Aus Mitt Romney wird kein mitreißender herzzerschmelzender Redner, kein Menschenfänger mehr. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber ist, was er ist: ein kühl kalkulierender Manager mit der Ausstrahlung eines chromierten Sprechautomaten. Doch so sehr sich Barack Obamas publizistische Bataillone darauf einschießen mögen: Stilfragen werden diese Wahl nicht entscheiden.
Die Unentschlossenen, die Schwankenden und Enttäuschten werden sich vor der Stimmabgabe kaum den Kopf darüber zerbrechen, wer die größeren Popstarqualitäten hat und intellektuelle Aura verströmt. Sie werden sich vielmehr fragen, ob es ihnen nach vier Jahren Obama besser geht als vorher und welchem Kandidaten sie noch am ehesten zutrauen, die amerikanische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.
Genau darauf zielt der Wahlkampf Mitt Romneys ab. Und genau deshalb hat der hölzerne Mormone gute Chancen, Barack Obama zu schlagen. Die Republikaner treffen den wunden Punkt des US-Präsidenten, wenn sie nun immer wieder an seine übertriebenen Heilsversprechen erinnern und auf seine bescheidene Bilanz hinweisen.
Es ist wahr: Obama musste ein höllisches politisches Erbe antreten. Doch er hat weder die US-Konjunktur kräftig genug angekurbelt noch die Staatsschulden noch die Arbeitslosigkeit in den Griff bekommen. Und daran werden ihn die Amerikaner letztlich messen, nicht an seinen schönen Reden.
christian.ultsch@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)















