21.05.2013 09:22 Merkliste 0

Zweierlei Maß im Wahlkampf

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Was bei Obama durchgeht, ist bei Romney gleich ein Skandal.

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Abseits jeglicher inhaltlicher Auseinandersetzung gelten für Barack Obama und Mitt Romney gemeinhin unterschiedliche Maßstäbe. Was die Stimmungsmacher im internationalen Aufmerksamkeitszirkus beim US-Präsidenten als Lappalie übergehen, spielen sie beim republikanischen Herausforderer zur Panne oder zum Skandal hoch.

Als Obama 2008, so ganz nebenbei auch bei einer Wahlkampfspendengala, kleinstädtische Wähler aus Pennsylvania als verbitterte Menschen, die sich an Waffen, Religion oder Ressentiments klammerten, bezeichnete, regte sich zumindest außerhalb der USA niemand über diese abfällige Bemerkung auf. Denn sie bestätigte ja das eigene Klischee.

Bei Romney ist alles anders: Wenn er bei einer geschlossenen Veranstaltung sagt, dass 47 Prozent der Amerikaner immer für Obama stimmen werden, weil sie vom Staat abhängig sind, wird das mit höchster Empörungsbereitschaft zu einer herzlosen Verächtlichmachung halb Amerikas stilisiert.

Dabei gab Romney nicht nur seine Wahlkampfstrategie preis, die bewusst die sich auflösende Mitte der polarisierten US-Gesellschaft ignoriert, sondern schnitt ein für die USA wesentliches Thema an: Deren jetziges Sozialsystem ist, vor allem wegen der hohen Gesundheitskosten, auf Dauer nicht finanzierbar. Seit 1960 sind die Sozialtransfers, selbst wenn man die Inflation und das Bevölkerungswachstum herausrechnet, um mehr als 700 Prozent angewachsen.

Am höchsten war der Anstieg übrigens unter republikanischen Präsidenten. Aber darüber schweigt wiederum Romney lieber.

 

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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24 Kommentare

Mich nerven genauso diese Alt-Obama-Fans,

kommen mir vor wie die abgehalfterten 68er Schnöseln.

Gast: Vogel Strauss
19.09.2012 20:40
2 0

ORF = Wahlkampfhelfer von Obama

Was sonst?? Im übrigen geht mir diese andauernde US-Wahlkampf-Berichterstattung auf den Wecker - wir sind ja kein Bundesstaat von denen. ORF u. Konsorten sollten lieber über die Sümpfe im eigenen Land berichten ...

Gast: b745
19.09.2012 16:19
2 7

peinlich für die konservativen

der hat ja nur ausgesprochen was auch die övpler über das volk denken

Re: peinlich für die konservativen

ihnen fällt ausser unsinn auch nichts ein

Gast: Suum cuique
19.09.2012 11:00
3 2

Romney's foot-in-the-mouth strategy

Dass Obama gemessen an den hochgesteckten Erwartungen entzaubert dasteht, wissen die meisten ohnehin. Aber dass Ultsch Romney in den letzten Wochen in diversen Leitartikeln als wählbare Alternative preist, ist zumindest kühn. Romney ist ein Tollpatsch, der NUR seine Klientel bedienen wird. Und seinen Kumpel Netanjahu. - Über Obamas Sager in 2008 ("they cling to guns and religion") wurde übrigens hierzulande auch prominent berichtet. Genauso wie jetzt über Romneys "47%" Panne. -- Aber ich verstehe Ultsch: Ihm geht es wie Schellhorn & Co rein um Wirtschaftsfragen und den Rückbau des Sozialstaates, der in den USA ohnehin ganz schwach ausgeprägt ist.

Gast: Walter Gerhold
19.09.2012 10:57
2 6

Romney

Das Problem ist, dass Romneys Behauptung 47%
Der Bevölkerung seien Parasiten eine dreiste Lüge ist. Alle zahlten während ihres ganzen Lebens
Beiträge für Social Security und Medicare, ebenso wie auch Österreich Sozialbeiträge abgezogen werden. Die Republikaner wollen Medicare ,die eine medizinische Versorgung aller Amerikaner über 65 Jahre garantiert, abschaffen.

Re: Romney

das ist einfach falsch...noch ist medicare privat!!!
47% zahlen keine lohnsteuer..sozialabgaben in den usa gibt es nicht.
steuer zahlen sie trotzdem..bei jedem einkauf im supermarkt...bei der miete...für das auto..für das benzin..etc

Antworten Antworten Gast: Niederösterreich
20.09.2012 01:06
0 1

Re: Re: Romney

Warum soll nicht auch der Staat einen Beitrag dafür verlangen, daß er die Infrastruktur für Produktion und Dienstleistung zur Verfügung stellt?

Auch der Staat stellt also Leistungen zur Verfügung, für die er Anspruch auf ein Entgelt hat!

Und man kann als Einzelner auch die Verbrauchssteuern dadurch steuern, daß man sich eben keine Luxusartikel leistet...

Übrigens: warum soll jemand ehrlich erworbenes Einkommen und Vermögen - wie etwa in Frankreich - mit 75 % versteuern? Damit es opportunistische Politiker für Wahlzuckers verjuxen?

Das wäre Staatswucher oder gar Diebstahl durch den Staat!

Wenn man schon der Meinung ist, daß manchen nicht so viel verdienen dürfen, dann sollte man das Entgelt für manche Gegenleistungen begrenzen .... Da liegt die Wurzel des Übels namens "Heuschrecke"! Und nicht seriösen Geschäftsmann und Spekulant in den gleichen Topf werden....

Re: Re: Re: Romney

die diebe heissen sozialisten

Wurde eh Zeit, dass in der Presse...

...wieder mal eine rechtskonservative Lanze gebrochen wird. Schließlich wollen die Hofratsomas beim Lesen auch ab und zu mal nicken.

0 0

im vergleich zu europa

700% von sehr wenig ist immer noch relative wenig ....

Gast: Markus Renner
19.09.2012 09:20
1 1

Vergleich der Aussagen

Wer beide Aussagen genau liest, versteht warum Romneys Aussage skandalöser ist. Hier eine Analyse, dass Sie es auch verstehen, Herr Ultsch:
http://www.slate.com/articles/news_and_politics/frame_game/2012/09/romney_s_47_percent_vs_obama_s_cling_to_guns_or_religion_which_gaffe_is_worse_.single.html

Gast: Beobachter11
19.09.2012 09:07
5 2

....diePresse...

...ist heute an Peinlichkeit nicht zu überbieten, vielleicht scheiterts auch an der Übersetzung. Die Aufregung, und NICHT nur in Europa, sondern VOR ALLEM in ganz Amerika, gibt es nicht deswegen, weil Romney dieses "Problem" "angesprochen" hat.

Ob es nicht zu viele Sozialtransfers gibt, darüber kann man reden, es ist ja auch Kernthema im Wahlkampf, und Romney konnte sogar damit punkten.

Aber durch das Video wurde offensichtlich, dass Romney denkt, dass diese Menschen zurecht in Armut leben, weil sie ohnehin faul und damit selbst schuld sind, und er gar nicht vor hat sich mit diesen Menschen zu beschäftigen, ja ihnen gar zu helfen aus dieser Abhängigkeit rauszukommen, um wieder mehr für den Staat (die Gemeinschaft) zahlen und leisten zu können. Es interessiert ihn nicht was mit der Hälfte seines zukünftigen Volkes passiert!! Er will gar nicht ihr Präsident sein, er will nur der Präsident der oberen 10% sein, SEINE Leute, eine größere Demaskierung gab es noch nie, das wissen auch alle Republikaner.

Und dass noch dazu wo er sicht selbst weigert seine Steuererklärungen offenzulegen, man kann sich denken warum.

Nur diePresse versucht krampfhaft daraus eine Disukssion über Budgetdiziplin und konservative Werte abzuleiten, einfach peinlich.


Die Presse:

FAZ im Mickey Maus Format.

Gast: Niederösterreicher
19.09.2012 00:31
5 3

Auch beim "Denunzieren" scheint der Hegemon

das große Vorbild geworden zu sein. Wie man beim im ORF gezeigten "Filmchen" zu ersehen ist, wurde Romney aus einer der hinteren Zuschauerreihen offenbar durch ein Loch in einer Art Schachtel, also echt hinterhältig gefilmt!

In Hitlerdeutschland, aber auch in der DDR war bei politischen Äußerungen immer große Vorsicht angezeigt. Dies führte dazu, daß man jedesmal hinter sich blickte, ob vielleicht ein Denunziant mithörte, wenn man irgend einer politische Äußerung machte (wenn man nicht im KZ od. als Staatsfeind im Zuchthaus landen wollte)!

Diese Vorgänge scheinen in unserer vielgepriesenen westlichen Demokratie wieder in Mode zu kommen!

Re: Auch beim "Denunzieren" scheint der Hegemon

in welches KZ/Gulag muss Romney denn jetzt, verraten Sie uns das? ist es gar Guantanamo?

Antworten Antworten Gast: Niederösterreicher
20.09.2012 22:23
0 0

Re: Re: Auch beim "Denunzieren" scheint der Hegemon

Gerne will ich Ihnen die Frage beantworten:

Es muß nicht gleich Guantanamo sein! Es genügt, wenn man in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft sich bei jeder Äußerung erst vergewissern muß, ob man nicht hinterhältig abgehört wird!

Seit 1960 sind die Sozialtransfers, selbst wenn man die Inflation und das Bevölkerungswachstum herausrechnet, um mehr als 700 Prozent angewachsen

die bösen gesundheitskosten!
da lob ich mir die militärkosten. diese sind allein von 1999 bis 2008 um 66% auf 600 milliarden angewachsen.
vielleicht hat ultsch bessere quellen als ich und kennt die militärausgaben von 1960. für ein übertreffen der 700% und einen neuen rekord wäre ein betrag kleiner als 85 milliarden notwendig.
(das könnte sich knapp ausgehen, denn der koreakrieg kostete 320 mrd (pro jahr also 110 mrd) und der vietnamkrieg 690 mrd (pro jahr 99 mrd).)

aber egal, was sollen die prozentzahlen? militärausgaben sind ja allemal wichtiger als gesundheitskosten!

dieser kommentar besteht nicht nur aus ultsch-gedanken


vielmehr ist er "inspiriert" durch william kristol , kolumnist und herausgeber des rechtskonservativen weekly standard, der die aussage romneys mit der von obama vor vier jahren vergleicht. nur ist sogar der ultra-konservative kristol nicht bereit, das übliche spiel der rechten zu spielen, und den bösen, bösen medien vorzuwerfen, sie seien so gemein zum armen romney. nein, sogar kristol findet romney "arrogant and stupid". "die presse" ist also noch rechter als die rechten in den usa. http://www.weeklystandard.com/blogs/note-romney-s-arrogant-and-stupid-remarks_652548.html

13 3

Der ORF momentan: Schadenfreude und Häme

+ Freude im Pannenerkennen und Skandalebenennen. Ein Bemühen um Sachlichkeit und Unaufgeregtheit wird immer seltener (es ist natürlich nicht möglich, wertfrei zu berichten, aber ein Bemühen darum wird immer öfter über Bord geworfen.) Nicht, daß nicht Romney, die Republikaner oder die ÖVP z.T. Haarsträubendes von sich geben. Aber man liest auf der ORF-Website: "Romney hat heute de Wahl verloren", "Ministerin Karl: Reform auf Zuruf", "Kehrtwende bei Berlakovic" - hier wird die Betonung sehr auf die vermeintliche Unfähigkeit der Person, weniger auf den Inhalt der Romney-Rede, der Gründe für Karls Initiative, der Argumentation Berlakovic´s gelegt. Es geht um ein Lächerlich-Machen. Ab und zu kriegt Kanzler Faymann auch ein wenig sein Fett ab. Vermutlich aber nur, weil er den Gralshütern des Sozialismus allzu seicht ist.

Den Präsidenten wählen die Amerikaner, keine europäischen Journalisten. Punkt.


Antworten Gast: bidd
18.09.2012 22:12
1 8

Re: Den Präsidenten wählen die Amerikaner, keine europäischen Journalisten. Punkt.

Bleib in dei Dorf im mittleren Westen.

Re: Den Präsidenten wählen die Amerikaner, keine europäischen Journalisten. Punkt.

Und schon gar nicht der ORF - der Beitrag aus den USA vom Herrn H.S. war an Einseitigkeit nicht zu überbieten. Mag schon sein, daß ihm Obama lieber ist; er sollte es aber für sich behalten.

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