Immer dann, wenn Österreich im Fußball auf Deutschland trifft, wird es hierzulande zum „Spiel der Spiele“ aufgebauscht. Für die Mannschaft von Marcel Koller ist dieses heutige Duell aber kein Entscheidungsspiel, geschweige denn ein Schicksalsspiel. Es handelt sich um das erste Match in der Qualifikation für die Endrunde 2014 in Brasilien, selbst gegen Deutschland sind nur maximal drei Zähler zu vergeben.
Man kann davon ausgehen, dass Rot-Weiß-Rot das WM-Ticket auf dem direkten Weg, also als Gruppenerster, nicht lösen wird. Und man kann darüber hinaus auch davon ausgehen, dass Deutschland in Brasilien mit um den Weltmeistertitel spielen wird. Das Kräftemessen mit der Auswahl von Joachim Löw könnte sich also im Nachhinein als Bewerbsspiel gegen einen Gegner herausstellen, der gleichsam außer Konkurrenz mitgewirkt hat.
Die wahren „Spiele der Spiele“, die kommen auf Österreich erst zu. Wer gegen Kasachstan oder Färöer Punkte liegen lässt, hat in Gruppe C schon verloren. Wer gegen Schweden mit Superstar Zlatan Ibrahimović und Irland mit Startrainer Trapattoni zumindest seine Heimspiele gewinnt, der darf vielleicht auf das Play-off hoffen.
Die entscheidende Frage auf dem Weg nach Brasilien wird also nicht sein, wie tapfer sich die Österreicher gegen Deutschland gewehrt, sondern wie konstant sie sich gesteigert haben. Marcel Koller ist das Erreichen dieses Ziels zuzutrauen – ganz egal, was heute Abend im Prater alles passiert.
wolfgang.wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2012)















