26.05.2013 08:44 Merkliste 0

Zufälle gibt's!

OLIVER PINK (Die Presse)

Wird der eine Kanzler gegrillt, bleibt auch der andere nicht gänzlich unangepatzt.

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Es kann auch Zufall sein. Ausgerechnet als der eine Kanzler im U-Ausschuss wegen der ÖBB-Inserate gegrillt wird (also nicht er persönlich, sondern sein ehemaliger Pressesprecher in Vertretung), wird publik, dass sich der andere Kanzler seine 60er-Party von den ÖBB sponsern ließ.

Man beginnt zu erahnen, wieso die SPÖ, als die den U-Ausschuss zudrehen wollte, in der ÖVP einen doch recht willfährigen Mitstreiter gefunden hat. Muss ja nicht unbedingt sein, so ein unappetitlicher „Patzt du meinen Kanzler an, patze ich deinen Ex-Kanzler an“-Wettbewerb.

Kann, wie gesagt, alles auch Zufall sein. Aber die Optik ist dennoch unschön. Der heutige ÖVP-Staatssekretär, bislang als großer ÖBB-Kritiker bekannt, der bei den ÖBB mehr als 17.000 Euro für den schwarzen Kanzlergeburtstag herausholte – mit den an den damaligen ÖBB-Chef gerichteten Worten: „Dein Beitrag, der in so einem exklusiven Rahmen präsentiert wird, ist sicherlich auch ein schönes Zeichen deiner Verbundenheit mit Wolfgang Schüssel.“

Und dann der aktuelle „Schweigekanzler“, der wohl nicht Kanzler (und SPÖ-Chef) wäre, hätte er sich mittels geschickter Inseratenplatzierung nicht jahrelang als sympathischer Macher und Hoffnungsträger der Sozialdemokratie inszenieren können, sodass die Genossen – auch in der Hoffnung auf künftige wohlwollende Berichterstattung – nicht mehr an ihm vorbeikamen.

Aber wie gesagt, das alles kann freilich auch Zufall sein.


oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)

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8 Kommentare
Gast: Niederösterreicher
27.09.2012 16:36
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Wer glaubt wirklich, daß Schüssel korrupt ist?

Schüssel hat sein Regierungsamt engagiert, ideenreich und erfolgreich erledigt. Anderswo verweisen die Sozi stolz darauf, daß die wirtschaftlichen Erfolge ihres Landes auf die umsichtige Tätigkeit ihres Genossen Bundeskanzler zurückzuführen sind (es ahnen es: auf die Tätigkeit des dt. Ex-Kanzlers Schröder). Bei uns werden die Dinge auf den Kopf gestellt. Weils ein schwarzer Bundeskanzler war, war alles, was er gemacht hat, natürlich schlecht. Und um diesen Unsinn den Leuten auch genügend intensiv einzubläuen, damit sie es auch glauben, inszenierten die Genossen in der größten österr. Tageszeitung die Inserate..

Und so wurde ein Studienversager auf einmal zum Wirtschaftsexperten..

Sehen`s, das ist Österreich!

Antworten Gast: Hubert Elser
01.10.2012 10:33
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DANKE für diesen Kommentar!

Auf den besten Kanzler der zweiten Republik, folgt - mit zweijährigem Gustenbauer Intermeezo - der wohl allerschlechteste Kanzler, den Österreich jemals hatte.

Gast: spottdrossel
27.09.2012 13:43
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nein, das tut man nicht,

man geht wie die ÖVP still in sich und gedenkt der eigenen Fehlbarkeiten.

Antworten Gast: Niederösterreicher
27.09.2012 16:40
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Re: nein, das tut man nicht,

Die Leute lassenn sich halt von gew. Spin-Doktoren in der Löwelstraße für dumm verkaufen... Aus einem verkrachten Studenten mit vielen Leerzeiten in seinem Lebenlauf wird auf einmal ein Kapazunder..

Und im Falle der ÖVP ist es bedauerlich, daß sie sich ihre frühere Erfolgpolitik miesmachen läßt und nicht den Mumm hat, den Erpressungen ihres Koalitionspartners zu widerstehen...

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Richtig, Zufälle gibt’s!

Es ist sicher reiner Zufall, daß kein Medium bereit ist mit ein paar Zeilen auf den Unterschied hinzuweisen, der zwischen den Faymann-Inseraten und allen anderen normalen Inseraten besteht. Das „zufällig“ angesprochene Schüsselinserat, vulgo ÖBB-Inserat in der Schüssel-Festschrift, ist ein solches normales Inserat.

Es ist weithin Standard, nicht nur hierzulande, sondern überall auf der Welt, daß bei gegebenen Anlaß Festschriften herausgegeben werden. Z.B. bei der Inbetriebnahme eines Kraftwerkes.

Standard ist auch, daß derartige Festschriften mit Inseraten finanziert werden. Im Beispiel Kraftwerkseröffnung schalten am Bau beteiligte Firmen in der Festschrift Inserate. Für die Inserenten ist der Werbeeffekt gegeben, weil die Festschrift in jenen Kreisen zirkuliert, aus der wieder ähnliche Aufträge zu erwarten sind.

Wenn also die ÖBB in der Schüssel-Festschrift inserieren, dann ist der Werbeeffekt für die ÖBB sichergestellt. Und, die ÖBB macht das freiwillig und aus eigenen Mitteln. Die Führung der ÖBB muß dies vor ihrem Aufsichtsrat auch verantworten. Was soll daran schlecht, was soll rechtlich bedenklich sein?

Wenn aber der Infrastrukturminister per einsamen Entschluß Inserate schaltet zum Werbeeffekt seiner Person und die Rechnung, ohne die ÖBB vorher zu fragen, an die ÖBB richten läßt, dann ist das strafrechtlich relevant, denn er hat über fremdes Geld verfügt.

Den Medien würde gut zu Gesicht stehen, diesen gravierenden Unterschied beim Namen zu nennen.

Re: Richtig, Zufälle gibt’s!

Richtig.
Ich würde es zwar generell immer kritisch sehen, wenn Parteimachwerke von staatsnahen Betrieben Geld bekommen, aber das alleine macht eben noch keinen Skandal.

Gewohnt (zu) drastische Worte zu den Unterschieden zwischen den Fällen bei Andreas Unterberger:
http://www.andreas-unterberger.at/2012/09/pech-gehabt-die-rote-gegenoffensive/

Gast: ökono-mist
27.09.2012 02:33
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Eine Erklärung steht noch aus:


Warum bloß verkleidet sich ein ehemaliger Kanzlersprecher als aktueller "Presse"-Chefredakteur? Bloß so?

mit dem Zweiten sieht man besser


gilt auch für Presse Redakteure!

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