruder Mohammed Mursi mit einem Syrien-Friedensvorschlag im Gepäck nach Teheran reisen will, sollte eigentlich Grund zur Hoffnung sein. Zwar haben Ägyptens Muslimbrüder nicht gerade Einfluss auf die Saudis. Doch die ägyptische Bewegung hat eine wichtige Stimme in der sunnitisch-islamistischen Welt.
Ob das Treffen in Teheran jedoch tatsächlich zum Ausgangspunkt einer Syrien-Lösung werden kann, ist fraglich. Irans Regime hat gezeigt, dass es das Blockfreien-Treffen vor allem für Propaganda nutzen will: Um sein Atomprogramm zu rechtfertigen und um seine Interessen in Syrien zu wahren.
wieland.schneider@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)















