Die Idee hat Charme. Privat versicherte Patienten der Sonderklasse sollen in Zukunft die leeren Kassen des Wiener Gesundheitsbudgets auffüllen. Das Vorhaben von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely ist bis zu einem gewissen Grad sogar überfällig. Denn wie kommt der durchschnittliche Beitragszahler eigentlich dazu, indirekt jene sündteuren Hightech-Geräte – etwa im AKH – zu bezahlen, mit denen Herr Primar seine Privatpatienten operiert, um diese anschließend zwecks lukrativer Zusatzversicherung in die eigene Klinik um die Ecke abzuziehen?
Allein: Der Kampf um Patienten der Sonderklasse verlässt bereits in der zweiten Runde ein erträgliches Niveau. Hieß es zunächst, dass man Privatpatienten vor allem mit komfortableren Zimmern locken wolle, schwingt ausgerechnet die formal unabhängig gestellte Patientenanwältin Sigrid Pilz die grobe Keule.
Ohne konkrete Statistiken oder gar Studien zu nennen, vermittelt die ehemalige grüne Gemeinderätin zwischen den Zeilen das Gefühl, Sonderklassepatienten würden in Privatkliniken leichtfertig ihr Leben aufs Spiel setzen. Anstatt das Match in Form eines fairen Wettbewerbs zu führen, versucht es Pilz nun mit Emotionen. Als Politikerin hat sie darin eine gewisse Erfahrung. Die Chuzpe an der Sache: Die Ärzte in den angeblich besseren öffentlichen Spitälern sind in der Regel dieselben wie in den privaten Häusern.
Was folgt als Nächstes? Ein Beipackzettel für die Nobelklinik? Zu Risken und Nebenwirkungen fragen Sie Politiker Ihres Vertrauens oder die Patientenanwältin.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2012)















