KOMMENTAR
Wenn Österreich schon nicht bei den großen Fußballturnieren mitspielen darf, dann bekommt es wenigstens immer wieder diese Duelle mit Deutschland geschenkt. Die Mannschaft liebt es, mit den Kollegen aus der deutschen Bundesliga die Klingen zu kreuzen, für die Fans ist es die große Chance, für einige Tage in die wunderschöne Scheinwelt des Fußballs abzutauchen. In der Regel war das Erwachen dann ein bitteres, auch diesmal musste Mitleid ausgesprochen werden. Nicht wegen der Höhe der Niederlage, sondern weil sich der dreimalige Weltmeister fast ein wenig genierte, aus Wien die drei Punkte entführt zu haben. Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw hat ein Spiel auf Augenhöhe erwartet, aber der ehemalige Tirol- und Austria-Betreuer sollte mit seiner Einschätzung falschliegen. Denn den kraftvoll und großteils dominierenden Österreichern fehlte nur ein wenig Glück.
Deutschland steht nach zwei Qualifikationsspielen mit sechs Punkten da, aber unser liebster Nachbar beklagt die Tatsache, dass der Glanz der vergangenen Jahre verloren gegangen sei. Die Österreicher indes sollten Kraft aus dieser Niederlage schöpfen, wer die Deutschen derart fordert, der kann auch gegen Schweden oder Irland bestehen. Garantieren soll das der Teamchef, mit Marcel Koller hat der ÖFB den richtigen Mann dazu geholt. Der Schweizer sprach am Tag nach der 1:2-Niederlage von der „Koller-Mentalität“, die er auch gegen Kasachstan und Färöer sehen will. Die österreichische Mentalität will er nie wieder erleben.
wolfgang.wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2012)















