18.05.2013 20:45 Merkliste 0

Mehr Stadt, weniger Privat!

ANDREAS WETZ (Die Presse)

Im Kampf um die lukrativen Patienten der Sonderklasse greift Wien nun in die untere Schublade, anstatt sich dem Wettbewerb zu stellen.

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Die Idee hat Charme. Privat versicherte Patienten der Sonderklasse sollen in Zukunft die leeren Kassen des Wiener Gesundheitsbudgets auffüllen. Das Vorhaben von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely ist bis zu einem gewissen Grad sogar überfällig. Denn wie kommt der durchschnittliche Beitragszahler eigentlich dazu, indirekt jene sündteuren Hightech-Geräte – etwa im AKH – zu bezahlen, mit denen Herr Primar seine Privatpatienten operiert, um diese anschließend zwecks lukrativer Zusatzversicherung in die eigene Klinik um die Ecke abzuziehen?

Allein: Der Kampf um Patienten der Sonderklasse verlässt bereits in der zweiten Runde ein erträgliches Niveau. Hieß es zunächst, dass man Privatpatienten vor allem mit komfortableren Zimmern locken wolle, schwingt ausgerechnet die formal unabhängig gestellte Patientenanwältin Sigrid Pilz die grobe Keule.

Ohne konkrete Statistiken oder gar Studien zu nennen, vermittelt die ehemalige grüne Gemeinderätin zwischen den Zeilen das Gefühl, Sonderklassepatienten würden in Privatkliniken leichtfertig ihr Leben aufs Spiel setzen. Anstatt das Match in Form eines fairen Wettbewerbs zu führen, versucht es Pilz nun mit Emotionen. Als Politikerin hat sie darin eine gewisse Erfahrung. Die Chuzpe an der Sache: Die Ärzte in den angeblich besseren öffentlichen Spitälern sind in der Regel dieselben wie in den privaten Häusern.

Was folgt als Nächstes? Ein Beipackzettel für die Nobelklinik? Zu Risken und Nebenwirkungen fragen Sie Politiker Ihres Vertrauens oder die Patientenanwältin.

 

andreas.wetz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2012)

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4 Kommentare
Gast: Humerus
11.09.2012 08:24
3 0

Herr Wetz, leider keine Ahnung...

...oder ein kleiner Klassenkämpfer?

Sonderklassegelder gehen (grob gesagt) zur Hälfte ans Spital (eben für die Nutzung der Infrastruktur), zur Hälfte werden sie an die betreuenden Ärzte nach einem verhandelten Schlüssel aufgeteilt.

Sonderklasepatienten füllen schon jetzt die Spitalskassen und erhalten überproportional die Infrastruktur, die allen zu Gute kommt. Sie an die Spitäler zu binden ist sinnvoll, man muß halt ein wenig Infrastruktur schaffen (z.B. mehr Einzelzimmer).


Die Sonderklassepatienten zahlen ja

gleich dreifach.
Erstens ihre gesetzlich Versicherung dann die Zusatzversicherung und dann fliesst Geld der Zusatzversicherung noch quer zur Finanzierung der allgemeinen gesetzlichen Versicherung. :-)
Herzlichen Dank!

Danke, danke, danke, danke!

auf "die presse" können sich die privatspitäler noch verlassen! vergelt's gott!

Re: Danke, danke, danke, danke!

Der Karl Jakob Rotfuchs hat es wieder notwendig.....

Wandern`s doch aus nach Frankreich, dort sucht man ohnehin eifrigst nach solchen peinlichen Klassenkämpfern, um die "Reichen" endgültig zu verjagen !!

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