Es gehört zu den Grundprinzipien dieser Zeitung, den Staat lieber für weniger und das Individuum eher für mehr verantwortlich zu machen. Das gilt auch für die Wahl des Lebensstils. Ob dieser nun gesund ist oder nicht, ist in erster Linie Privatsache.
Nun ist es jedoch so, dass der Staat – mit gutem Grund – Kinder dazu verpflichtet, in Schulen zu sitzen. Leider auch im wörtlichen Sinn. Denn mit der Schulpflicht übernimmt der Gesetzgeber nicht nur die Verantwortung für die Ausbildung, sondern auch die Pflicht, darauf zu achten, dass der Schulbesuch nicht zum Gesundheitsrisiko wird.
Gerecht wird er dieser Verantwortung nicht. Laut Ernährungsbericht des Gesundheitsministeriums ernähren sich gerade Kinder gar nicht sofalsch. Sie bewegen sich nur zu wenig. Doch das ist nur bedingt ihre oder die Schuld ihrer Eltern. Während der Obhut des Staates bleiben für Pflichtschüler nämlich nur zwei bis vier Stunden pro Woche für Bewegung. Und das in einem Alter, in dem die Grundlagen für einen gesunden oder einen anderen Lebensstil gelegt werden. Angesichts dieser Daten ist es Zeit abzuwägen, ob nicht eine Stunde ohnedies nicht immer erstklassig vermittelten Wissens (siehe PISA-Test) zugunsten des wenig ernst genommenen Schulsports geopfert werden sollte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2012)















