21.05.2013 12:23 Merkliste 0

Schule: Risiko für Gesundheit

ANDREAS WETZ (Die Presse)

Der Staat verpflichtet Kinder zum Schulbesuch. Es ist daher dessen Pflicht, dass Unterricht nicht krank macht.

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Es gehört zu den Grundprinzipien dieser Zeitung, den Staat lieber für weniger und das Individuum eher für mehr verantwortlich zu machen. Das gilt auch für die Wahl des Lebensstils. Ob dieser nun gesund ist oder nicht, ist in erster Linie Privatsache.

Nun ist es jedoch so, dass der Staat – mit gutem Grund – Kinder dazu verpflichtet, in Schulen zu sitzen. Leider auch im wörtlichen Sinn. Denn mit der Schulpflicht übernimmt der Gesetzgeber nicht nur die Verantwortung für die Ausbildung, sondern auch die Pflicht, darauf zu achten, dass der Schulbesuch nicht zum Gesundheitsrisiko wird.

Gerecht wird er dieser Verantwortung nicht. Laut Ernährungsbericht des Gesundheitsministeriums ernähren sich gerade Kinder gar nicht sofalsch. Sie bewegen sich nur zu wenig. Doch das ist nur bedingt ihre oder die Schuld ihrer Eltern. Während der Obhut des Staates bleiben für Pflichtschüler nämlich nur zwei bis vier Stunden pro Woche für Bewegung. Und das in einem Alter, in dem die Grundlagen für einen gesunden oder einen anderen Lebensstil gelegt werden. Angesichts dieser Daten ist es Zeit abzuwägen, ob nicht eine Stunde ohnedies nicht immer erstklassig vermittelten Wissens (siehe PISA-Test) zugunsten des wenig ernst genommenen Schulsports geopfert werden sollte.


andreas.wetz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2012)

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17 Kommentare
Gast: Kohlegger K.
28.09.2012 08:00
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Und woher?

Seit den 70er Jahren erfolgt an Österreichs Schulen ein Schulversuch nach dem anderen, ohne dass jemals ein (gutes) Ergebnis für alle daraus geworden wäre. Die Kinder können nicht mehr lesen, schreiben, rechnen oder sich artikulieren, aber die Stundenpläne sind vollgestopft mit Idiotenfächern und Projekten, die sich irgendwelche "Experten" ausgedacht haben und gut davon leben. Es wäre ausreichend Zeit für Turnunterricht bzw. Bewegung in Verbindung mit einem Fach, würde man den ganzen 68er-Ballast endlich abwerfen und sich auf das Wesentliche konzentrieren: Den Kindern Grundsätzliches zu lehren.

Antworten Gast: fessa
28.09.2012 10:41
2 0

Re: Und woher?

DIE Kinder Grundsätzliches zu lehren! So lange wird Grammatik schon in der Schule vernachlässigt?

Antworten Antworten Gast: Gast: Leser
28.09.2012 11:39
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Re: Re: Und woher?

Völlig richtig; Gast Kohlegger K. ist wohl auch ein Opfer der ungenügenden Schulausbildung.

Antworten Antworten Gast: Booohhhman
28.09.2012 11:07
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Re: Re: Und woher?

Und das ist Ihr einziger Beitrag zu der Debatte? Wohl zu viel Zeit für das Internet an einem Arbeitstag? Oder ZA wie ich?

Re: Und woher?

"Die Kinder können nicht mehr lesen, schreiben, rechnen oder sich artikulieren"

zu ihrer information: diese mängel betreffen ~30% aller österreicher! und die sind nicht alle in bösen schulversuchen gesessen. viele sind schon in zeiten zur schule gegangen, als solche versuche noch nicht mal existierten. allerdings gab es damals auch keine pisa- oder andere vergleichstests. was für ein glück!

Antworten Antworten Gast: W. K.
28.09.2012 10:27
2 1

?

Ganz offensichtlich gehören Sie zu jenen, denen Bildung bereits sehr früh vorenthalten worden ist.

Antworten Antworten Gast: Kohlegger K.
28.09.2012 09:37
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Re: Re: Und woher?

Das waren allerdings Zeiten, guter Mann, wo etliche Kinder nach der Volksschule aus den Schulen genommen wurden. Das war ab den 70ern aber wohl kaum mehr der Fall, oder?

Liberal?

Wenn man den Staat für eher weniger und das Individuum für eher mehr verantwortlich machen will, warum muss dann der notwendige Sport ausgerechnet während der staatlichen Obhut stattfinden?
Sonst wäre ja eigentlich ein ganz anderer Ansatz naheliegend: Der Staat sollte die Kinder nicht zu mehr Sportstunden verpflichten, sondern seine Obhut zeitlich so knapp wie möglich halten, damit AUSSERHALB der Schulzeiten noch genug Platz bleibt für - individuell gestaltete - Aktivitäten wie eben den Sport.
Außer man erklärt den Sport per se schon zu einem derart wichtigen Faktor für die Entwicklung der Kinder, dass man ihn - wie die Bildung - in gewissem Ausmaß tatsächlich per staatlichem Zwang dem Gestaltungsspielraum der Eltern entziehen will. Aber dann sollte man das auch so sagen.

Re: Liberal?

"..warum muss dann der notwendige Sport ausgerechnet während der staatlichen Obhut stattfinden?"

damit er ÜBERHAUPT stattfindet.
ihre einschätzung der situation und ihr vertrauen auf individuell gestaltete aktivitäten in richtung bewegung und gesundheit ist doch völlig weltfremd.

"Außer man erklärt den Sport per se schon zu einem derart wichtigen Faktor für die Entwicklung der Kinder..."
was heisst hier "erklären"? die gesundheit und körperliche entwicklung der kinder IST ein wichtiger faktor!

Re: Re: Liberal?

Klar ist es ein wichtiger Faktor. Aber das war nicht die Frage.
Die Frage war, ob der Faktor DERART wichtig ist, dass man STAATLICHEN ZWANG einsetzt, um sicher zu stellen, dass der ausreichend berücksichtigt wird.

Das war doch gerade eben die Aussage des Artikels: "Eigentlich sollte man das Thema ja den Individuen überlassen, nicht dem Staat, aber die können ja garnicht, weil der Staat mit seiner Obhut die ganze Zeit frisst."

Und die Argumentation ist halt unsinnig, weil mit sich selbst im Widerspruch.

Wobei ich mich bei einem Mindestmaß an Sport in der Schulpflicht ja durchaus anfreunden könnte. Nur halt nicht mit der Argumentation die Herr Wetz dazu auffährt.
Dass Sie nicht einmal mehr die Frage stellen ob staatlicher Zwang zu rechtfertigen ist wundert mich dagegen schon lange nicht mehr.

Antworten Antworten Gast: Erich H.
28.09.2012 10:30
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Re: Re: Liberal?

Wir kennen Ihr Weltbild inzwischen. Ihnen schweben wohl die Jugend-Sportstaffeln der DDR vor. Vorwärts immer, rückwarts nimmer.

Re: Re: Liberal?

Was meinen sie mit weltfremd? In Schweden ist der Wochenend - Radausflug genauso Tradition wie bei uns das Frühschoppen. Auch größere Entfernungen werden dort mit dem Rad zurückgelegt, Entfernungen, bei denen sich Österreichs Jugend höchstens mit dem Finger auf die Stirn tippt. Bewegung ist dort ein fest verankerter Parameter in der Gesellschaft, der immer und überall gepflegt wird.
Nicht wegen einer Schulstunde mehr oder weniger findet dort Sport statt, sondern weil man es einfach macht, weil es notwendig ist, weil es irgendwie dazu gehört oder von mir aus, weil es cool ist.
Was in Österreich cool ist bei Jugend wissen wir auch. Sich bewegen ist es leider nicht für einen Großteil und da wird auch keine Schulstunde eine Änderung herbeiführen.

Re: Re: Re: Liberal?

mit weltfremd bei meinem vorposter meinte ich, dass er (im gegensatz zu ihnen) daran zu glauben scheint, eine schulstunde weniger würde zu höherer sportlicher betätigung führen ("damit AUSSERHALB der Schulzeiten noch genug Platz bleibt für - individuell gestaltete - Aktivitäten wie eben den Sport.")

fakt ist doch, dass sowohl im schulischen wie auch im ausser-schulischen bereich zuwenig für körper und gesundheit getan wird. die gesellschaft kann für den privaten bereich keine vorschriften machen. im schulischen ist das möglich (ich bin da optimistischer als sie "..und da wird auch keine Schulstunde eine Änderung herbeiführen. " wenn der lehrer/trainer was taugt, dann ändert sich auch was).
wenn etwas positiv ist, dann sollte es auch getan/angeordnet werden!

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Re: Re: Re: Liberal?

Ich bin ja im allgemeinen auch eher dafür, den Einfluss des Staates so gering wie möglich zu halten. Ich bin allerdings durchaus für mehr Schulsport, und schon der Meinung, dass eine Turnstunde mehr pro Tag an der Einstellung der Schüler etwas ändern kann - mehr Sport sorgt jedenfalls für eine bessere körperliche Verfassung, und in besserer körperlicher Verfassung macht auch Sport mehr Spaß. So könnte durchaus bei Einigen ein positiver Kreislauf in Gang kommen.

Re: Re: Re: Re: Liberal?

Dann gehen wir einmal in die Praxis. Wenn sie glauben, die Schule verordnet generell mehr Sport und dann passiert auch Sport, weil es der Lehrer, die Schule oder irgendwelche Unterzeichner von Petitionen so wollen, dann verkennen sie leider die Realität. Ich gebe ihnen ein Beispiel. In einer Schule nahe dem Stadionbad wurde von einem engagierten Lehrer (ja, so etwas gibt es!) in seiner Freizeit, unbezahlt eine wöchentliche Schwimmstunde angeboten. Das Hallo war groß, der Zustrom nicht enden wollend, bis die Schüler merkten, dass Schwimmen nichts mit gegenseitig ins Wasser schmeißen oder anspritzen zu tun hat, sondern durchaus körperliche Anstrengung bedeuten kann. Nach 3 Wochen hatten selbst die Buben Menstruationsblutungen und das wöchentlich, nach zwei Monaten war dieses Projekt gestorben. Jetzt soll man nicht von einem traurigen Ereignis auf andere schließen, aber Fakt ist doch, dass ein Herr Meyer dem Fachinspektor für Sport die Türe einrennt, wenn ein Turnlehrer dessen übergewichtigen Sohn 5 Runden im Turnsaal rennen lässt und der Herr Murat stellt schon beim Einschreiben seiner Tochter klar, dass diese weder an Sportwochen noch an Schikursen teilnehmen wird, weil es könnte ja... Fakt ist auch, dass viele der Schulgebäude vor allem im städtischen Raum bestenfalls einen Turnsaal besitzen, der schon für den Regelunterricht nicht ausreicht, da ja alle Klassen eine gewisse Stundenanzahl in einem für Sport geeigneten Raum zu absolvieren haben. Wo also mehr Sport und wie?

Gast: bidee
27.09.2012 23:11
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haeh

Bitte was?!?!

Re: haeh

das nenne ich einen qualifizierten kommentar, hut ab!

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