KOMMENTAR
Das Jahr 2011 war das „Jahr der Bildung“. Zumindest hat das der rote Kanzler Werner Faymann damals zu Jahresbeginn genau so verkündet. Die gute Nachricht: Wer nichts davon bemerkt hat, trägt daran keine Schuld. Die schlechte: Die Regierung hat das „Jahr der Bildung“ nicht einfach nur schlecht kommuniziert. Es hat nicht stattgefunden.
Fast schon sah es so aus, als ließe sich dieses Resümee auch für das Jahr 2012 ziehen. Verwundert hätte es niemanden. Der beharrliche – manche sagen: sture – Tiroler Uni-Minister und eine überraschend vernünftige SPÖ lassen nun aber doch Hoffnung aufkeimen. Bei der Beschränkung des Uni-Zugangs zeichnet sich eine Einigung ab, bis Ende des Monats soll das Konzept stehen. Kein Monat zu früh, sondern viele zu spät.
Die heimischen Unis benötigen endlich längerfristig Klarheit über die Zahl der zu betreuenden Studenten. Beide Seiten profitieren davon. Die Studenten können sich dann vernünftige Studienbedingungen und bessere Betreuungsquoten erwarten. Wartezeiten, überfüllte Seminare und Budgetklagen müssen der Vergangenheit angehören. Für die Uni-Chefs ist die Zeit der Ausreden vorbei.
Die Koalition ist gefordert, zu ihrer Ankündigung zu stehen. Sie darf nicht der Gefahr erliegen, den sich abzeichnenden Kompromiss im Zuge der Wahlkampfrhetorik rund um die Volksbefragung zur Wehrpflicht aufs Spiel zu setzen.
Noch besteht die Chance, dass das Jahr 2012, wenn schon nicht zum „Jahr der Bildung“, dann zumindest zum „Jahr der Unis“ wird. Besser spät als nie.
christoph.schwarz@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2012)















