23.05.2013 05:48 Merkliste 0

Verschulden wir uns doch für das Gute!

FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Ein Umbau des Pensionssystems käme zwar teuer. Sich dafür zu verschulden, wäre aber keine Schande. Im Gegenteil.

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Sie machen sich Sorgen um Ihre Pension? Müssen Sie nicht. Ist nämlich alles in bester Ordnung. Man muss nur die richtigen Leute fragen. Erst vergangenen Freitag schmückten die wahren Pensionsexperten dieses Landes das staatliche Rentensystem mit dem Qualitätssiegel „Weltklasse“. Die Vertreter von Arbeiterkammer, ÖGB und Rentnerverbände stellten wieder einmal klar, dass die staatlichen Pensionen so sicher sind wie die US-Goldbestände in Fort Knox.

Das glauben Sie nicht? Gut so. Das staatliche Rentensystem ist nämlich so gut wie Pleite. Das liegt vor allem einmal daran, dass der Staat seine Bürger mit allerlei Anreizen so früh wie möglich in die Rente lockt. Ein Drittel der ausgezahlten Pensionen sind bereits nicht mehr durch Beiträge der Aktiven gedeckt, weshalb der Bund den staatlichen Pensionskassen jährlich 14 Milliarden Euro zuschießen muss. Tendenz stark steigend.

Nun könnte es Österreich seinem langjährigen Vorbild Schweden gleichtun und sein staatliches Pensionssystem radikal umbauen. Wer früher in Pension geht, bekommt weniger Rente. Wer länger arbeitet und einzahlt, mehr. Eigentlich ganz einfach. Wenn auch ziemlich teuer, weil das alte System ja nicht von heute auf morgen zu kippen ist. Sich für eine nachhaltige Sanierung des Pensionssystems zu verschulden wäre freilich keine Schande. Sondern eine wirklich gute Investition in die Zukunft. Auch wenn das die „wahren“ Pensionsexperten bestimmt anders sehen werden.

 

E-Mails an: franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2012)

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20 Kommentare
Gast: Anmerkung
25.09.2012 23:03
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Die SPÖ hat für ihre Rentenpolitik …

… offensichtlich ein Vorbild aus ihrer jüngeren Geschichte herangezogen. Derzeit sind wir in jener Phase, in der sich dieses Vorbild befand, als der große Vranz der aufsteigende Stern am roten Firmament war. Das Vorbild schaffte es dann nicht mehr ganz bis zum Ende jenes Zeitraums, über den die großkoalitionäre Kanzlerschaft des gemächlich alternden Sterns anhielt. Der Konsum Österreich war nämlich schon 1995 pleite.

Der jüngst zu größerer Bekanntheit gekommene Herr Pendl hat einmal mehr vorgezeigt, wie man es in der SPÖ mit der Angleichung von gesetzlichem und tatsächlichem Pensionierungsalter offenbar auch weiterhin zu halten beabsichtigt: Als einer vom Jahrgang 1951 ist er „unter Stilllegung des Ruhegenusses“ mit 1. 12. 2011 „in den Ruhestand versetzt“ worden.

Ist ja eine feine Sache, dass Herr Pendl auf die „Stilllegung des Ruhegenusses“ verweisen kann. Aber trotzdem ist er mit seinen 60 Jahren doch noch ein größeres Stück vom gesetzlichen Verrentungsalter entfernt. Oder gehört es in der SPÖ gar zum guten Ton, in Sozialangelegenheiten dem Gesetz eine lange Nase zu drehen?

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guter Artikel

und eine gute Idee es anderen wie zum Beispiel den Schweden nachzumachen.

Aber doch nicht mit unseren Politikern, Kammern, Gewerkschaftern, Sozialpartnern und wie die anderen Verhinderer sonst noch organisiert sind.

Wir haben zu viele selbsternannte Experten, die aber keine Ahnung haben, was sie tun sollten.
Also geschieht eben nichts.


Gast: VictoriaI
25.09.2012 15:36
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Erster Schritt

Der erste Schritt wäre die sofortige Begrenzung der Höchstpensionen auf die ASVG-Höchstbemessungsgrundlage - und zwar für alle, egal in welchem Pensionssystem. Dann können alle anderen Schritte folgen.

Gast: rentenklau geht um
25.09.2012 12:34
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pensionssystem

..da sitzen nun wieder einige Experten ( als lob.von versicherungen bezahlt ) und wollen das ende des pensionssystem herbeireden. einige der herren haben aber eine pension, bei der man meinen möchte, dadurch krankt das system, die nehmen die diversen pensionsversicherungen aus.
aber auf die nachfolgegeneration wird hin gehaut, nachdem sie ihre pfründe im trockenen haben.
45 jahre sind genug, diese herrschaften mögen uns bitte in ruhe lassen, jedoch, falls ihre pension nicht leistbar ist, dann die hälfte zurück. asvg pension und schon würden sie blöd aus der wäsche schauen.

Re: pensionssystem

Wenn ich 45 Jahre gearbeitet habe (in 31 Jahren) bin ich 63 Jahre alt und habe eine Lebenserwartung von schätzungsweise 90 Jahren. Ich hoffe dann nur, dass es genügend Steuerzahler gibt, die mir dann auch meine 27 Jahre Pension ermöglichen.... aber bei der heutigen Familien-, Kinder-, Bildungs-, ...... politik ist wohl nicht von einem erhöhten Bevölkerungszuwachs in der nächsten Zeit zu rechnen. Leider.

Bevor es zu spät ist...

Guter präziser Artikel/Kommentar (vielleicht nicht ganz ausdifferenziert, liegt auch an d.Problematik).

M.M.n...Die ökonomische Ausrichtung der Gesellschaft, der Wirtschaft, des Lebens ist immanent (u.wichtig), jeder soll sich um Beruf, Arbeit, Lebensunterhalt und Pension in Eigenverantwortung kümmern u.nicht alles auf die Gemeinschaft abwälzen (nur in Notfällen).

Eines ist Gewiss : dass unser Wohlfahrts-u.Pensionssystem bald vor großen notwendigen Umbrüchen steht, es also keinen Sinn macht, die tlws. problematischen Erfahrungen der letzten drei Jahrzehnte einfach nur in die Zukunft fort zu schreiben.

Eine Fortschritt gibt es auch zu vermelden... vor 10 Jahren hat man noch von der Linken Seite (u.Multikulturalisten) großmaulig von der Rettung d. Pensionssystem durch Massenzuwanderung /Asylanten gefaselt . Nunmehr, es ist das Gegenteil wahr , aber mittlerweile ist Vernunft eingekehrt dsbzgl. (diese Argumente sind obsolet inzwischen) .

Wo ist das Problem?

Ein paar Staatsanleihen auflegen, die EZB kauft eh alles, und schon ist genug Geld da.

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Sarkasmus Ende

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Enttäuschend, Herr Schellhorn!


Sie gehen offensichtlich davon aus, dass unser Pensionssystem noch irgendwie rettbar ist.

Der Euro, und damit auch der Großteil der Pensionsvorsorge geht den selben Weg, den ausnahmslos JEDE nichtgedeckte Währung seit Jahrhunderten gegangen ist:
Hyperinflation und/oder Währungsreform

Demnächst in diesem Theater

Re: Enttäuschend, Herr Schellhorn!

als ob der Schilling gedeckt war
oder gar eigenständig.

Seit den 70ern an die Mark gebunden hätte man ihn danach an den Euro gebunden.
Und so ein verschuldeter Kleinstaat wäre ein schönes Ziel für jeden Spekulanten.

Warum rebelliert die junge Generation nicht?

Das wahrhaft Unbegreifliche ist für mich, dass sich in der Pensionsdebatte die Hauptbetroffenen gar nicht zu Wort melden. Die Hauptbetroffenen sind nicht diejetzigen und/oder baldigen Pensionisten, sondern die junge Generation. Diese junge Generation wird mit absoluter Sicherheit nicht mehr ähnliche Pensionsvorteile genießen können, wie wir das heute tun. Warum sie sich nicht zu Wort meldet, ist mir schleierhaft!

http://diepresse.com/home/meinung/quergeschrieben/236678/Jugendliche-Oesterreichs-wehrt-euch

Antworten Gast: malleus
25.09.2012 11:20
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Re: Warum rebelliert die junge Generation nicht?

Weil sie mit facebook und Smartphonespielen beschäftigt ist.

Antworten Gast: rebell
25.09.2012 11:02
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Re: Warum rebelliert die junge Generation nicht?

Gegen wen rebellieren? versuchens mal dieses thema als 30 jähriger mit einer gruppe 50 jähriger zu diskutieren. so schnell wies da mundtot und als verrückter und miesmacher abqualifiziert sind, so schnell könnesn gar nicht schaun.

genauso wie in der causa griechenland. wer schon vor jahren gewarnt hat, dass die griechen pleite sind, ist einfach als unwissend und dumm abgestempelt worden.

Re: Re: Warum rebelliert die junge Generation nicht?

Langsam, werter "rebell"; bei der Gruppe der 50-Jährigen kommt es darauf an, aus welchem Milieu die Herrschaften stammen. Nicht jeder Ältere poltert gegen die Jungen. Auch unter den Älteren finden sich Leute, die sich sehr wohl Gedanken über die zukünftigen Pensionen der heutigen Jungen machen, betrifft es doch in vielen Fällen ihre eigenen Söhne und Töchter. Daher macht es keinen Sinn, hier Jung gegen Alt auszuspielen. Und bitte denken Sie auch daran, dass es die heute Älteren waren, die das Land dorthin gebracht haben, wo es heute steht. Die Problematik bei den Pensionen sehe ich eher im System. Hier werden Beamte des öffentlichen Dienstes hofiert und Leute aus der Privatwirtschaft benachteiligt. So lange man dieses System weiterführt, so lange wird es auch diese Probleme geben.

…. die US-Goldbestände…

…liegen ja auch bei der Chase Manhatten Bank in NY :-)

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Re: …. die US-Goldbestände…

Welche Bank bitte?

Gast: Zweifel tut not
24.09.2012 20:04
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Polemik reinsten Wassers!

Das Pensionssystem kann gar nicht pleite gehen, das ist im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz nicht vorgesehen!
Das ist nichts als Panikmache die ich in dieser oder ähnlicher Form seit bald 30 Jahren in der Zeitung lese.
Ein Umlagesystem kann ja nie pleite gehen denn die heutigen zahlen die Pension der vorherigen.
Einzig das Kapitaldeckungssystem kann pleite gehen und zwar wegen zu geringer Zinsen.
Was ich gar nicht verstehe ist ein Vorstoß der gänzlich nur von Pensionsexperten und Arbeitgebern ausgeht.
Wie wäre es mal mit etwas Praktikablem? Etwas was mehr als nur ein Gran an Verwirklichungs-chance hat?
Man müsste halt alle gesellschaftlichen Gruppen einbinden - also auch die Arbeitnehmer und ihre Vertretungen.
Der neojosephinische Ansatz: Alles für das Volk, nichts durch das Volk, der funktioniert halt nicht mehr!

Ein Umlagesystem kann ja nie pleite gehen denn die heutigen zahlen die Pension der vorherigen

Genau. Das Problem ist, dass die "heutigen" im Verhältnis zu den "vorherigen" weniger werden. Und die "vorherigen" höhere Zuwachsraten fordern, als das Wachstum durch die "heutigen" hergibt. Beides folgt einem Trend, eine Umkehr ist jeweils nicht absehbar.

Ob so ein System "pleite" gehen kann, würde ich nicht unbedingt davon abhängig machen, ob es ein Gesetz so vorsieht.
Ob es "pleite" ist, sagen Ihnen dann die "morgigen" ausreichend deutlich.

Antworten Gast: Meerta3J
25.09.2012 09:27
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Ja, aber

die Pensionssysteme, die bei uns pleite sind, weil zu wenig einbezahlt wird (zB jenes der Bauern - die tragen nur 25% der Ausgaben bei), erhalten halt Milliarden aus dem allg. Budget. Ob das fair ist, sei dahin gestellt.

Das klingt alles so harmonisch

aber in Wahrheit werden Disharmonien übermalt. Wie viele Unternehmen in Österreich gibt es, die Arbeitnehmer über 50 beschäftigen? Wie viele Arbeitnehmer müssen aus ehrlichen(!) Gesundheitsgründen in die Frühpension, weil der Körper nicht mehr mitmacht? Das schwedische Modell mag seine Vorzüge haben, aber wie lange würde es dauern, bis es bei uns greift? Ebenso das schweizer 3-Säulen-System? Ein für alle Arbeitnehmer vernünftiger Schritt wäre auch, die im Durchschnitt hohen Beamtenpensionen dem ASVG-und SVA-Schnitt anzupassen. Ich habe nichts gegen Beamte, aber brauchen wir so viele? Würde man da sparen, man würde eine Menge Geld für wichtige Angelegenheiten (Gesundheit, Bildung etc.) zur Verfügung haben.

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Re: Das klingt alles so harmonisch

Das Problem ist: ich glaube, dass den meisten Beamten bzw. öffentlich Angestellten tatsächlich nicht langweilig ist - und zwar deswegen, weil es einfacher ist, ständig weitere punktuelle Regelungen einzuführen, als das System zu reformieren. Damit steigt halt auch der Arbeitsaufwand in der Verwaltung. Deswegen müsste eigentlich zuerst das System entrümpelt und vereinfacht werden, dann wäre es relativ einfach die Anzahl der öffentlich Bediensteten zu reduzieren.

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