19.05.2013 12:43 Merkliste 0

Rumänien zeigt EU-Grenzen auf

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Während die EU-Regierungen über mehr Kompetenzen streiten, zeigt ein Land auf, dass der nationale Sumpf noch immer stärker ist.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken, braucht es nur eines: einen Feind. Diese Weisheit haben sich die rumänischen Sozialdemokraten ebenso zunutze gemacht wie ihre konservativen Gegner. Es geht ihnen längst nicht mehr um ihr Land, sondern nur noch um ihren Machtkampf. Heute sind sie ein Beispiel für jenen nationalen Sumpf, der europaweit das eigentliche Problem für Demokratie und Wirtschaft ist. Unfähig, die Probleme im Land in den Griff zu bekommen, verstrickten sich Staatspräsident Basescu und Regierungschef Ponta in rechtswidrige Auseinandersetzungen.

Die EU sollte aus diesem Fall lernen. Zum einen, dass es sinnlos ist, ein Land aufzunehmen, dessen Rechtssystem weder unabhängig noch gefestigt ist. Zum anderen, dass der nationalstaatliche Sumpf nicht automatisch ausgetrocknet wird, wenn ein Land von Brüssel aus ständig begutachtet wird. Die Aufnahme von Rumänien war eine politische Entscheidung. Skeptiker von damals wurden damit beruhigt, dass der EU-Beitritt die Garantie für eine bessere Entwicklung des Staates sei. Er war es nicht. Die EU-Institutionen waren nicht stark genug, dem Filz entgegenzuwirken. Bis heute steht Rumänien unter Kuratel der Union, ohne dass sich substanziell etwas verbessert hätte.

Wir mögen uns über Länder wie Rumänien oder Griechenland ärgern und der EU für die versäumte Korrektur die Schuld zuschieben. Wahr ist freilich ebenso, dass wir (auch Länder wie Österreich) vieles darangesetzt haben, dass die EU-Institutionen gar nicht jene Kontrollkompetenzen erhalten, die sie brauchten, um derartigen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken.

 

wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

13 Kommentare
1 0

Rumänien ist halt


ein großes Land mit 20 Mio. Einwohnern und 240.000 Km².

Und das wissen die Rumänen selber auch und haben einen dementsprechenden Stolz und Nationalismus entwickelt.

dass der EU-Beitritt die Garantie für eine bessere Entwicklung des Staates sei. Er war es nicht.

"er war es nicht"
eine gewagte behauptung, wenn nicht mit einem einzigen wort auf die vermutliche entwicklung eines landes wie rumänien OHNE eu-beitritt eingegangen wird.

Antworten Gast: Goschnhalter
18.09.2012 14:47
0 0

Das ginge nur mit einer starken, demokratisch geführten EU

die den Mitgliedstaaten auch, wenn nötig, kräftig auf die Finger haut. Zurzeit ist es umgekehrt, die Mitgliedstaaten machen mit der EU, was sie wollen. Man stelle sich vor, Österreich hätte weder Nationalrat noch Bundesregierung und die Bundesländer würden das Land regieren .....

Gast: Mr.Paul
18.09.2012 08:37
2 0

Wirtschaftsamcht

Tatsache ist doch, dass die EU Rumänien aufgenommen hat um selbst zu profitieren und wer Rumänien kennt weiß auch das dies gelungen ist. EU musste reagieren weil die Wirtschaft sich ja verlagert hat in den Osten (zB. China). Und mit Rumänien wollten man bezwecken dass die Bürger dort als Billige Arbeitsrkäfte den Chinesen Konkurenz macht. Das ist die Tatsache! Wer hier erzählen möchte das Rumänien aus Solidären Gründen aufgenommen wurde der kann das einem KInd sagen.

Laesstermaeule!!!

Rumänien ist ein friedliches Land. Die EU wollte mit der Aufnahme Rumänien wirtschaftlich plündern. Anscheinedn geht es nicht. Jetzt machen sie die Maeule auf!

Antworten Gast: 5v6
18.09.2012 14:44
1 0

Und was soll man in Rumänien bitte plündern?


Re: Laesstermaeule!!!

Rumänien ist Nettoempfänger, und das war schon vor dem Beitritt klar.

Re: Re: Laesstermaeule!!!

nettoempfänger/zahler als oberste maxime?
dann würde ich ihnen raten, ihr kind des hauses zu verweisen. denn seine stellung bez. familienfinanzen erstrahlt in tiefstem rot!

Re: Re: Re: Laesstermaeule!!!

Warum? Ich habe auch kein Problem mit Rumaenien in der EU, im Gegenteil.

Aber dass Rumaenien in die EU aufgenommen wurde, weil man es auspluendern wollte, wie das Anfangsposting behauptet, ist einfach ein Unfug. Man hat von Anfang an gewusst, dass Rumaenien in erster Linie einmal kosten wird.

Re: Re: Re: Re: Laesstermaeule!!!

dann habe ich das wohl missverstanden.

nettoempfänger/zahler ist leider ein reizwort für mich.
es repräsentiert nämlich zum einen kurzfristsicht, wo doch auch aus beruflicher und privater erfahrung heraus klar sein sollte, dass nur eine langfristige betrachtung sinn macht.
zum anderen werden rückflüsse und dadurch ausgelöste entwicklungen kaum jemals berücksichtigt.

mein böses beispiel mit dem rausschmeissen des kindes soll auch den unsinn aufzeigen, die im verdammen des empfängers und im 'wer das geld hat, schafft an'-motto mancher zahler liegt: wer heute empfänger ist, kann in bälde auch zahler sein und umgekehrt.

Antworten Gast: EU193
17.09.2012 19:59
5 0

Re: Laesstermaeule!!!

Offenbar hast du keine Ahnung!

Wie könnte EU so ein armes Land plündern?

Jedes Kind weist, dass Rumänien ein Korruptionsnest ist, mit eingeschränkter Demokratie, und nicht funktionierenden Institutionen.

Re: Re: Laesstermaeule!!!

an Ihrer Stelle wäre ich vorsichtig mit solchen Aussagen!

1. War Rumänien immer schon ein reiches Land, wenn es um die Landwirtschaft ging. 2. Die Verlagerung vieler Produktionsstätten von West nach Ost - billige Arbeitskräfte und günstige Betriebsstätten
3. Rasanter Anstieg der Immobilienpreise durch westliche Investoren - Beispiel: Die Region um Bukarest war früher Agrarl- und Niemandsland - Kosten pro m2 ca. 50 Cent bis 1€ - nach dem Beitritt und dem Engagement von westlichen Investoren gingen die Preise plötzlich steil nach oben - bis ca. 100€ - billig einkaufen, teuer verkaufen - riesen Geschäft damals

Man sollte ein Land kennen und bereist haben, um mitreden zu können. Das mediale BLA BLA reicht nicht, um kompetent zu sein.


Antworten Antworten Antworten Gast: Grummelbart2
18.09.2012 16:26
0 0

Re: Re: Re: Laesstermaeule!!!

1) Inwieweit hat ein Mehr an Arbeitsplätzen und gesteigerte Grundstückspreise etwas mit einem "Ausplündern" zu tun?

2) Inwieweit man durch Landwirtschaft noch "reich" werden kann, lasse ich mal als Frage im Raum stehen - ein Großteil der Einkünfte in europäischen Betrieben stammt immerhin aus EU-Förderungen!

Mehr Kommentare:

Top-News