Es kann auch Zufall sein. Ausgerechnet als der eine Kanzler im U-Ausschuss wegen der ÖBB-Inserate gegrillt wird (also nicht er persönlich, sondern sein ehemaliger Pressesprecher in Vertretung), wird publik, dass sich der andere Kanzler seine 60er-Party von den ÖBB sponsern ließ.
Man beginnt zu erahnen, wieso die SPÖ, als die den U-Ausschuss zudrehen wollte, in der ÖVP einen doch recht willfährigen Mitstreiter gefunden hat. Muss ja nicht unbedingt sein, so ein unappetitlicher „Patzt du meinen Kanzler an, patze ich deinen Ex-Kanzler an“-Wettbewerb.
Kann, wie gesagt, alles auch Zufall sein. Aber die Optik ist dennoch unschön. Der heutige ÖVP-Staatssekretär, bislang als großer ÖBB-Kritiker bekannt, der bei den ÖBB mehr als 17.000 Euro für den schwarzen Kanzlergeburtstag herausholte – mit den an den damaligen ÖBB-Chef gerichteten Worten: „Dein Beitrag, der in so einem exklusiven Rahmen präsentiert wird, ist sicherlich auch ein schönes Zeichen deiner Verbundenheit mit Wolfgang Schüssel.“
Und dann der aktuelle „Schweigekanzler“, der wohl nicht Kanzler (und SPÖ-Chef) wäre, hätte er sich mittels geschickter Inseratenplatzierung nicht jahrelang als sympathischer Macher und Hoffnungsträger der Sozialdemokratie inszenieren können, sodass die Genossen – auch in der Hoffnung auf künftige wohlwollende Berichterstattung – nicht mehr an ihm vorbeikamen.
Aber wie gesagt, das alles kann freilich auch Zufall sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)















