18.05.2013 21:43 Merkliste 0

Später Respekt vor Sexopfern

MANFRED SEEH (Die Presse)

Beatrix Karl will die Vergabe von Fußfesseln an Sextäter erschweren. Endlich.

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Angefangen hat alles mit einem Reflex, den man vom Justizministerium gewöhnt ist. Wenn irgendwo heikle Einzelfallentscheidungen getroffen werden, zieht man sich auf den Standpunkt totaler Unabhängigkeit zurück (wirklich angebracht wäre dies, wenn es um die Vergabe der Ressortleitung geht). So auch im Fall jenes Sexualstraftäters, der nach der fünffachen Vergewaltigung eines jungen Mädchens eine grotesk niedrige unbedingte Haftstrafe bekam, nämlich sechs Monate, und diese zu Hause, im elektronisch überwachten Arrest, hätte „absitzen“ dürfen.

Dem Flehen des Opfers, alles, nur nicht dieses Signal, an die Öffentlichkeit – Stichwort Generalprävention – auszusenden, hielt Ministerin Beatrix Karl (siehe oben) entgegen, dass es sich doch um eine Entscheidung unabhängiger Richter handle. Dies war nicht ganz richtig, da zuletzt eine Verwaltungsbehörde für die Fußfessel entschieden hatte. Später erhob Karl dann doch dagegen Einspruch und noch später, nämlich gestern, Dienstag, kam endlich die gute Nachricht, dass es eben für Sexualstraftäter künftig nicht ganz so leicht sein solle, sich das Gefängnis zu ersparen. Die Ministerin hat (zu) spät gehandelt. Aber doch.

 

manfred.seeh@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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2 Kommentare
Gast: Klausner M.
19.09.2012 07:37
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Respekt???

In diesem Land herrscht Anlassgesetzgebung, wenn die Medien nur lange genug trommeln. Das heisst, dass die Medien die Gesetze und Urteile bestimmen, egal ob von Richtern oder Verwaltungsbehörden. Wenn lange genug Druck ausgeübt wird, werden Entscheidungen revidiert oder Gesetzesnovellen erlassen. Egal ob im Einzelfall nachträglich richtig, ich empfinde diese Entwicklung Besorgnis erregend.

Antworten Gast: Gast: Leser
19.09.2012 18:26
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Re: Respekt???

Bin völlig Ihrer Meinung. Statt nach eingehender Beratung mit Experten und ausführlicher Diskussion im Parlament, werden bei uns Gesetze meist ad-hoc eingeführt bzw. geändert, wenn irgend ein Einzelfall große Empörung der Massen hervorruft - so quasi zur Beruhigung der Bevölkerung, was dann insgesamt zu einem völlig inkohärenten und unlogischen Gesetzeswerk führt.

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