19.06.2013 21:20 Merkliste 0

Wenn alle reden und keiner zuhört

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Das Ritual der UN-Generaldebatte ist in seiner jetzigen Form ziel- und sinnlos.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Am Donnerstag also durften die Delegierten, die höflicherweise im Auditorium des New Yorker UN-Hauptquartiers ausharrten und gegen den Schlaf ankämpften, unter anderem den Staatsoberhäuptern der Komoren, der Mongolei und Guyanas, dem Kronprinzen Bruneis sowie den Ministerpräsidenten Lesothos und Jamaikas lauschen. Dazwischen wiederholten der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde und der Premier Israels ihre bekannten Standpunkte.

Es ist ja rührend, dass bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen Vertreter aller 191 Mitglieder gleichberechtigt zu Wort kommen. Und natürlich bietet der Auftrieb in New York Gelegenheit für sinnvolle bilaterale Treffen am Rande. Doch die Generaldebatte selbst verdient ihren Namen nicht. Denn eine Diskussion findet nicht statt: Die meisten Teilnehmer lesen einfach ihren Sermon vom Blatt, ohne auch nur in Halbsätzen auf Vorredner einzugehen.

Seit 2003 begrenzt das UN-Protokoll die Redezeit auf 15 Minuten. Vielleicht ist es 67 Jahren nach Gründung der UNO ja möglich, über eine etwas weitergehende Reform nachzudenken und die Generaldebatte entweder ganz abzuschaffen oder wenigstens thematisch einzuschränken. Das sinnentleerte Ritual des jetzigen Formats bringt in seiner inhaltlichen Beliebigkeit nämlich gar nichts.

 

E-Mails an: christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

5 Kommentare
Gast: beschwerer
30.09.2012 17:58
0 0

wie fast alle presse-kommentare

davon ändert sich in der welt (ja nicht mal in österreich oder WIEN) halt auch gar nix, lieber herr ultsch.

1 0

Sinnlos?

Ach wo! Ausgezeichnete Arbeitsplätze sind das!

Gast: ökono-mist
28.09.2012 01:29
4 0

Bestimmte Formen der Ziellosigkeit haben ja auch gewisse Vorteile:


Sie gebären Reiseziele für Reisefreaks, die ihre Reisen nicht selbst bezahlen müssen...

P. S.: Angenehmer Nebeneffekt: Die Destinationen sind meist absolut abhörsicher - ein unschätzbarer Vorteil in Zeiten allerhöchster Skandalabtausch-Koordinations-Notwendigkeiten der Verschwiegenheitsstufe 10...

P. P. S.: Und wir naiven Steuerzahler freuen uns dann jedesmal sooo über die schönen elektronischen Ansichtskarten mit den glücklichen Politikerköpfen, Marke "bildschirmformatfüllende ZIB1-Vollversion"...
.

Gast: yeehaa
27.09.2012 23:10
4 0

Howdy

Die Vollversammlung - ach was, die ganze UNO is unnötig! Grüße nach Amerika.

Antworten Gast: Vogel Strauss
28.09.2012 21:05
0 0

Re: Howdy

Wo sollen die ganzen Typen dann arbeiten? Auch Wiener, die in der UNO-City arbeiten, verdienen ganz gut dran ...

Mehr Kommentare:

Top-News