Am Donnerstag also durften die Delegierten, die höflicherweise im Auditorium des New Yorker UN-Hauptquartiers ausharrten und gegen den Schlaf ankämpften, unter anderem den Staatsoberhäuptern der Komoren, der Mongolei und Guyanas, dem Kronprinzen Bruneis sowie den Ministerpräsidenten Lesothos und Jamaikas lauschen. Dazwischen wiederholten der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde und der Premier Israels ihre bekannten Standpunkte.
Es ist ja rührend, dass bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen Vertreter aller 191 Mitglieder gleichberechtigt zu Wort kommen. Und natürlich bietet der Auftrieb in New York Gelegenheit für sinnvolle bilaterale Treffen am Rande. Doch die Generaldebatte selbst verdient ihren Namen nicht. Denn eine Diskussion findet nicht statt: Die meisten Teilnehmer lesen einfach ihren Sermon vom Blatt, ohne auch nur in Halbsätzen auf Vorredner einzugehen.
Seit 2003 begrenzt das UN-Protokoll die Redezeit auf 15 Minuten. Vielleicht ist es 67 Jahren nach Gründung der UNO ja möglich, über eine etwas weitergehende Reform nachzudenken und die Generaldebatte entweder ganz abzuschaffen oder wenigstens thematisch einzuschränken. Das sinnentleerte Ritual des jetzigen Formats bringt in seiner inhaltlichen Beliebigkeit nämlich gar nichts.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2012)















