19.05.2013 02:09 Merkliste 0

Heuchlerisch ist die EU schon gewesen

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Die Türkei hat kein Recht auf einen EU-Beitritt. Aber sie hat ein Recht, fair behandelt zu werden.

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Zafer Caglayan, der türkische Wirtschaftsminister, redete sich bei seinem Wien-Besuch den Frust von der Seele. Und er hatte recht, als er sagte, die EU-Regierungen seien „heuchlerisch“ mit Ankara umgegangen. Einem Land 50 Jahre lang die Aufnahme in Aussicht zu stellen, an Bedingungen zu knüpfen, sich dann aber gemeinsam hinter einen zu lösenden Zypernkonflikt zu verstecken, um den EU-Beitritt so lange wie möglich hinauszuzögern, das ist wahrlich unaufrichtig.

Die Türkei hat zwar kein Recht darauf, EU-Mitglied zu werden. Hier irrt der türkische Minister. Sie hat aber ein Recht, fair behandelt zu werden. Deshalb muss ehrlich darauf hingewiesen werden, dass es zum einen starke xenophobe Vorbehalte in der europäischen Bevölkerung gibt, die den Beitritt des Landes erschweren. Zum anderen gibt es aber auch politische Vorbehalte, für die keine Stimmung in der EU, sondern die aktuelle islamfreundliche Regierung unter Ministerpräsident Erdoğan verantwortlich ist. Ihr Weg der langsamen Aushöhlung des Säkularismus vergrößert die Distanz zu Europa und dessen Wertesystem.

 

E-Mails an: wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2012)

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10 Kommentare

Spaetestens in einem Jahr werden alle östrr. Politiker die Türkei loben!

Swoboda hat schon angefangen die Türkei zu loben. Der türk. Minister hat in einem Punkt Recht. Die EU kann ohne die Türkei keine Grossmachtansprüche geltend machen. Moment hat Europa im Nahen Osten gar nichts sagen. So lange Europa kein Auto erfindet, das mit Wasser arbeitet, muss sich an die Araber anlehnen. Und das geht nur mit der Türkei.
Wenn Europa den Aufkauf durch die Chinesen verhindern möchte, muss auch mit der Türkei gehen. Österreich ist eins von den Laendern, das sich gar nicht waehren kann.

Gast: Unbeteigter
23.09.2012 13:00
0 0

Der einzige Vorteil eines Beitrittes der Türkei

waere dass die Eu dann noch frueher untergeht!

Tod der Eu!

Xenophobe Vorbehalte in der europäischen Bevölkerungß

Herr Böhm, Sie sollten hier in der Presse nicht auf der gleichen Orgel spielen wie viele linke und links-linke Medien und Politiker.
Es geht hier nicht um Xenophobie, sondern um Erfahrungen mit der Türkei.
Erster Bedenkpunkt ist der Bevölkerungsreichtum und damit das enorme politische Gewicht der Türkei in der EU.
Zweitens sind auch manche anmassende und präpotente Absonderungen türkischer Politiker von Erdogan abwärts, nicht vertrauenserweckend.
Drittens braucht ein europäischer Städter nur die Augen aufmachen, um zu sehen, was in Zukunft noch viel schlimmer werden könnte. Wer will in Wien ein Neukölln, auch wenn die Probleme nicht nur Türken, sondern Kurden, Libanesen, etc. verursachen.
In einem haben Sie recht: Die Türkei hat kein Recht darauf EU-Mitglied zu werden. Sie hat m.E. in der EU nichts zu suchen.


Gast: schlÄchter
20.09.2012 08:09
1 0

sg herr böhm!

bezüglich ihrer kritik am heuchlerischen verhalten der EU-vertreter ganz bei ihnen!
aus kurzischtigen motiven heraus - strategischen und vor allem wirtschaftliochen überlegungen hinsichtlich dem derzeitigen boomland türkei - wurden hoffnungen erweckt und gleichzeitig gehofft dass das kulturell völlig anderst geprägte riesenland den beitritt eh nicht schafft. in völliger verkennung der türkischen mentalität eine provokante und beleidigende überhebliche vorgehensweise - die jetzigen türkischen reaktionen dürfen daher nicht verwundern.

zum glück sind die türkische und die "xenophobe" europäische bevölkerung klüger - beide merken, dass ein vollbeitritt zu einem gefährlichen identitätsverlust führen würden, die ungemeine sprengsätze in sich birgen.

ihre einseitige - leider immer weider ins spiel gebrachte -"xenophobie" keule muss ich aber entschieden widersprechen:
gerade die türkische diaspora und auch die türkische politik hinsichtlich ihrer bürger im ausland ist nicht minder "xenophob" (assimilierungsvorwurf, vereinnahmung aller türken, auch wenn sie mittlerweilen eine andere staatsbürgerswchaft haben, das bewusste unterstützen von parallelgesellschaften und nuntergraben von integrationsbemühungen der neuen heimatstaaten, islamophobioe-vorwürfe usw.).

ehrlichkeit muss in den beziehungen türkei-EU nunmehr einziehen-dazu gehört auch die rote karte für solche einmischungen der türkei in innere angelegenheiten von anderen staaten.

mfg
s.

Herr Böhm:

Woher kommen denn Ihrer Meinung nach die "xenophoben Vorbehalte"?

Wenn es tatsächlich um Xenophobie ginge, warum sollte dann Kroatien beitreten, die Türkei jedoch nicht?

Jeder Kommentar, der die wahren Gründe für den massiven Widerstand der europäischen Völker gegen einen Beitritt der Türkei ausblendet oder verklärt, geht am Thema vorbei und ist damit unnötig.

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Kasperle: die Türkei hat 50 Jahre Zeit gehabt,

sich der Vorstellungen der EU anzupassen, und es war ihr nie ein Bedürftnis, es wirklich zu tun.

Und jetzt das der EU vorzuwerfen, erhöht die Glaubwürdigkeit der Türkei, wirklich etwas dazu zu tun, nicht.

Warum sollte die EU?

Gast: AlterKämpfer
19.09.2012 20:57
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So einfach ist das!

Nein

Heuchlerisch ist die EU schon gewesen

Europa meint wie gehabt ,mit Spiegeln und Glasperlen Geschäfte und Poltik zu machen.

Wenn man sich die Vertraege zweischen der Türkei und EU anschaut,

geht daraus hervor, dass die Türkei eine Anrecht auf die EU-Mitgliedschaft hat. Für die Österreicher zaehlen ja die Vertraege nichts!
Vorallen Dingen müssen solche Worte ausgerechnet aus einem Land kommen, wo 1/3 der Waehler Rechtsexreme Parteien waehlen!
Populismus wird gern nicht nur von Strache sondern auch von Journalisten betrieben!

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Re: Wenn man sich die Vertraege zweischen der Türkei und EU anschaut,

und sie glauben das,, was sie schreiben?

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