Kardinal Christoph Schönborn gilt als sehr vorsichtiger Mann. Ebenso vorsichtig ausgedrückt. Gut möglich, dass seit Mittwoch Abend dieses Bild korrigiert werden muss. Denn was da Schönborn in einem extrem kurzfristig angesetzten Medientermin seiner Diözese vorgelegt hat, verdient den Namen Radikalreform. Nein, natürlich weiht er keine verheirateten Männer zu Priestern, oder gar Frauen. Aber es sollen ab Jänner – der Not sinkender Priesterzahlen gehorchend – großflächig Pfarren zusammengelegt werden. Und: Die Leitung künftiger Teilgemeinden wird in die Hände von Laien gelegt. Das Risiko, dass darunter keine Frauen sind, ist nicht existent. Sie werden häufig die Mehrheit stellen.
Damit nimmt der Kardinal als Erster in Österreichs Episkopat die neuen (neuen?) Rahmenbedingungen ernst und richtet seine Diözese daraufhin aus. Dass die Vorgaben von oben herab passieren, überfallsartig, ohne Vorbereitung der Pfarren, wird in Kauf zu nehmen sein. Und an eine Kirchenvolks-Befragung hat ohnedies sicher niemand gedacht. Auch wenn es gerade mit dem Blick auf Rom möglicherweise anders scheint: Mutlosigkeit war nie konstituierendes Merkmal eines Christen.
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(Die Presse am Donnerstag, 20.09.2012)















