19.05.2013 19:00 Merkliste 0

Ärger nach der Dunkelheit

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Die Umstellung auf Sparlampen war ein dilettantischer Akt der EU-Kommission.

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Es wurde dunkel. Und als es wieder hell wurde, war das Licht kalt und ungemütlich, der Lampenschirm durch ein hässliches Teil auf Plastiksockel verunstaltet. Die Symbolkraft der Einführung von Energiesparlampen hätte kaum fataler sein können. Selten hat die EU-Kommission mit einer an sich vernünftigen Regelung so viel Ärger produziert. Der Grund lag in einer eindimensional technokratischen Herangehensweise.

Kluge Köpfe hatten in Brüssel errechnet, dass eine Umstellung von herkömmlichen Glühbirnen auf Sparlampen bis zu 80 Prozent Energieersparnis bei Licht bringen würde. Die Wirtschaftsvertreter freuten sich und so wurde ab 2008 alles rasch über die Bühne gebracht. Die Bevölkerung wurde zur Nutzung von weitaus teureren, unansehnlichen und in ihrer Leuchtkraft zweifelhaften Produkten gezwungen.

Der große Fehler war, dass die Umstellung verordnet wurde und nicht freiwillig erfolgte. Wären die neuen Lampen preislich attraktiv, ihr Aussehen und ihr Licht freundlich gewesen, hätten viele umweltbewusste Menschen diesen Schritt sowieso vollzogen. Aber statt das Produkt auszureifen, marktfähig und normal entsorgbar zu machen, wurde die Bevölkerung zu ihrem Glück gezwungen. Ein Glück war es aber nur für die Hersteller.

Die Folge: Jetzt versucht jeder, an so viele alte Glühbirnen wie möglich zu kommen. Trotz Produktionsverbots gibt es immer neue halb legale Wege, der Dunkelheit weiterhin durch warmes, freundliches Licht zu entkommen.

wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

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3 Kommentare
Gast: Gast: Leser
01.09.2012 11:40
3 1

Lüge

Dabei ist die Stromersparnis durch die neuen Lampen eine Lüge - oder zumindest nur die halbe Wahrheit: Sie verbrauchen tatsächlich viel weniger Strom als die alten Glühlampen - aber nur dann, wenn sie (ständig) brennen. Jedes Einschalten einer Energiesparlampe erfordert einen "Stromstoß", der etwa dem Energiekonsum von 3 Stunden Brenndauer entspricht. In Räumen also, wo oft ein- und ausgeschaltet wird, bringt die neue Lampe so gut wie nichts, dazu kommt, dass jedes Ein- und Ausschalten auch die Lebensdauer dieser Lampen entscheidend verringert, die bekanntlich auch in der Anschaffung ein Vielfaches der alten Glühbirnen kosten. Dazu noch die Umweltbelastung - insgesamt also ein totaler Unsinn.

Antworten Gast: asterix der gallier
01.09.2012 14:01
1 2

Re: Lüge

Nicht jede Energiesparlampe enthält Quecksilber und leidet unter oftmaligem Ein- und Ausschalten.
Es gibt auch Halogenglühlampen und LED-Lampen

Gast: Robin H.
01.09.2012 10:28
5 0

Freie Marktwirtschaft für Alle

Überdies hat die Industrie den verordneten Zwang-wie es sich in einer “freien“ Marktwirtschaft selbstverständlich gehört-gleich ausgenutzt, um zeitgleich mit Verboten alter Glühlampen die Preise für die neue Leuchtmittel gehörig hinaufzuschnalzen. Es lebe daher die freie Marktwirtschaft - aber bitte auch für Konsumenten.

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