20.06.2013 01:08 Merkliste 0

Also sprach der Großkönig

WOLFGANG GREBER (Die Presse)

Chinas Premier rüffelte Deutschland ob der Eurokrise im Ton einer Supermacht.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wer zum Ausdruck bringen will, dass er irgendein Ereignis für besonders unwichtig hält, greift manchmal zum Sager vom „Fahrrad, das in China umfällt“. Klar, so was ist in dem Land, dessen mehr als 1,3 Milliarden Menschen hunderte Millionen Drahtesel besitzen, natürlich so häufig wie unwichtig. Der Spruch impliziert aber eine Metaebene: China, das ferne Land hinter den Bergen mit seinen lächelnden Menschen ist rückständig und arm – und daher per se nicht so wichtig.

Wenn nun dieser Tage die halbe Regierung des Wirtschaftsriesen Deutschland samt der größten deutschen Wirtschaftsdelegation ever China besucht, wird klar, dass der Spruch nicht mehr passt. Erstens, weil in Chinas Städten Autos die Fahrräder verdrängt haben. Und zweitens, weil das kommukapitalistische Land bereits offen als Imperium auftritt und Europa, dem selbst ernannten Kontinent der Zivilisation und Menschenrechte, tatsächlich die Leviten liest: Wie sagte Chinas Premier Wen Jiabao bei der Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel? Er sei ob der Eurokrise, des möglichen Euro-Austritts Griechenlands und einer möglichen Pleite Italiens und Spaniens extrem besorgt. Er mahnte Berlin, den schwachen EU-Ländern zu helfen – und bemerkte, dass Sparen allein, wie Merkel glaubt, das Problem nicht lösen könne.

Sicher, Deutschland und China sind wirtschaftlich massiv voneinander abhängig, beide brauchen einander als Märkte. Aber Europa braucht Peking immer dringender als Geldgeber, als Käufer von Euro-Anleihen. Und: So wie Wen tönte, klang es nicht mehr nach dem Fahrrad-China von einst, sondern nach einer neuen Supermacht, auch im militärischen Sinn. Und irgendwie erinnerte es an einen Großkönig, der seinen Vasallen rüffelt.

 

wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

19 Kommentare
Gast: Gast 2012
31.08.2012 22:17
0 0

die Chinesen haben Angst vor der Euro-Krise

weil sie viel in den Euro investiert haben und da möchten sie wie die Euro-Pleiteländer und die USA, daß die Steuerzahler in jenen Staaten denen es noch besser geht diese Verluste kompensieren. Dann sind eben Staaten wie Deutschland die Dummen...

Nachdem

alle hier super China Fans zu sein scheinen freue ich mich ja auf die langen Gesichter wenn die China Blase platzt. Dagegen ist Griechenland gar nix. Aber nur feste rasseln und wir nur immer feste glauben dass der Superschmäh auf Dauer zieht. Wir täuschen uns gegenseitig.

Am Ende lachen wieder die Amis aber das stört mich nicht.

Antworten Gast: schlÄchter
04.09.2012 08:02
0 0

Re: Nachdem

sge schlechte milch!
china hat gewaltige probleme-keine frage (insb. die bevölkerungsstruktur und das gentrydenken das zu einer unglaublichen egoistischen korruption führt), ob eine blase platzt ist schwer abzuschätzen 8wie üpbrigens auch in der türkei, braislien oder indien) aber china ist ein geschlossener und zentral gesteuerter markt der sehr viel schneller reagiern kan nals etwa westl. demokratien und staat mit 1,3 milliarden menschen, das eine lange kulturelle und wirtschaftliche tradition hat. der chinese ist der geborenen geschäftsmann-nichtzuletzt beruht sogar der wirtschaftliche aufschwung der südostasiatischen länder auf die dortige starke chines minderheit (singapur, malaysia und andere) die unweigerlich auch verbindungen zu ihrem mutterland haben.
dazu kommt eine massive militärische aufrüstung und auch dem langen gedächtnis der chinesen, die uns westler einiges zurückzahlen wollen.
man muss bei allen üproblemen chinas diesen tatsachen mmn eben rechnung tragen.

mfg
s.

Antworten Gast: suntzu
31.08.2012 18:51
0 0

Re: Nachdem

Welche Blase soll in China platzen?
Wo wurde in China ein hoher Leverage gefahren, damit eine Blase überhaupt entstehen und platzen kann?
Chinesen haben kein Sozialsystem, deshalb eine Sparquote von 40% und zahlen bar.

Aktienblase kann es wohl nicht sein bei einem niedrigen KGV von 10.

Zahlte (großteils in bar) ein Chinese für seine Immobilie zu viel, verliert er halt sein Geld. Deswegen fällt kein Sack Reis um.

Nicht so wie in Spanien, oder USA:
Häuserkauf der Armen zu 100% auf Kredit. Stieg das Haus wertmäßig um 10% im Jahr (vor der Krise), wurde sofort ein neuer (Konsum)Kredit aufgenommen und das Haus dafür belehnt.
Als die Hauspreise fielen, platzte das ganze Kreditgebäude und erschütterte das ganz Welt-Finanzsystem.


Re: Re: Nachdem

Ganze Städte die keiner braucht, über 100 millionen Wanderarbeiter arbeitslos, Konsum nur noch künstlcih gefördert damit das Wirtschaftswunder und vor allem die Wachstumszahlen nicht weniger werden.

Im Tricksen sind die Chinesen mindestens genauso gut wie wir und wir Eppen schauen alle bewundernd rüber weil die ja die Schlauhait mit dem grossen Löffel gefressen hatten.

Am Ende ist gegen eine freie, liberale Wirtschaft in der freie, kreative Menschen ihre vollen Energien in die Schaffung von etwas Neuem stecken unschlagbar. Mit allen ihren Fehlern. Ich war noch nie ein Fan von Kommandowirtschaft weil da immer jene die sich durchs System gea....küsst haben das sagen haben und die haben noch jede Firma, jedes Land und jede Welt in den Abgrund geführt.

In China wäre ein Apple, ein Google oder ein Amazon nie entstanden. Dort wäre auch die Lokomotive oder das Flugzeug nicht erfunden worden weil dort nur sehr wenige wirklich kreativ sein wollen weil es dir ja das System ohnehin nimmt.

Antworten Antworten Antworten Gast: suntzu
01.09.2012 13:01
0 0

Re: Re: Re: Nachdem

1) Leere Geisterstädte werden langsam aufgefüllt, weil jährlich Millionen Chinesen von der Armut in den Mittelstand wechseln.

2) arbeitslose Wanderarbeiter kehren heim, um als Kleinbauern wieder ihre alte Knochenarbeit mit halbem Einkommen auszuführen.

3) Kommandowirtschaft ist mir genau so ein Graus. Aber nicht mehr in China. Kaum wo gibt es mehr Wettbewerb als dort. Die Menschen sind viel freier als bei uns, nur können sie halt nicht wählen.

Sie dürfen unendlich reich werden, ohne sich vor Enteignung fürchten zu müssen. Nicht so wie im Westen, wo man sie fressen will (eat the rich). Ist das nicht kurios, wenn westliche Kapitalisten schon Schutz bei den Kommunisten suchen.

4) Innovation: der Westen hat 200 Jahre Vorsprung. Wie soll China das in 20 od. 30 Jahre aufholen?
Aber nehmen wir mal die neue Elektromobilität. Da herrscht Chancengleichheit, weil alle gleichzeitig an den Startlöchern stehen. Ich möchte fast wetten, dass China da dem Westen davonzieht.
Chin. Internetfirmen wie Baidu und Alibaba sind dort genau so bekannt, wie bei uns Google oder Amazon.


Re: Re: Re: Re: Nachdem

Gute Punkte. Kann man auch schwer dagegen halten weil Sie durchaus Recht haben.

Das mit der Freiheit mag ich noch nicht ganz unterschreiben aber ich sehe Ihre Logik und kann dem schon etwas abgewinnen.

Wahrscheinlich mag ich einfach nur eher das Chaos des evolutionären Prozesses statt der Ordnung einer Ameisenkolonie. Hier prallen Meinungen aufeinander.

Aber noch einmal. Ihr Standpunkt leuchtet ein und ich denke es geht hier mehr um individuelle Vorlieben als um etwas anderes.

Gast: suntzu
31.08.2012 15:56
0 0

Chinesen sind vor allem eins, geschäftstüchtig

Zwar ist das Handel zwischen Entwicklungsländern schon größer, als der mit dem Westen (Amerika plus Europa), aber als Einzelmarkt ist Europa für China noch immer der größte Exportmarkt.

China hat daher alles Interesse, dass es Europa gut geht. Gerne würden sie weitere Eurobonds kaufen, wenn sie ihr Geld wiedersehen würden.

Sie fordern daher, Geld nur gegen Reformen.
Da das reformunfähige Europa noch immer glaubt, sich mit Schmäh aus dem Bankrott zu ziehen, werden sich die Chinesen zurückhalten.

Geschäftstüchtige Leute kann man nicht über den Tisch ziehen.

Gast: serenissimus
31.08.2012 12:46
0 0

so ist das auf dieser Welt,

der Autor muss das doch als Österreicher wissen.
Diese Rolle spielt man in diesem Land doch besonders gern.

Gast: Wirtschaftler
31.08.2012 11:51
1 1

Lieber Schreiberling !

Sie dürften noch nie in China gewesen sein, denn nur so kann man so einen Unsinn schreiben. Angefangen von militärischen Stärken(Stealth-Flugzeuge bereits vorhanden) bis zur Hochtechnologie(wo wir uns bereits einige scheiben abschneiden können) ist China schon teilweise viel weiter als wir in Europa, und das mit einer Affengeschwindigkeit.
Nur ein kleines Beispiel: In Shenzen, Chengdu oder Wuhan brauche ich im Hotel keinen Schlüssel oder eine Card mehr, das Zimmer, der Lift, die Bezahlung usw. sind nach Einchecken sofort auf meine!! Stimme programmiert. Selbst die Dusche im Bad wird sprachgesteuert. Zeigen Sie mir ein Hotel in Europa, wo das so bereits funktioniert. Nicht einmal im Ritz.....
Auch wenn in China noch nicht alles so gut geht, sie sind doch bereits an uns vorbeigezogen. Und das sollte man bei aller Selbstgefälligkeit einmal zur Kenntnis nehmen und sich selbst einmal mehr anstrengen, und nicht immer denken, die Chinesen sind ja alles arme Entwicklungsländerleute....

Re: Lieber Schreiberling !

sprachgesteuert....
Wer braucht das....

Gast: Altkater1
31.08.2012 09:54
0 0

Vorwürfe

Gibts da nicht immer wieder Vorwürfe gegenüber Stronachs Sager: "Wers Geld hat schaft an"?

Und jetzt so eine ähnliche Aktion von Seiten Chinas?

Umkehrschluß: Kann man jetzt Stronach als Kommunisten bezeichnen?

Gast: BKM
31.08.2012 09:36
2 0

Wer kann, der kann

China IST eine Supermacht. Auch wenn das gewissen Kreisen der sog. "westlichen" Welt in ihrer Hybris nicht paßt. Und - ich schließe mich einigen Vorpostern durchaus an - die Töne werden künftig noch ein wenig anders klingen. China hat, historisch gesehen, noch einige alte Rechnungen offen und ein langes Gedächtnis. Besonders für Gesichtsverlust.

Gast: schlÄchter
31.08.2012 08:22
0 0

sg herr redakteur greber!

durchaus mmn richtig argumentiert - nur ist es mmn eine retourkutsche der chinesen zur moralinsauren "menschenrechts"-depatte, die besonders die deutsche außenpolitik gegenüber china betreibt ujnd von china ls hochnäsig und einmischung in innere angelegenheiten wahrgenommen wird hier schwebt immer noch eine wut über die zeit der ungleichen veträge und des europ. imperialismus 8auch deutschland war ja da sehr maßgeblich beteiligt - tsingtau-pachtvertrag, "hunnenrede" wilhelms des II, boxeraufstand-militär. intervention usw.).
chinas selbstverständnis als reich der mitte - als einzig wahre zund allen anderen überlegene zivilisation spielt hier ebenso mit wie ein neues in dieser tradition stehendes selbstbewußtsein-fussend aucf dem gewaltigen wirtschaftlichen aufschwung. europa und auch die usa (die sich da aber geschickter anstellen) werden noch viel stärker dieses chines. selbstverständnis zu spüren bekommen.

mfg
s.

Gast: Sepptyo
31.08.2012 08:09
0 0

Großkönig?

"Chinas Premier rüffelte Deutschland ... im Ton einer Supermacht."
Klar. Wie denn sonst? China IST eine Supermacht, und zwar schon eine ganze Weile. Die USA führen sich bloß so auf, als wären sie noch eine. Aber nur die Europäer nehmen ihnen das ab. Sie haben eindeutig die Überfuhr versäumt und merken jetzt betreten, dass sie ins falsche Gesäß gekrochen sind. Und das schon vor einer ganzen Weile.
Sicher ist, dass aus China noch ganz andere Töne kommen werden, und zwar ziemlich bald...

Antworten Gast: Bruder Kain
31.08.2012 10:14
1 1

noch ganz andere Töne...

Wenn die Chinablase platzt, wird z.B. das Magenknurren von hunderten Millionen Chinesen wie Donnergrollen klingen.

Gast: H. Kohlegger
31.08.2012 07:59
5 0

Und ever...

"samt der größten deutschen Wirtschaftsdelegation EVER"

Ich und - hoffentlich - einige andere Leser wären der Redaktion einer Qualitätszeitung sehr dankbar, würden erwachsene Journalisten nicht Wörter wie "ever" in einem deutschen Satz verwenden. Die Damen und Herren wirken damit weder jugendlicher noch weltgewandter.

Mit besten Wünschen!

Antworten Gast: 4cv6
31.08.2012 09:10
2 0

Re: Und ever...

ich möchte mich diesem Anliegen anschschließen

Keine Ahnung

Keine Ahnung von Geschichte.

Wenn schon, dann rüffelt China Deutschland als den Vasallen eines anderen Lehensherrn.

Mehr Kommentare:

Top-News