Es wurde dunkel. Und als es wieder hell wurde, war das Licht kalt und ungemütlich, der Lampenschirm durch ein hässliches Teil auf Plastiksockel verunstaltet. Die Symbolkraft der Einführung von Energiesparlampen hätte kaum fataler sein können. Selten hat die EU-Kommission mit einer an sich vernünftigen Regelung so viel Ärger produziert. Der Grund lag in einer eindimensional technokratischen Herangehensweise.
Kluge Köpfe hatten in Brüssel errechnet, dass eine Umstellung von herkömmlichen Glühbirnen auf Sparlampen bis zu 80 Prozent Energieersparnis bei Licht bringen würde. Die Wirtschaftsvertreter freuten sich und so wurde ab 2008 alles rasch über die Bühne gebracht. Die Bevölkerung wurde zur Nutzung von weitaus teureren, unansehnlichen und in ihrer Leuchtkraft zweifelhaften Produkten gezwungen.
Der große Fehler war, dass die Umstellung verordnet wurde und nicht freiwillig erfolgte. Wären die neuen Lampen preislich attraktiv, ihr Aussehen und ihr Licht freundlich gewesen, hätten viele umweltbewusste Menschen diesen Schritt sowieso vollzogen. Aber statt das Produkt auszureifen, marktfähig und normal entsorgbar zu machen, wurde die Bevölkerung zu ihrem Glück gezwungen. Ein Glück war es aber nur für die Hersteller.
Die Folge: Jetzt versucht jeder, an so viele alte Glühbirnen wie möglich zu kommen. Trotz Produktionsverbots gibt es immer neue halb legale Wege, der Dunkelheit weiterhin durch warmes, freundliches Licht zu entkommen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)















