Wem bleibt neben dem Verfassen von SMS, Mails, Facebook- und Twittereinträgen Zeit, einen Brief (um den Jüngeren das Nachschauen auf Wikipedia zu ersparen: eine meist auf Papier festgehaltene Botschaft, siehe auch Liebes- oder Mahnbrief) zu schreiben. Außer Beamten, die eine Gebührenvorschreibung versenden. Und Michael Häupl. Und Maria Vassilakou. Die haben jetzt sogar gemeinsam einen Brief verfasst.
Politiker nähern sich dem Bürger notorisch dann, wenn sich ein Wahltermin nähert. Diesmal ist es zwar eine Volksbefragung manweißesnichtgenau 2013 zum Thema manweißesnichtgenau Parken. Aber das politische Desaster für Rot-Grün rund um die am Montag startende Erweiterung der Gebührenpflicht für das Abstellen von Fahrzeugen hat den sonst in sich ruhenden Bürgermeister aufgeschreckt. Er wirbt mit einem Brief Seite an Seite mit seiner Verkehrsstadträtin für das Parkpickerl. Viel zu spät hat er sich neben seine Koalitionspartnerin gestellt.
Man könnte den Brief auch eine rot-grüne Charmeoffensive in Zeiten höchster Bedrängnis nennen. Denn der Umstand, dass es keine Volksbefragung geben darf, empört auch Jugendliche, wie eine neue Studie zeigt. Jetzt warten wir also auf die Fragen an die Bürger – und darauf, ob sie ernsthaft gemeint sind. Oder ob man uns bloß häkerln will, wie wir Wiener sagen.
dietmar.neuwirth@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)















