24.05.2013 03:11 Merkliste 0

Kein Interesse an penibler Kontrolle

KARL ETTINGER (Die Presse)

Selbstbewusste Volksvertreter? Das Ringen um die Fortsetzung des U-Ausschusses zeugt vom Gegenteil.

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Klammern wir einmal die Frage einer Ladung von Bundeskanzler Faymann in den parlamentarischen Korruptions-U-Ausschuss ganz aus, an der in den vergangenen Tagen gleichsam das Wohl und Wehe der Republik zu hängen schien. Es ist kein Ruhmesblatt, was speziell die Parlamentarier in den beiden Regierungsparteien ausgerechnet rund um die erste Sitzung des Nationalrats im Herbst geboten haben.

Das fängt schon damit an, dass die Tagesordnung wegen fehlender Gesetzesvorlagen dürftig war. Wie gut, dass die ÖVP zuletzt rasch einen Staatssekretär ausgetauscht hat, sodass die Regierungsspitze eine Erklärung abgeben konnte. Zuvor münzte die SPÖ eine Aktuelle Stunde zur Werbeveranstaltung von Verteidigungsminister Darabos für ein Berufsheer um.

Sonst verfestigte sich lediglich der Eindruck, die rot-schwarzen Mandatare wollen sich mit dem U-Ausschuss möglichst wenig Arbeit aufhalsen. Penible Kontrolle der Regierung? Wo kämen wir denn da hin? Selbstbewusste Volksvertreter sehen jedenfalls anders aus.

 

E-Mails an: karl.ettinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2012)

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6 Kommentare

in der zib 24

hat es fiedler wieder einmal, aber wie immer als einsamer rufer in die wüste der politischen geistlosigkeit, auf den punkt gebracht.
um in der sprache der zeitungen zu bleiben:
die republik benötigt einen "demokratischen relaunch".
vorschläge und ideen (österreich konvent) sind längst vorhanden.
passiert ist nichts.
bis einmal was passiert. und das wird womöglich nur den falschen schmecken.

Gast: Vorwärts und nicht vergessen....
19.09.2012 21:38
3 1

Schön an der Entwicklung ist...

dass sich jetzt auch schon SP- und VP-Anhänger zu schämen anfangen, wenn sie öffentlich zugeben sollen, wem sie ihre Stimme nachwerfen.

Die Scham ist hoffentlich auch ein Weg zum Nachdenken.

Re: Schön an der Entwicklung ist...

Für mich als Sozialdemokraten: Ich sehe keinen Grund mich zu schämen, sondern bekenne einfach diese Partei nicht mehr zu wählen. Ebenso hoffe ich, dass es auch viele andere Sozialdemokraten tun werden. Das schulde ich der Republik als Patriot und Demokrat. Nur so nebenbei: Ich finde in Österreich keine Sozialdemokratische Partei! Was hier existiert, ist nur eine politische Gruppierung mit Etikettenschwindel. Scham ist dumm, wichtig ist eine bewusste politische Entscheidung. Auch das restliche Gesocks aus ÖVP, FPÖ und BZÖ ist unwählbar. Ich selbt werde grün wählen. Piraten und Stronach, zumindest nützlich um die Regierungsparteien zu schwächen und eine Alternative zur FPÖ zu bilden. Wir bräuchten eine echte neue "Bürgerpartei". Einen Pool für jene, die eine eigene Meinung haben, nicht beim Wort "Experimente" schon die Hose voll haben, das eigene Hirn bemühen und keine Scheu haben, das derzeitige politische System in einem großen Transformationsprozess zu stürzen.

Gast: richard28
19.09.2012 20:03
3 0

Mehr Interesse an intelligenter Kontrolle!


Ich erinnere mich an eine Nummer Ihrer Zeitung, in der ein Inserat des Innenministeriums geschaltet war. Die Innenministerin wurde im Bild gezeigt und sie erinnerte daran, dass man auch an Pässe für Kinder denken soll.

In der gleichen Nummer Ihrer Zeitung wurde aber Kritik an Inseraten der Bundesbahn geübt, weil diese das Bild des ehemaligen Verkehrsministers zeigten, der auf die Vorteile des Bahnreisens hinwies.

Ich würde mir mehr Interesse an intelligenter Kontrolle wünschen, die nach den schweren Fällen fahndet. Diese sind freilich nur mit Mühe aufzudecken und werden nicht in Zeitungen zur Schau gestellt...

Gast: Gast: Leser
19.09.2012 18:47
5 1

Volksvertreter

Die sogenannten "Volksvertreter" hängen natürlich am Tropf ihrer jeweiligen Partei und sind Befehlsempfänger ihrer Parteivorsitzenden; letztere (zumindest jene der Regierungsparteien) sind natürlich Regierungsmitglieder (konkret: Bundeskanzler und Vizekanzler), also beißt sich hier der Hund in den eigenen Schwanz. Da hilft den Parlamentariern keinerlei "Selbstbewusstsein", wenn sie aufmucken, werden sie möglicherweise wegen "parteischädigenden Verhaltens" aus der Partei ausgeschlossen, und viele sind dann Sozialfälle (wenn sie keinen anderen Beruf erlernt haben).

leider haben sie recht ...

... und sind die angeblichen volksvertreter von den gottsöbersten abhängig anstatt umgekehrt. wenn man dann noch bedenkt, dass der grossteil der abgeordneten einen blankorevers unterschrieben hat, dass sie der verfassung widersprechend immer klubkonform abstimmen werden und im gegenteiligen fall ihr mandat zur verfügung stellen, dann weiss man, was man von unseren parlamentariern zu halten hat.

die ganz wenigen aufrechten mögen mir bitte verzeihen, dass sie in diesen topf geworfen werden.

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